Arsenal braucht Konstanz im Mittelfeldzentrum

Im Mittelfeld gibt es bei Arsenal immer wieder Veränderungen. Die Konstanz fehlt. Dabei könnten zwei ehemalige Bundesliga-Profis eine interessante Schaltzentrale bilden.

Arsene Wenger hat ein absolutes Luxusproblem: In kaum einer anderem Team herrscht im Mittelfeld ein so großes Überangebot an Top-Spielern wie beim FC Arsenal. Dementsprechend häufig verändert Wenger seine Elf in diesem Mannschaftsteil.

Gegen Monaco entschied sich der Gunners-Coach für eine 4-2-3-1-Formation. Er brachte in der Zentrale Francis Coquelin als Sechser, neben Santi Cazorla und hinter Mesut Özil. Auf der linken Seite startete Alexis Sanchez, rechts spielte Danny Welbeck. 

Mit Cazorla und Özil im Zentrum fehlt ein Dirigent

Keine gute Wahl, wie sich später herausstellen sollte. Gegen die kompakten Franzosen tat sich Arsenal im eigenen Stadion unheimlich schwer. Insbesondere Özil fehlten die Räume im Mittelfeld. Keinen einzigen Abschluss und nur eine Torschussvorlage brachte er zustande. Zwischen den Linien, wo der 26-Jährige so glänzen kann wie kaum ein anderer, hatte er weder Platz noch Zeit.

Zudem spielte mit Cazorla ein ähnlich offensiv denkender Spieler in der Mitte. Es fehlte ein klarer Stratege aus der Tiefe. Ein Dirigent. Einer wie Tomas Rosicky. Erst (zu) spät war der Tscheche eingewechselt worden. Dabei hätte Rosicky dem Spiel seiner Mannschaft womöglich die nötige Struktur geben können. 

"Wenn du Fußball liebst, liebst du Rosicky"

Es ist gar nicht lange her, da hatte sich Rosicky in der heißen Phase der Premier League kurz nach Weihnachten in den Fokus gespielt. Nicht nur optisch wirkt der 34-Jährige noch immer wie ein Mittzwanziger. Der Tscheche ist beweglich, spritzig und schlägt seine Haken auf dem Platz wie eh und je. Im Kopf aber ist der Ex-Dortmunder gereift. Er spielt ruhiger, abgezockter und umsichtiger als noch in seiner Zeit beim BVB, die nun fast zehn Jahre zurückliegt. Und er spielt immer häufiger eine Nuance defensiver als früher. 

Als ballfordernder Achter gibt Rosicky dann im Mittelfeldzentrum den Architekten, dessen hohe Kunst das Bestimmen von Spielrhythmus und –tempo ist. Nicht umsonst wird der Ballkünstler liebevoll "Little Mozart" genannt. 

Get Adobe Flash player

"Rosicky ist wundervoll. Wenn du Fußball liebst, liebst du Rosicky. Ich bin froh, dass wir ihn haben", schwärmte Wenger noch Ende Januar. Trotzdem kam Rosicky danach nur noch in einem von sechs Pflichtspielen von Beginn an zum Einsatz. Warum, das weiß niemand - außer Wenger selbst. Vermutlich aber hängt es damit zusammen, dass Özil und Aaron Ramsey nach ihren überwundenen Verletzungspausen zurück in die Mannschaft drängten.

2,3 Punkte im Schnitt mit Özil und Rosicky

Dabei wäre es durchaus eine vielversprechende und hochinteressante Option, Özil und Rosicky gemeinsam zu bringen. Ganz gleich, ob in einem 4-1-4-1- oder 4-2-3-1-System. Özil als beweglichen, trickreichen Zehner zwischen den Linien. Rosicky in defensiverer Rolle als Taktgeber aus der Tiefe, neben oder leicht vor einem zweikampfstarken Sechser wie Jack Wilshere, Mikel Arteta, Matthieu Flamini oder eben Coqelin. 

Die Statistik belegt: Es funktioniert. Sechs Mal standen Rosicky und Özil in der Premier League zusammen in der Startelf. Arsenal holte in diesen Spielen mit 2,3 Punkten im Schnitt mehr Zähler als nur mit einem der beiden (Rosicky: 1,9, Özil: 2,1) oder mit gar keinem (1,9).

Cazorla, der auf der Zehn selbstverständlich auch famos aufspielen kann, könnte dann auf die Flügel ausweichen. Auch dort hat der Spanier häufig genug herausragende Leistungen gezeigt. Zudem ist er auf den Außen deutlich weniger verschenkt als Mesut Özil, der diese ungeliebte Position auch schon des Öfteren bekleiden musste.

Arsenal braucht personelle Konstanz

Nach der 1:3-Heimpleite gegen Monaco steht der FC Arsenal in der Champions League jedenfalls wieder einmal vor dem Aus. Sollte den Gunners im Rückspiel kein Wunder gelingen, wäre das Achtelfinale in der fünften Saison infolge die Endstation.

Wenger täte gut daran, sich in dieser entscheidenden Phase der Saison zumindest grob auf eine Startformation festlegen. Natürlich, Rotation und gegnerorientiertes Aufstellen können auch von Vorteil sein. Aber Konstanz ist bei regelmäßigen personellen wie taktischen Veränderungen kaum zu verwirklichen. Gegen Monaco fehlten bei Arsenal die Automatismen.

Um eine Schaltzentrale mit Özil und Rosicky könnte ein interessantes Gebilde entstehen. Wenger muss sich langsam entscheiden, wie er sein Luxusproblem im Mittelfeld lösen will - und welchen Spielern er sein Vertrauen schenkt.

Folge Niklas König auf