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Ilkay Gündogan – das fehlende Puzzle-Teil bei Borussia Dortmund?

Dortmund. In der Bundesliga muss Borussia Dortmund schon seit längerem auf positive Nachrichten warten. Erst verletzten sich zu Beginn der Saison erneut einige Stammspieler, dann passten die Resultate nicht. Das Zwischenergebnis ist ein ernüchternder 13. Tabellenplatz mit nur sieben Punkten nach sieben Spielen. Für echten Optimismus - ob jetzt vorsichtig formuliert oder überzeugend zur Schau getragen - sorgte allerdings eine Nachricht vergangenen Freitag: Ilkay Gündogan ist zurück und damit gleich einer der Hoffnungsträger auf eine sofortige Verbesserung der schwierigen Lage.

Mit der zweiten Mannschaft absolvierte er ein Testmatch gegen den VfL Bochum II und stand eine Halbzeit lang auf dem Platz. Zur Krönung seines Comebacks gelang ihm beim 2:0-Sieg sogar per Heber ein Tor. "Ich denke, dass ich ab jetzt wieder verfügbar bin", erklärte Gündogan gegenüber Sky. Ab jetzt - das heißt schon beim Auswärtsspiel in Köln am Samstag. "Solange nichts dazwischen kommt, gehe ich davon aus, dass ich dabei bin", fügte der Mittelfeldmann hinzu. 14 Monate Verletzungspause liegen hinter ihm, in der es zunächst wenige Fortschritte und von vielen Seiten Zweifel gab, ob er jemals wieder der Alte werden wird. Diese Zweifel sind natürlich keineswegs ausgeräumt, weil er noch nicht auf der großen Bühne bewiesen hat, dass er zurück ist. Aber Borussia Dortmund vertraut dem 23-Jährigen - und kann ihn bestens gebrauchen.

Kreativ statt Kämpfer

"Er wird uns helfen", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dem kicker. "Wir brauchen in Köln und in den Wochen danach Spieler, die in der Lage sind, eine Partie auch mal durch eine individuelle Aktion zu entscheiden", ergänzte er. Für die individuellen Aktionen ist beim BVB eher Marco Reus zuständig, der ebenfalls gegen Bochum II nach seiner Anfang September erlittenen Bänderverletzung auflief. Aber ein Gündogan in Normalform würde die Dortmunder in jedem Fall ein großes Stück weiterbringen.

Als kreativer Sechser im 4-2-3-1-System von Trainer Jürgen Klopp stieg er nach anfänglichen Eingewöhnungsproblemen im Anschluss an seinen Wechsel aus Nürnberg zum Weltklassespieler auf. Im defensiven Mittelfeld war er der Lenker und Stratege, der mit klugen Pässen die Angriffe der Dortmunder einleitete. Genau solch einen Spieler hat der BVB in den letzten Wochen vermisst: Mit Sven Bender, Sebastian Kehl und Matthias Ginter standen meist drei Spieler auf der Sechs, die ihre Stärken darin haben, die Lücken zuzulaufen und den Gegner in Zweikämpfe zu verwickeln. Alles Aufgaben in der Defensive. Dem Spiel der Schwarz-Gelben fehlten allerdings vor allem die Impulse nach vorne, die Ruhe am Ball, die Struktur der Angriffe. Dinge, die Gündogan seinem Klub wieder liefern kann.

Das erste Pflichtspiel seit August 2013 winkt für Ilkay Gündogan

Mehr Ruhe und mehr Struktur

"Er war bereits wieder sehr ballsicher", merkte BVB-Manager Michael Zorc in der vergangenen Woche gegenüber dem kicker an. Zu seinen besten Zeiten drehte sich Gündogan mit der Kugel um die ihn anlaufenden Gegenspieler herum und beschleunigte das Spiel in Richtung des gegnerischen Tores. Mit der Zahl der vergeblichen Versuche, ihm den Ball abzujagen, wurde die Vorsicht bei den Kontrahenten immer größer - und Dortmund hatte im Idealfall mehr Zeit zum Spielaufbau und mehr Ballbesitz. Falls Gündogan auch nur annähernd wieder an diese Leistungen herankommt, dürfte die Hektik und Planlosigkeit, die das BVB-Spiel in den vergangenen Liga-Partien kennzeichnete, sofort wieder verschwinden.

Am Mittelfeldspieler selbst soll es jedenfalls nicht scheitern. "Der hat so viel Bock, dass er kaum noch zu bremsen ist", sagte Trainer Klopp in der FAZ. Gegen den 1. FC Köln könnte Gündogan am Samstag also sein Comeback in der Liga feiern - und schon einmal andeuten, ob er das fehlende Puzzle-Teil ist, das das schöne Bild, das der BVB in den vergangenen Jahren abgegeben hat, wieder komplettiert.