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Borussia Mönchengladbach: Bayern-Jäger wider Willen

Aus Hannover berichtet Claas Philipp

"Zieht den Bayern die Lederhosen aus", tönte es nach Spielschluss durch die HDI-Arena. Für die Fans von Borussia Mönchengladbach war nach dem 3:0-Sieg bei Hannover 96 klar: Jetzt wird in der Bundesliga zum Angriff auf den Rekordmeister aus München geblasen. Am kommenden Sonntag empfangen die Fohlen den FCB, hinter dem man aktuell vier Punkte zurückliegt.

Die Gladbacher Spieler wollten davon jedoch nichts wissen. "Wir bezeichnen uns nicht als Bayern-Jäger", stellte Andre Hahn nach der Partie gegen 96 klar. "Das sind wir nicht, und das haben wir auch immer wieder gesagt", pflichtete Doppel-Torschütze Max Kruse ihm bei. Trotz des 13. Spiels in Folge ohne Niederlage und einem auch in der Höhe verdienten Sieg bei bis dato heimstarken 96ern wehrt man sich bei der Borussia vehement gegen die Rolle als Bayern-Verfolger. Die Tabelle vermittelt ein anderes Bild, der Auftritt in Hannover tat es auch.

Die Elf von Lucien Favre bekam es in Niedersachsen mit einem in der Anfangsphase druckvoll agierenden Gegner zu tun, wehrte die frühe Angriffswelle der Roten aber geschickt ab. "Die Mannschaft hat sich diesen Sieg von Anfang an erarbeitet und nicht nur erspielt", lobte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl sein Team. "Wir werden oft nur auf das Spielerische reduziert. Gerade in der ersten halben Stunde haben wir aber auch körperlich sehr gut dagegengehalten", befand der 41-Jährige. "Da ist uns fußballerisch vielleicht nicht so viel geglückt, aber das ist auch eine Qualität, dass man sich dann darauf konzentriert, keine Chancen zuzulassen und gut zu verteidigen."

Das ist gelungen - und die Borussen belohnten sich mit der frühen Führung nach einer knappen Viertelstunde selbst, als Kruse nach einem Aussetzer von Hannovers Leonardo Bittencourt die erste Chance seines Teams nutzte. Für den Unglücksraben blieb am Ende nur das Lob für den Gegner: "Die Gladbacher haben sehr, sehr schnell von der Offensive in die Defensive umgeschaltet. Das war schwer, da durchzukommen", so Bittencourt.

In der Tat ließen die Gladbacher so gut wie nichts zu und zeigten sich vorne eiskalt. Wie Granit Xhaka, der kurz nach dem Seitenwechsel mit einem Freistoß aus 25 Metern auf 2:0 stellte, wobei die hannoversche Mauer alles andere als gut postiert war. "Ich habe den Ball perfekt getroffen", freute sich der Schweizer über seinen Treffer. "Das war meine Distanz und der Max war so lieb und hat mich den schießen lassen."

Kruse überließ seinem Mannschaftskollegen den Ball, konnte sich nach Spielschluss eine Spitze gegen Xhaka aber nicht verkneifen: "Das Freistoßspray hat auch seinen Teil dazu beigetragen, das hat den Ball ein bisschen angehoben", scherzte der 26-Jährige und setzte gleich noch einen drauf: "Dass er einen hervorragenden Schuss hat, war uns schon immer bewusst. Wenn er ihn gut trifft, geht er meistens rein - die Wahrscheinlichkeit, dass er ihn gut trifft, ist zwar nicht so hoch, aber wir sind alle froh, dass es heute geklappt hat."

Die Stimmung im Gladbacher Team scheint bestens zu sein. "Momentan klappt einfach alles - nicht nur bei mir, sondern bei der ganzen Mannschaft", erklärte ein geradezu euphorisierter Xhaka. Auch in der 90. Minute klappte alles, als der eingewechselte Thorgan Hazard 96-Keeper Ron-Robert Zieler aussteigen ließ und Kruse in Szene setzte, der mit einem gefühlvollen Heber ins leere Tor den 3:0-Endstand herstellte.

Es war der Schlussstrich unter die erste Heimniederlage der Saison für 96, das zuvor zu Hause dreimal in Folge gewonnen hatte. Für Gladbach hingegen war es ein souveräner Sieg, der das Duell mit den Bayern zum echten Schlagerspiel werden lässt.

Ob man den Branchenprimus ärgern kann? "Gegen Bayern muss alles passen", meinte Kruse. "Die Bayern dürfen nicht ihren besten Tag haben." Und die Borussen müssten alles auf den Rasen bringen, "um die Bayern mit dieser Qualität schlagen zu können". Jedenfalls werde man "alles dafür tun, es ihnen so schwer wie möglich zu machen".

Bei Hahn klang das etwas forscher: "Wenn man 13 Pflichtspiele in Folge nicht verliert und bei heimstarken Hannoveranern 3:0 gewinnt, kann man Bayern auf jeden Fall auch schlagen - warum nicht?"