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DFB-Elf: Manuel Neuer und das Spiel mit dem Feuer

Beim Heimsieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Kasachstan gab es einen kleinen Schönheitsfehler: das Gegentor. Dafür verantwortlich war die Nummer eins des DFB, Manuel Neuer.

Nürnberg. „Zu null und gewinnen“ wolle er, antwortete Manuel Neuer auf die Frage, was denn seine Ziele für den Länderspiel-Doppelpack gegen Kasachstan seien. Letzteres gelang hervorragend. Mit jeweils drei Toren Unterschied wurde erst in Astana und anschließend in Nürnberg gewonnen. Nur ohne Gegentor sollte man nicht bleiben. Was maßgeblich Neuers eigene Schuld war.

„Schönes Erlebnis“ für Schmidtgal

Nach 45 Minuten Hochgeschwindigkeitsfußball begann der zweite Durchgang mit einem Schönheitsfehler: Der Kasache Schmidtgal erzielte den 1:3-Anschlusstreffer und das nach einer Szene, in der die Nummer eins des FC Bayern nicht gerade souverän aussah. Teammanager Oliver Bierhoff erklärte in eher lockerem Ton: „Beim Gegentor stoppt Neuer sich den Ball zu ungenau. Für die Kasachen sicher ein schönes Erlebnis.“ Für den Keeper eher weniger. Er durfte sich nicht nur den bohrenden Fragen der Journalisten stellen, sondern wurde auch vom Nürnberger Publikum arg kritisch beäugt. „Es war klar offensichtlich, dass das Ganze auf Manuel geht. Er hat sich ja auch entschuldigt. Wie dann aber das Publikum hier reagiert, dafür habe ich absolut kein Verständnis“, ergänzte ein leicht gereizt wirkender WM-Torschützenkönig Thomas Müller.

Neuer: „Wollte in die Kabine“

Auch Neuer selbst wollte gar nicht groß nach Ausreden suchen, sondern gestand offen ein: „Es wäre natürlich besser gewesen, den Ball direkt wegzuschlagen. Ich wollte den Ball im Spiel halten - ein Fehler, der auf meine Kappe geht, ganz klar“, sagte der Keeper, der anfügte: „Ich dachte, dass ich die Seite wechseln kann. Es war ein bisschen symptomatisch für die zweite Halbzeit.“ In der Tat erfuhr das Team nach dem Anschlusstor der Kasachen einen kleinen Knick, die spielerische Leichtigkeit war für einen Moment abhanden gekommen.

Durchaus erkannte auch Neuer, was sein Patzer bedeutet hatte. „Mir ist jetzt nicht zum Lachen. Am liebsten wäre ich direkt in die Kabine gegangen“, murrte der FCB-Torwart. Es ist das Spiel, das Neuer über Jahre geprägt hatte: Das fußballerische Element sollte im Zentrum stehen. Ein sauberer Spielaufbau und eine spielerische Lösung, anstatt den Ball wegzuschlagen. Es ist das Spiel mit dem Feuer, das Manuel Neuer immer wieder aufs Neue wagt. Dass er daran nun etwas ändert, scheint nicht sehr realistisch: „Ich werde mein Spiel nicht umstellen, das steht für mich auch fest.“

Aufmunterung der Kollegen

Unterschiedlicher hätten Fans und Teamkollegen des heutigen Geburtstagskindes kaum reagieren können. Während ihn die Mitspieler nach dem Spiel aufmunterten, gab es höhnische Reaktionen des Publikums. „Zum Nürnberger Publikum möchte ich gar nicht viel sagen. Gehört habe ich es, abstellen kann ich es jedoch auch nicht.“ Bei jedem Ballkontakt Neuers ging ein kollektives Raunen durch die gut 40000 Zuschauer im Grundig Stadion.




Löw kritisiert Publikum

Auch der Bundestrainer Joachim Löw wollte mit seinem Torwart nicht zu hart ins Gericht gehen. „Manuel gehört zu den besten Torhütern der Welt und hat nun mal einen Fehler gemacht. Dass er für den Rest des Spiels mit Publikum mit Ironie begleitet wird, finde ich unsportlich“, sagte der Coach.

Es wurde so ein Abend, an dem die Dortmunder Akteure für ihre Tore gefeiert und der Bayern-Keeper für seinen Fehler gerügt wurde. Letzterer flüchtete sich am Ende selbst in Galgenhumor: „Ich habe ja auch ein Tor geschossen“, sagte Neuer, der für kurze Zeit sein Lächeln wiedergefunden hatte. Das Spiel mit dem Feuer war diesmal zu heiß.

EURE MEINUNG: Was sagt ihr zu Manuel Neuers Risikospielen?

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