Casillas raus, Agüero im Sinn – Real Madrids Transferpläne

Die Blancos befinden sich nach der Entlassung Carlo Ancelottis in einer Übergangsphase. Unter Rafael Benitez soll im Kader an mehreren Stellschrauben gedreht werden.

Bei Real Madrid soll eine neue Ära beginnen. Carlo Ancelotti wurde im vergangenen Monat der Stuhl vor die Tür gestellt, Präsident Florentino Perez verpflichtete Rafa Benitez als neuen Cheftrainer. Klare Ansage an den neuen Coach: Die großen Titel, die es in der vergangenen Saison nicht gab, müssen künftig wieder eingefahren werden.

Dafür muss zunächst der Kader verstärkt und eine Saison analysiert werden, in der Real überragend startete, dann abbaute und am Ende mitansehen musste, wie der Erzrivale FC Barcelona das Triple gewann.

Benitez wird bei den Transfers nicht das alleinige Sagen haben, aber seine Ideen sicher einbringen dürfen. Es wird erwartet, dass es rund um das Santiago Bernabeu in den kommenden Wochen einige Veränderungen gibt.

TRANSFERZIELE


Sergio Agüero steht bei Manchester City noch bis 2019 unter Vertrag

Ein einfacher Transfersommer ist allerdings nicht zu erwarten. Nur wenige Spieler von Weltklasseformat sind wirklich auf dem Markt. Spektakuläre Transfers dürften sich als schwierig erweisen, selbst für einen Verein vom Kaliber Reals.

Ein Spieler, der ziemlich sicher die Reise in die spanischen Hauptstadt antreten wird, ist Torhüter David De Gea. Er möchte nach Madrid, ist durch seine Vorgeschichte bei Atletico allerdings auch "vorbelastet". Sein Vertrag bei Manchester United läuft im Sommer 2016 aus, eine Verlängerung dort hat er abgelehnt. Zwischen den beiden Klubs geht es nur noch um die Ablöse für den spanischen Nationaltorwart.

Auf der Rechtsverteidigerposition hat Real bereits zugeschlagen: Danilo kommt vom FC Porto. Auch auf der linken defensiven Außenbahn soll ein neuer Spieler kommen, um Druck auf Stammkraft Marcelo auszuüben. Die Namen, die dafür diskutiert werden, sind die von Chelseas Filipe Luis, Portos Alex Sandro und Bayerns David Alaba .

Wie zahlreiche andere Spitzenvereine auch, haben die Madrilenen Interesse an Paul Pogba (Juventus Turin) angemeldet. Das Rennen um den Franzosen, bei dem allerdings noch nicht sicher ist, ob er wirklich in diesem Sommer wechselt, spitzt sich zu. Barcelona, Manchester City und Paris Saint-Germain haben bereits ihren Hut in den Ring geworfen. PSG-Star Marco Verratti wäre für das zentrale Mittelfeld die etwas günstigere Variante, er steht bei den Verantwortlichen des spanischen Vizemeisters seit Jahren hoch im Kurs. Am wahrscheinlichsten ist indes die Verpflichtung von Lazios Luca Biglia. Der Argentinier spielt aktuell mit seiner Nationalelf die Copa America und ist ein Wunschspieler von Benitez.

Die Sommer in Madrid, besonders unter der Regentschaft von Florentino Perez, werden in der Regel durch den Kauf eines herausragenden Offensivspielers gekennzeichnet. Auch diesmal ist geplant, einen Top-Stürmer an Land zu ziehen, der Druck auf Karim Benzema ausüben soll. Erste Wahl dabei: Sergio Agüero.

Agüero ist bei Manchester City eigentlich glücklich, aber auch beim Klub aus den Eastlands wird sich in diesem Sommer Einiges tun. Zum Beispiel soll mit Raheem Sterling ein neuer Angreifer geholt werden. Ex-Blanco Alvaro Morata stellt für die Madrilenen eine Alternative da. Real hat die Möglichkeit, ihn von Juve zurückzuholen, allerdings laut Vertrag erst im Sommer 2016.

Marco Reus galt lange als heißer Kandidat, ehe der deutsche Nationalspieler seinen Vertrag bei Borussia Dortmund Anfang des Jahres verlängerte. Einer Rückholaktion Angel Di Marias wurde im Real-Vorstand auch diskutiert. Allerdings ist dies keine echte Option, der Vize-Weltmeister ging 2014 nicht wirklich im Frieden zu Manchester United.

