Die Geschichte des bösen Blutes zwischen Juventus und Inter Mailand

In der Serie A kommt es zum Spitzenduell zwischen Juventus und Inter. Vor dem Derby d'Italia verrät euch Goal.com, warum sich beide Vereine partout nicht mögen.
Turin. Inter Mailand und Juventus Turin, „Nerazzurri“ und „Bianconeri“, „Beneamata“ und „Alte Dame“: Die Rivalität dieser beiden Titanen des italienischen Calcio ist seit jeher immens. Sie übertrifft sogar die Rivalität zu den jeweiligen Lokalrivalen Milan und Torino. Duelle zwischen Inter und Juve werden seit vielen Jahren „Derby D'Italia“ genannt. Dabei hat dieser Titel seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Der berühmte Journalist Gianni Brera kreierte ihn im Jahr 1967 und spitzte damit das Aufeinandertreffen der beiden prestigeträchtigsten Klubs im italienischen Oberhaus zu. Inter und Juve waren sowohl, was die Meisterschaften als auch die verbrachten Jahre in der Serie A anging, die Marktführer im Land des vierfachen Weltmeisters.

2006 verschärfte es sich weiter

Zwischenzeitlich wurde Inter allerdings bei der Anzahl der Meistertitel vom AC Milan abgehängt und Juventus verlor den Nimbus der Unabsteigbarkeit 2006 durch den erzwungenen Gang in die Serie B. Die traurigen Enthüllungen in jenem Sommer, in dem Marcello Lippi die Nationalmannschaft zum WM-Triumph in Deutschland führte, haben dazu beigetragen, das Verhältnis der Fidanzate d'Italia (italienische Freundinnen) weiter zu verschlechtern.



Erster Eklat 1961

Die Spannungen zwischen Inter und Juve haben ihre Wurzeln weit zurück in der Vergangenheit. Sie nahmen ihren Ursprung in der Saison 1960/61. In jener Spielzeit war das Meisterrennen extrem knapp. Inter, Juve und Milan besaßen lange Zeit Chancen auf den Titel. Dies mündete in einem direkten Duell zwischen Inter und den „Bianconeri“ am 16. April in Turin. Fans stürmten während dieser Begegnungen den Rasen und die Partie musste abgebrochen werden.

„Clamoroso al Cibali“

Das Spiel wurde von der Disziplinarkommission des Verbands (FIGC) mit 2:0 für Inter gewertet, doch einen Tag vor dem letzten Spieltag der Saison wurde diese Entscheidung überraschend zurückgenommen. Das Spiel sollte nun wiederholt werden und es bedeutete, dass Juventus mit einem Zwei-Punkte-Vorsprung in die letzte Runde ging. Der Rekordmeister holte daheim gegen Bari einen Punkt, während Inter völlig von der Rolle war und im „Stadio Cibali“ gegen Catania Calcio eine denkwürdige 0:2-Pleite kassierte. „Clamoroso (unglaublich) al Cibali,“ kommentierte Radioreporter Sandro Ciotti damals mit seiner unnachahmlichen Stimme das Geschehen in Catania.

Juve schlägt Inters B-Elf 9:1

Juve hatte dadurch den zwölften Meistertitel der Klubgeschichte sicher und Angelo Moratti, Vater des heutigen Inter-Präsidenten Massimo, schäumte vor Wut. Er fühlte sich betrogen und warf Juve-Präsident Umberto Agnelli vor, seine Finger im Spiel gehabt zu haben. Immerhin war Agnelli auch beim italienischen Verband FIGC sehr einflussreich. Für das bedeutungslos gewordene Wiederholungsspiel gegen Juventus wies Moratti seinen Coach Helenio Herrera an, die Primavera-Elf (das Jugendteam) auf den Rasen zu schicken. Herrara gehorchte und Inter wurde mit 9:1 abgeschossen. In Italien sind sich die Tifosi einig, dass die Rivalität zwischen den beiden Klubs an jenem Tag ihren Lauf nahm.

Iulianos Schubser gegen Ronaldo bleibt ohne Folgen

Ziemlich genau 37 Jahre später, am 26. April 1998, ging der Zoff in die nächste Runde. Kurz vor dem Saisonende trennte die beiden Erzrivalen an der Tabellenspitze lediglich ein Zähler und Inter reiste mit Trainer Luigi Simoni ins „Delle Alpi“. Ein Treffer von Alessandro del Piero entschied die Partie zu Gunsten der Elf von Marcello Lippi und Juventus holte die Meisterschaft. Allerdings waren es die Umstände dieser Niederlage, die Inter hinterher vom „verfluchten Titel“ sprechen ließen: Während der gesamten Saison 1997/98 hatten die „Nerazzurri“ ihren Kontrahenten vorgeworfen, von Schiedsrichterentscheidungen zu ihren Gunsten zu profitieren. Als dann der Unparteiische Piero Ceccarini nach einem Bodycheck von Mark Iuliano gegen Ronaldo den fälligen Elfmeterpfiff verweigerte, fühlten sich die Mailänder in ihrer Meinung bestärkt.

Titel steht weiter auf der Kippe

Der Rest ist Geschichte: Es geht um Calciopoli/Moggiopoli/Farsopoli, Anschuldigen und Gegenanschuldigungen und kontroverse Transfers von Zlatan Ibrahimovic und Patrick Vieira, die zum Erzrivalen wechselten. Auf der einen Seite stehen zwei aberkannte Meisterschaften und ein Zwangsabstieg, auf der anderen vier auf dem Rasen gewonnene Titel. Und die Geschichte ist längst noch nicht beendet. Juve wähnt sich im Besitz von Beweisen, die belegen, dass auch Inter sich in der Saison 2005/06 unrechtmäßig verhalten hat. Die FIGC will Inter den Titel allerdings nicht aberkennen, sportrechtlich ist der Vorgang verjährt. Juventus strebt nun den Gang vor ein Zivilgericht und das Sportgericht des Nationalen Olympischen Komitees an. Noch immer ist unklar, was mit dem Scudetto des Jahres 2006 geschehen wird.

Juventus übernimmt in Italien

In der vergangenen Saison holte sich Juventus erstmals nach sieben Jahren und langer Dominanz der „Nerazzurri“ den Meistertitel. Inter hingegen muss sparen und ersetzte Superstar Samuel Eto'o nicht eins zu eins. Der italienische Rekordmeister investierte außerdem als erster Klub in Italien in ein modernes Stadion. So scheint die „Alte Dame“ derzeit an einer unüberwindbaren Dominanz in der Serie A zu arbeiten. Im 215. „Derby d'Italia“ wird sich im direkten Duell zeigen, ob der Vorsprung auf den Zweitplatzierten Inter ausgebaut weiter werden kann. Unter Andrea Stramaccioni hat sich der Champions-League-Sieger von 2010 trotz finanzieller Einbußen zu einem potenziellen Meisterschaftskonkurrenten entwickelt.

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