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Trotz der 0:1-Niederlage gegen Augsburg stecken die Rothosen mitten im Kampf um Europa. Vor knapp einem Jahr war das noch unvorstellbar.

Hamburg. Als der Mann mit dem dicksten Telefonbuch Europas wurde Frank Arnesen vor zwei Jahren in der medialen Berichterstattung beim Hamburger SV als neuer Sportchef angekündigt. Doch mit dem Ausscheiden des damaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann änderte sich bei den Rothosen plötzlich die Windrichtung – der geplante Umbruch sollte aufgrund der finanziellen Schieflage mit geringem finanziellen Aufwand vollzogen werden. Statt Millionen in neue Spieler zu investieren, war Arnesen als Sanierer gefragt.

Kritik wegen Chelsea-Talenten

Dank seines guten Drahtes nach London verpflichtete der Däne mit Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic, Jeffrey Bruma, Jacopo Sala und Gökhan Töre gleich fünf Spieler seines ehemaligen Vereins Chelsea. Trotz guter Ansätze waren die jungen Spieler mit dem Druck und der Erwartungshaltung in Hamburg überfordert: Aus den ersten sechs Spielen holte die Mannschaft unter Michael Oenning nur einen Punkt. Der Trainer musste nach dem sechsten Spieltag seine Koffer packen. Die Kritik an Arnesens Transferpolitik nahm kein Ende.

"Nicht Bundesligatauglich" - Michael Mancienne hat das Gegenteil bewiesen

Mit Fink zurück in die Spur

Zuvor hatte der 56-jährige mit Eljero Elia einen talentierten, aber lustlosen Offensivspieler für neun Millionen Euro an Juventus Turin abgegeben und mit Ivo Ilicevic vom 1. FC Kaiserslautern ersetzt, der aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit nie richtig Fuß fassen konnte. Dennoch zeichnete sich durch den Trainerwechsel eine Trendwende ab. Mit Thorsten Fink an der Seitenlinie blieben die Rothosen bis zur Winterpause acht Spiele ungeschlagen, retteten sich letztlich mit Mühe und dem nötigen Glück auf den 15.Tabellenplatz. Drei Mannschaften waren in dieser Spielzeit einfach schwächer als der HSV.

Aktionismus statt Kalkül

In der neuen Spielzeit sollte vieles besser werden. Neben Gökhan Töre, der eine überragende Hinrunde gespielt hatte, aufgrund disziplinarischen Gründen jedoch nicht zur Philosophie passte, verließen auch noch die erfahrenen Mladen Petric, David Jarolim und Paolo Guerrero den Verein. Mit René Adler, Maximilian Beister, Artjoms Rudnevs und Milan Badelj hatte Arnesen bereits frühzeitig vier Neuverpflichtungen präsentiert. Doch für weitere Transfers fehlte das Geld – Arnesen sollte zunächst verkaufen. Als der Saisonstart mit dem Ausscheiden im DFB-Pokal und dem 0:1 gegen Nürnberg vergeigt wurde, verfiel der Verein in Aktionismus und investierte kurzerhand 17 Millionen Euro für Rafael van der Vaart und Petr Jiracek.

Wider der Sparpolitik - Mit dem van der Vaart-Deal hatte Arnesen wenig zu tun

Angst vor Stagnation

Eine erneute Saison gegen den Abstieg konnte und wollte der HSV nicht hinnehmen. Auf Druck der Öffentlichkeit und insbesondere des Investors Klaus-Michael Kühne wich der Verein von seiner Sparpolitik ab. Durch die Presse war bereits durchgedrungen, dass Arnesen an den Verhandlungen über eine Rückkehr van der Vaarts nur eine Nebenrolle spielte. Ob der Sportchef auch am Transfer von Petr Jiracek beteiligt gewesen war, scheint aufgrund seines angespannten Verhältnisses zu Felix Magath vom VfL Wolfsburg zumindest fragwürdig. Die übrigen Vorstandskollegen ließen sich derweil für die Rückkehr van der Vaarts feiern, während Arnesen um seinen Posten bangen musste.

Hetz-Kampagne wegen Badelj-Transfer

Zwar hatte er mit der Verpflichtung von Milan Badelj bereits eine Lösung für das eklatante Problem im Mittelfeld des HSV gefunden – wegen eines Presseberichtes, in dem Arnesen Ungereimtheiten bei diesem Transfer vorgeworfen wurden, musste sich der Däne vor dem Aufsichtsrat des Vereins erklären. Nachweisen konnte man ihm allerdings nichts. Die herausragenden Leistungen von René Adler und der Schmetterlingseffekt durch die Rückkehr van der Vaarts, bewahrten Arnesen vor einer vollständigen Demission, in die er zu Unrecht hereingeraten war. Abgesehen von den letzten Auftritten, zeigt die Tendenz beim Hamburger SV jedoch in eine positive Richtung. Und heute darf sogar wieder von Europa geträumt werden.

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