SPIELER, DIE DEN VEREIN VERLASSEN KÖNNTEN


Alvaro Arbeloa wechselte 2009 vom FC Liverpool in die spanische Hauptstadt

Kaum jemand zweifelt daran, dass De Gea im Laufe des Sommers nach Madrid wechseln wird. Der Verein plant daher die Trennung von seiner langjährigen Nummer eins Iker Casillas. Der Ex-Welttorhüter ist mittlerweile bereit, seinen Heimatverein zu verlassen. Allerdings will er sich den Abschied mit einer Abfindung versüßen lassen und wird daher öffentlich keinen Wechselwunsch äußern. In dieser Angelegenheit sind zähe Verhandlungen zu erwarten.

In der Verteidigung darf sich Alvaro Arbeloa einen neuen Klub suchen. Neuzugang Danilo und Dani Carvajal kämpfen um den Platz auf rechts, für den Ex-Liverpooler ist kein Platz mehr. Ähnliches gilt auf der anderen Seite für Fabio Coentrao, falls ein neuer Linksverteidiger kommt. Innenverteidiger Nacho ist mit seinen Einsatzzeiten unzufrieden und strebt daher eine Veränderung an. Der von englischen Klubs umworbene Raphael Varane soll unbedingt gehalten werden.

Eine Abteilung weiter vorne hat der Klub Sami Khedira ablösefrei an Juventus abgegeben. Ihm könnte Fehleinkauf Asier Illaramendi folgen, der die hohen Erwartungen beim Rekordsieger der Champions League nie erfüllen konnte. Winter-Neuzugang Lucas Silva wird verliehen, da die drei Nicht-EU-Ausländer-Plätze nun an Rückkehrer Casemiro, Danilo und James Rodriguez vergeben sind.

Im Angriff soll das zwischenzeitlich unzufriedene Eigengewächs Jese gehalten werden. Benitez plant, den Flügelspieler häufiger einzusetzen. Chicharito wird Real verlassen. Seine Leihe läuft aus, er kehrt zu Manchester United zurück.

DER TRAINER

Sieben Jahre verbrachte Rafa Benitez als Spieler in Real Madrids Castilla und er startete seine Trainerlaufbahn in der Jugend des Klubs. Damals arbeitete er eng mit Vicente Del Bosque zusammen.

Schon früh eilte ihm der Ruf des großartigen Analytikers mit Detailversessenheit voraus. Als einer der ersten Trainer machte er es sich zur Gewohnheit, den nächsten Gegner auf Videobändern zu studieren – auf Juniorenebene.

Per Telefon: Benitez überzeugt Isco von Real-Verbleib

Mit dem FC Valencia gewann er 2002 und 2004 La Liga, es folgte eine erfolgreiche Zeit inklusive Champions-League-Triumph beim FC Liverpool. Seine letzten Jahre waren indes nicht berauschend. Jetzt ist er der Mann, der Real Madrid zurück in die Erfolgsspur führen soll.

Benitez' emotionale Rede bei seiner Vorstellung vor wenigen Wochen zeigte, wie emotional er dem Verein noch verbunden ist. Für Benitez ist er seine Heimat. Doch wenn er dort langfristig bleiben möchte, braucht auch er außergewöhnlich gute Ergebnisse.

MÖGLICHE STARTFORMATION

Zunächst einmal es wird eine Veränderung bei der Formation geben. Benitez wird wieder ein 4-2-3-1 spielen lassen und damit von Ancelottis favorisiertem 4-3-3 abrücken.

De Gea wird die neue Nummer eins zwischen den Pfosten, Danilo ist auf der rechten Seite die einzige Änderung in der bewährten Viererkette.

Biglia und Toni Kroos sollen die Schaltzentrale besetzen und davor gibt es einen harten Kampf um die vier Plätze in der Offensive: Um sie konkurrieren Luka Modric, James Rodriguez, Gareth Bale, Cristiano Ronaldo, Isco und vermutlich ein hochkarätiger Neuzugang.

Wie für viele andere Real-Trainer zuvor, wird es für Benitez auch darum gehen, seine Star-Angreifer über eine Saison bei Laune zu halten.