Ilkay Gündogan: "Die meisten trauen dem DFB-Team ja nicht so viel zu..."

Lange war es still um den Spielmacher des BVB. Mit Goal sprach er über seine Verletzung, seine Ziele und die Chancen der deutschen Nationalmannschaft.

Interview
Das Gespräch führten Helge Wohltmann und Martin Ernst

Am Rande der Eröffnung des "Nike House of Phenomenal" in Berlin führte Goal ein Interview mit Ehrengast Ilkay Gündogan von Borussia Dortmund . Im letzten Jahr konnte er nur ein Spiel in der Bundesliga für die Schwarzgelben machen. In der Champions League fehlte er komplett und auch bei der WM in Brasilien muss er passen. Eine hartnäckige Rückenverletzung setzt den Spielmacher bereits seit neun Monaten außer Gefecht.

Im Gespräch mit Goal äußerte sich der Mittelfeldspieler über die Fortschritte seiner Fitness, seine Ziele mit den Dortmundern in der kommenden Saison und gab seine Einschätzung über den Leistungsstand der deutschen Nationalmannschaft.

Ilkay Gündogan, wir müssen die Frage natürlich zu Beginn stellen: Wie geht es Ihrem Rücken, wie läuft die Reha?

Gündogan: Ja, die Reha läuft gut soweit, ich bin täglich am Arbeiten. Zwar habe ich noch Schmerzen, aber ich merke, dass es aufwärts geht. Der Weg, den wir jetzt eingeschlagen haben, ist der Richtige. Wann ich jetzt genau wieder fit sein werde, kann ich aber noch nicht sagen. Das ist nicht so leicht einzuschätzen. Ich hoffe aber natürlich, dass ich zur neuen Saison wieder einsatzfähig sein werde und wieder zu meiner alten Stärke finden kann.

Was genau war der Schlüssel für den positiven Heilungsprozess? Man hörte, Sie seien in einem Militärkrankenhaus auf der Krim gewesen und hätten weltweit nach verschiedenen Lösungen für die Rückenprobleme gesucht.

Gündogan: Durch die Medien hat man ja vieles gehört, ich will das aber nicht beurteilen. Ich will nicht mehr zurückblicken, sondern nach vorne schauen. In der Vergangenheit wurden vielleicht auch Fehler gemacht, aber das ist völlig normal und es ist für mich jetzt auch ganz neu, mit einer solchen Situation umzugehen. Ich hatte vorher noch nie so eine lange Verletzung und deswegen ist das für mich Neuland. Ich habe mich jetzt erstmal damit abgefunden, dass ich die letzte Saison so ein bisschen verloren habe. Ich konnte nur ein Spiel machen, was für mich natürlich enttäuschend war. Dadurch habe ich aber gelernt, besser mit meinem Körper umzugehen und werde das in Zukunft auch machen.

Haben Sie denn einen Ausgleich gefunden? Wenn man keinen Leistungssport machen kann, ist das ja nicht so einfach.

Gündogan: Dadurch, dass ich jetzt viel in Behandlung war und nach einem gewissen Zeitpunkt wieder leicht belasten konnte, war ich dann meistens im Fitnessraum. Das war dann ehrlich gesagt ein größerer Zeitaufwand, als wenn ich fit gewesen wäre. Trotzdem habe ich den Fußball natürlich sehr, sehr vermisst und es ist nicht so leicht, sich damit abzufinden. Dann noch jede zweite Woche ins Stadion zu gehen und der Mannschaft von der Tribüne aus zuschauen zu müssen, schmerzt natürlich sehr. Ich hoffe aber, dass es nicht mehr allzu lange dauert.

Wie ist der Kontakt zum Team? Nach mehreren Monaten Reha ist es ja meist nicht so einfach, in der Mannschaft integriert zu bleiben.

Gündogan: Bei mir war es so, dass ich meine Behandlungstermine meistens zur gleichen Zeit wie die Trainingseinheiten hatte, sodass auch die Mannschaft da war. Ich war manchmal auch zweimal am Tag auf dem Gelände. Die Kollegen meistens nur einmal. Dadurch habe ich die Jungs öfter zwischen meinen Behandlungen sehen können. Der Kontakt ist da nicht wirklich abgebrochen. Klar ist es was Anderes, als wenn man spielen oder trainieren würde, aber trotzdem verstehe ich mich nach wie vor mit allen gut.

Was sind Ihre Ziele für die nächste Saison? Persönlich und mit Borussia Dortmund?

Gündogan: Persönlich will ich natürlich erstmal wieder fit werden und zu alter Stärke zurückfinden. Mit Dortmund wollen wir in allen drei Wettbewerben, in denen wir vertreten sind, angreifen und versuchen, das Optimum herauszuholen. In der Meisterschaft wollen wir versuchen, ein bisschen besser abzuschneiden als im letzten Jahr.

Thema Nationalmannschaft: Wie sehr schmerzt es, dass Sie bei der WM nicht dabei sein können?

Gündogan: Natürlich tut das weh. Gerade bei einer WM in Brasilien und ich glaube auch, dass meine Chancen zu spielen nicht so schlecht gewesen wären. Ich denke aber, dass ich mich schon vor ein paar Wochen damit abgefunden habe, dass es nicht mehr reicht. Seitdem denke ich auch nur noch daran, so schnell wie möglich wieder fit zu werden. Trotzdem werde ich natürlich die WM verfolgen und der Mannschaft die Daumen drücken.

Was trauen Sie der deutschen Nationalmannschaft zu?

Gündogan: Ich glaube, dass die Mannschaft unglaubliches Potenzial hat und imstande ist, sehr viel abzurufen. Die meisten trauen dem Team aktuell ja nicht so viel zu, aber das ist vielleicht auch gar nicht mal so schlecht. Mit einem guten Start und einem Erfolg über Portugal kann sie den Weg ins Finale schaffen. Dafür muss sie sich aber auch von Spiel zu Spiel steigern. Im Finale ist dann sowieso alles möglich. Von daher werde ich mitfiebern und die Daumen drücken.

Wo werden Sie die Spiele verfolgen?

Gündogan: Ich werde vor dem Fernseher sitzen. Vielleicht werde ich auch nochmal nach Brasilien fliegen. Ich weiß noch nicht, wie es zeitlich passt, aber wenn ich es schaffe, werde ich vielleicht nochmal vorbei schauen.

Was sagen Sie zu den neuen Schuhen von Nike?

Gündogan: Mit einem Ball konnte ich es noch nicht testen. Den "Magista", mit dem ich jetzt ja auch in Zukunft spielen werde, hatte ich allerdings bereits ein paar Mal an. Das erste Mal vor einem Jahr, als man öffentlich noch gar nicht wusste, dass so ein neuer Schuh kommt. Für mich war es damals schon eine Revolution. Wenn man den Schuh sieht, spiegelt sich das ganze auch wider. Die eingebauten Socken gab es vorher noch nie und sind etwas ganz Neues. Man hat wirklich das Gefühl, als ob der Fuß einfach nur in einer Socke drinsteckt. Der Fußballschuh wiegt ja nur noch ein paar hundert Gramm.

Herr Gündogan, wir danken für das Gespräch!

In den kommenden Tagen folgen weitere Interviews vom Event, mit Sebastian Rode (Eintracht Frankfurt / zukünftiger Bayern-Spieler) und Neu-Nationalspieler Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg).