Wolfsburg-Gegner FK Krasnodar: Im Zeichen des Bullen

1.300 Kilometer südlich von Moskau läuft ein ambitioniertes Projekt: Mit viel Geld, aber auch nachhaltigem Aufbau will ein Milliardär dort Spitzenfußball etablieren.
Krasnodar. Ein Milliardär gründet einen Verein in Russland und marschiert innerhalb weniger Jahre in die Erste Liga durch, spielt nun Europa League - da runzelt der Traditionalist schon mal die Stirn. Genau das ist bei FK Krasnodar geschehen, und doch gibt es gewisse Unterschiede zu Klubs wie Anzhi oder dem AS Monaco.

Bei den Monegassen sind die Stars Falcao und James Rodriguez Vergangenheit, weitere Investitionen des Milliardärs Dmitri Rybolowlew stehen in den Sternen. Die Herrlichkeit Anzhis ist auch passe, seit Besitzer Suleiman Kerimow den Etat massiv senkte, die Stars wegliefen und der Verein durchgereicht wurde.

Wo andere finanzstarke Besitzer auf Sand bauten und schnell die Lust am Spielzeug Fußball verloren, setzte Besitzer Sergey Galitsky von Beginn an auf Langfristigkeit. Der Erfolg stellte sich trotzdem zeitig ein: In nur drei Jahren schaffte es der erst 2008 gegründete FK Krasnodar aus der dritten Spielklasse in die Premier Liga, profitierte allerdings bei beiden Aufstiegen vom Rückzug nicht so finanzstarker Konkurrenten.

Freude an der Nachwuchsarbeit

Der Gegner vom VfL Wolfsburg (18 Uhr im LIVE-TICKER) will kein "Plastik-Klub" sein, vielmehr soll er sich auf lange Sicht selbst tragen. Zu diesem Zweck investierte Galitsky, ein bekannter und erfolgreicher Geschäftsmann in Russland, der ein Supermarkt-Imperium sein Eigen nennt, nicht nur in Beine, sondern auch in Steine. Aktuell wird ein Stadion gebaut, das gut 36.000 Zuschauern Platz bieten soll und voraussichtlich 2015 fertig wird. Dazu wurde das modernste Leistungszentrum Russlands errichtet, eine Akademie, die selbst Nationaltrainer Fabio Capello höchsten Respekt abnötigte.

Der Milliardär, der als Fußball-Enthusiast gilt, spricht Klartext: "Die Ergebnisse wird man erst in zehn Jahren sehen, dann freue ich mich auf die Reaktion derjenigen, die mich ausgelacht haben. Ich habe viel mehr Freude an der Akademie als an der ersten Mannschaft, weil die Profis viel weniger auf mich angewiesen sind."

Sein Traum ist ein Team nur aus Eigengewächsen, daran wird gearbeitet, doch aktuell geht man dann doch lieber den Weg vieler russischer Teams, die nicht wirklich sparen müssen: Drei Brasilianer sind Kern der Abteilung Attacke. Ari, Wanderson und Joaozinho heißen die Spieler, auf die wohl auch Dieter Hecking seine Akteure aufmerksam gemacht haben wird. Dazu kommt der schwedische Nationalspieler Andreas Granqvist, Europa-erfahren und Kapitän des Teams. Hecking weiß, was auf ihn zukommt: "Das wird eine hammerharte Aufgabe für uns. Das ist eine richtig gute Mannschaft, sogar die beste in der Gruppe."

Ungeschlagen in Europa

Ob sie besser als der FC Everton und die Wölfe sind, sei dahingestellt, aber Krasnodar hat in Galitsky einen offenen, modern ausgerichteten Mäzen und Präsidenten, der sich nicht versteckt, sondern gern und versiert über die Medien kommuniziert - untypisch in Russland. Doch bei aller Betonung der Nachhaltigkeit kann man das Konzept wohl in einer Kategorie mit RB Salzburg oder Hoffenheim sehen.

Auch wenn es dem Besitzer nicht darum geht, sich über seinen Verein zu profilieren oder viel Geld zu scheffeln, ist Erfolg schon erwünscht, auch wenn es nicht über Nacht sein muss. Dass man ebenfalls den Bullen im Wappen führt, das Tier, das an der Börse den Aufschwung symbolisiert, mag zudem an einen gewissen Brausekonzern mit Fußball-Affinität erinnern.

Es fällt Krasnodar so nicht schwer, gute Spieler nach Süd-Russland zu holen, weil das Konzept überzeugt. Die Leistung passt: Der aktuell Liga-Fünfte rang sowohl Lille als auch Everton bislang in der Gruppe H einen Punkt ab. Zuvor ging man durch zwei Qualifikationsrunden und warf anschließend Real Sociedad aus dem Wettbewerb.

Ob all das nun wirklich so rasant weitergehen kann, ist unsicher: Die UEFA hat den Verein im Visier, was Verstöße gegen das Financial Fairplay angeht und behält sich Maßnahmen vor. Galitsky rechtfertigt seine überdurchschnittlichen Ausgaben mit den hohen Investitionen in die Akademie. Aktuell spielt man jedoch die erste Europa-League-Saison und will sich teuer verkaufen.

Gegen Meister und Tabellenführer Zenit holte man zuletzt daheim just ein 2:2, leicht wird es nicht für Wolfsburg. Russland-Fachmann Kevin Kuranyi hat im Kicker ein paar Tipps parat: "Krasnodar hat sich gut verstärkt und spielt einen sehr guten Fußball", so der Stürmer Dynamo Moskaus, das zuletzt dort mit 2:0 siegte. Kuranyi weiter: "Wir haben Krasnodar mit guten Kontern geknackt, das wäre ein Rezept für den VfL. Wenn Wolfsburg seine Qualitäten auf den Platz bringt, dann hat es gute Chancen."

Bis das eigene Stadion fertig ist, trägt Krasnodar seine Heimspiele beim Lokalrivalen Kuban aus, so auch gegen Wolfsburg. Das Heimpublikum ist oft stark von Uniformträgern geprägt, da sich mehrere Militärinstitute in der Stadt befinden. Dazu werfen die Rivalen Galitsky gern vor, er karre seine Angestellten busweise zu den Begegnungen. Die Traditionalisten können darüber nur mit der Stirn runzeln.

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