Was bringt die Zukunft für United-Flop Falcao?

15 Millionen Euro für vier Tore in der Liga: Klingt nicht nach einem besonders guten Deal. Und das ist es bis hierher für Manchester United und Falcao auch nicht.

Es war der 1. September 2014 und Manchester Uniteds Fans waren aus dem Häuschen: Die Red Devils hatten am Deadline-Day auf dem Transfermarkt noch einen rausgehauen: Nach Vizeweltmeister Angel Di Maria und diversen anderen Hochkarätern wurde also auch Radamel Falcao ins Old Trafford gelotst. Dieser atemberaubende Torjäger, der als bester Vollstrecker im Sechzehner galt, ehe er nach Monaco wechselte und sich dort schwer am Knie verletzte.

Uniteds Fans waren euphorisch. Best-Of-Videos des Kolumbianers überschwemmten die Sozialen Netzwerke, Fantasie-Traum-Formationen mit Falcao, Di Maria, Wayne Rooney, Robin van Persie und Juan Mata - dafür aber ohne Verteidiger – wurden gebastelt und gepostet und zum Angriff auf die Premier-League-Spitze geblasen.

"Wenn er seine Chance bekam, spielte er meist mies"

Die Euphorie rund um Falcao ist längst Geschichte. United spielt nach durchwachsenem Saisonstart zwar mittlerweile relativ schön und relativ erfolgreich (die letzten beiden Spieltage mal als Ausrutscher außen vor gelassen), aber mit dem Starangreifer hat das ziemlich wenig zu tun. Der für 15 Millionen Euro vom AS Monaco ausgeliehene Stürmer ist in Manchester nur Teilzeitkraft und niemand rechnet ernsthaft damit, dass der aktuelle Tabellenvierte die Kaufoption in Höhe von 60 Millionen Euro zieht, um ihn dauerhaft an den Klub zu binden. Wie ist das alles passiert?

Stephen Darwin ist Assistant Editor bei Goal UK und er hat Falcao in den vergangenen Monaten genau beobachtet. Er erklärt: "Hier in England sind Medien und Fans klar der Meinung, dass Falcao auf drastische Art und Weise unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Die Erwartungen und sein Gehalt waren so hoch und er konnte beides nicht rechtfertigen. Fairerweise muss man sagen, dass Louis van Gaal ihm nie über einen langen Zeitraum das Vertrauen schenke. Aber wenn er mal eine Chance bekam, so wie zum Beispiel im Top-Spiel gegen Chelsea, dann spielte er meist mies. Die Hoffnung, dass der Knoten platzt besteht nach wie vor, aber jetzt rennt ihm natürlich auch die Zeit davon."

Trainer van Gaal setzt auf einen vorne drin, der mehr als nur ein Strafraumstürmer ist. Deswegen hat er nach vielen Experimenten in den ersten Monaten der Saison auch regelmäßig Kapitän Wayne Rooney als Sturmspitze aufgeboten. Falcao dagegen pendelt zwischen Startelf und Ersatzbank, Mitte März musste er gar in Uniteds U21 ran, um dort Spielpraxis zu sammeln.

"Manchmal gibt es Spieler, die in einem Land fantastische Leistungen bringen, aber diese in einem anderen Land nicht abrufen können. Es wäre in diesem Fall nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass dies passiert", meinte van Gaal mit Blick auf Falcao vielsagend. "Bei einem Verein wie Manchester United ist es viel schwieriger.“

Juve ist das Gehalt zu hoch, Pool muss Balotelli loswerden

Wie geht es also weiter mit Falcao? Er genießt weiter einen sehr guten Ruf, interessierte Vereine gibt es viele. Doch das ist nicht ganz so einfach, schließlich ist a bereits 29 Jahre alt und verdient einen Haufen Geld. Rund 14 Millionen Euro beträgt sein Jahressalär beim AS Monaco. Der Klub möchte zudem möglichst viel von der 65-Millionen-Ablöse wieder reinholen, die einst an Atletico Madrid überwiesen wurde. 30 Millionen Euro ist die Schmerzgrenze nach unten, so heißt es aus Frankreich.

Da wird es dann eng für viele der Interessenten. Gehandelt werden unter anderem Inter Mailand, River Plate und der FC Valencia, allesamt finanziell nicht auf Rosen gebettet. Da sind die angeblichen Avancen vom FC Liverpool und Juventus Turin schon realistischer einzuschätzen.

Juve mag Falcao. Ihn hatte man bereits im Sommer 2014 im Visier und Kontakt nach Monaco bestand ebenfalls. Zu echten Verhandlungen kam es allerdings nicht – auf wirtschaftlichen Gründen. Die Bianconeri sind zwar finanziell auf dem aufsteigenden Ast, wollen aber nicht jeden Wahnsinn auf dem Spielermarkt mitmachen. Noch in der vergangenen Woche stellte Sportdirektor Beppe Marotta klar: „Das ist eine schwierige Personalie. Falcaos Gehalt ist zu hoch für uns.“

Denkbar wäre für den designierten Meister der Serie A allenfalls eine einjährige Ausleihe, bei der der Klub maximal sechs Millionen Euro des Gehalts schultert. Dass Falcao tatsächlich im kommenden Jahr das Juve-Trikot trägt, bezeichnete Marotta vorsichtig als „Utopie“.

Und Liverpool? Uniteds Erzrivale braucht unbedingt einen Torjäger. Daniel Sturridge kann allein den Abgang von Luis Suarez nicht kompensieren. Mario Balotelli hat sich als teuer Flop entpuppt und Rickie Lambert darf ebenfalls gehen. Allerdings drohen die Reds die Champions League zu verpassen und das wäre ein Dämpfer. Stephen Darwin sieht es so: "Liverpool müsste erstmal Mario Balotelli loswerden, um Falcao zu verpflichten. Wenn man sich anschaut, welche Probleme er in England hat, dann steht zu erwarten, dass er hier eigentlich so schnell wie möglich wegmöchte."

"Falcao träumt von Real, aber Real träumt nicht von Falcao"

Bleiben also eine Rückkehr nach Monaco und ein Wechsel zurück in die Primera Division. In Monaco sind die Türen für den Südamerikaner jedoch auch zu. Ambre Godillon von Goal Frankreich formuliert es so: "Falcao wird nicht in Monaco bleiben, auch wenn sein Vertrag noch bis 2018 läuft. Er war hier nicht glücklich, die Fans meinten, er sei nur wegen des Geldes hier. Er kostet den Klub mittlerweile zuviel Geld und Martial und Berbatov machen es im Sturm gut. Die riesigen Erwartungen hier hat er enttäuscht."

Godillon glaubt, dass Falcao insgeheim auf das falsche Pferd setzt: "Ich vermute, Falcao träumt von Real Madrid. Allerdings träumt Real Madrid nicht von Falcao."

So oder so: Es wird spannend zu sehen sein, was im Sommer mit dem Superstar passiert. Egal wo er am Ende landet, die Fans seines neuen Arbeitgebers werden sicher wieder Euphorie versprühen und Videos aus der guten alten Zeit posten.

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