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Spanien: Wie lange noch mit Arbeloa?

In Spaniens Team wirkt Reals Rechtsverteidiger ein Stück weit wie ein Relikt aus alten Zeiten. Höchste Zeit, jungen Spielern eine Chance zu geben.

Madrid. Wie lange noch mit Arbeloa? Die Frage wird sich auch nach den Länderspielen gegen Finnland und Frankreich wohl weiter stellen. Gegen Les Bleus wird Alvaro Arbeloa zu seinem 47. Länderspiel für Spanien kommen und der Rechtsverteidiger von Real Madrid wird es dann aller Voraussicht nach mit Franck Ribery zu tun kriegen, einem Schwergewicht unter den Flügelspielern Europas.

Ein solider Mann fürs Defensive, nicht mehr und nicht weniger

Warum Arbeloa von vielen in Spanien noch immer als exzellenter Verteidiger angepriesen wird, ist nicht mehr ganz nachvollziehbar. Der Mann aus dem nördlich von Madrid gelegenen Salamanca ist ein ordentlicher Defensivmann, ein Manndecker alter Schule, nicht mehr und nicht weniger. Seine Stärken liegen im taktischen Denken und im Stellungsspiel, Fürsprecher weisen mit großer Regelmäßigkeit und seit Jahren darauf hin: Arbeloa hält seine Position rechts hinten, komme was wolle. Damit ist es im modernen Fußball aber kaum getan.

Gegen Finnland traf Arbeloa am Ausgleich kurz vor Schluss aber zumindest eine Teilschuld. Der Ballverlust der Spanier im Spielaufbau zeigte zudem defensive Mängel: Einmal mitaufgerückt - wie es in der Seleccion gelegentlich verlangt wird - fehlt es ihm an Schnelligkeit und Antizipation, um gegen flinke Gegner schnell aufgerissene Lücken zu schließen. Gegenspieler Alexander Ring fand sich vereinsamt auf der spanischen rechten Seite wieder, konnte von dort den tödlichen Pass auf Pukki spielen.

Ribery gegen Arbeloa (46 Länderspiele für Spanien, 0 Tore, 3 Assists)
Arbeloas Manko sind aber nicht der gelegentliche Stellungsfehler oder nicht gemachte Hausaufgaben in der Defensive. Es ist das nicht existente Offensivspiel. Nicht alle Außenverteidiger müssen die Außenbahn hoch- und runterpreschen wie einst Roberto Carlos. Etwas mehr Vorwärtsdrang als bei dem 30-Jährigen könnte es aber schon sein. Gegen Finnland gab Arbeloa eine eher unbeteiligte Figur ab, was wie meistens der Tatsache geschuldet war, dass das Spiel auf der andere Seite des Platzes stattfand. Flanken landeten im Gegner oder im weiten Rund des Molinon.

Ohne Speed, ohne herausragende Technik: In Spaniens hochmoderner Mannschaft wirkt Arbeloa ein Stück weit wie ein Relikt aus alten Zeiten. Der Aufstieg von Jordi Alba, einem Protoyp des beweglichen, spiel- und passstarken lateral, hat dies nur noch deutlicher gemacht. Umso erstaunlicher mutet es an, dass Arbeloa in der Nationalmannschaft immer noch Stammkraft ist. Bei Real Madrid, wo Jose Mourinho zu seinen größten Fürsprechern zählt, liegt die Sache freilich anders.

Als akribischer und defensiv denkender Arbeiter passt Arbeloa hervorragend in das taktische Konzept eines Mourinho-Teams, auch wenn er bei den Königlichen als schwächstes Glied in der Kette gilt. Dank seines Trainers hat man vor der Saison auf die Verpflichtung eines neuen Außenverteidigers verzichtet. Gedankt hat es Arbeloa, dessen „Konstanz“ Mourinho mit Vorliebe lobt, indem er an seiner Kondition gearbeitet hat.

Auch Vicente del Bosque wird seine Gründe haben, ihn nach wie vor zu berufen. Womöglich, weil Arbeloas kontrolliertes Spiel eine berechenbare Größe ist und den passenden Gegenpart zu Alba bildet. Doch die alternativlose Zeit sollte vorbei sein. Lange galt mangelnde Konkurrenz als Grund für Arbeloas andauernde Nationalmannschaftskarriere. Mit Leverkusens Dani Carvajal oder Chelseas Cesar Azpilicueta stehen zwei Alternativen bereit, die sich in Bundesliga und Premier League hervorragend entwickelt haben. Auch Martin Montoya vom FC Barcelona könnte eine Option werden.

Und wenn Arsenals Neueinkauf Nacho Monreal am Dienstagabend Jordi Alba auf links vertritt, ist es nicht ausgeschlossen, dass sich wieder ein paar Leute mehr die bekannte Frage stellen.

EURE MEINUNG: Wer könnte Arbeloa beerben?

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