Jos Luhukay zwischen Gladbach und Augsburg: Ein Trainer, zwei Teams, einige Gemeinsamkeiten

Am kommenden Samstag kehrt Jos Luhukay nach Gladbach zurück. Gelegenheit, einmal nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten seiner Arbeit bei der Borussia und in Augsburg zu suchen.
Augsburg. Es gibt eigentlich keinen Bundesligatrainer, der Jos Luhukay nicht nett und sympathisch findet. Der Niederländer ist stets höflich und zuvorkommend und es scheint, als könne ihn jede noch so plumpe oder pseudojournalistische Frage einiger Kollegen diverser Bezahlsender oder Boulevardblätter, nie aus der Fassung bringen. Am Samstag gibt es für den Niederländer ein Wiedersehen mit dem Borussia-Park. Wenn er mit seinem FC Augsburg auf Borussia Mönchengladbach trifft, gibt dies auch Gelegenheit, einmal zu schauen, ob und wie Luhukay sich zwischen diesen beiden Amtszeiten entwickelt hat.

Nachfolger von Jupp Henyckes

Luhukay übernahm im Januar 2007 das Traineramt bei der Borussia als Nachfolger des zurückgetretenen Jupp Heynckes. Der 48-Jährige konnte den zweiten Abstieg aber nicht verhindern. Zuweilen wirkte er ganz und gar nicht wie ein konzeptionell arbeitender Trainer. Den von Heynckes durchaus protegierten Wesley Sonck, der nach zahlreichen Verletzungen langsam zum ersehnten Sturmführer der Gladbacher wurde, setzte Luhukay nur noch sporadisch ein. Es schien, als suchte er regelrecht die Machtprobe mit dem Belgier, der sich seines Status als Star bewusst war. Der ehemalige Co- und Cheftrainer des 1.FC Köln setzte stattdessen den als Spielmacher geholten Federico Insua als zweite Spitze ein, zumeist neben dem im Winter aus Berlin geholten Nando Rafael. Sowohl der Verzicht auf Sonck, als auch die positionelle Veränderung Insuas brachten auch nur den geringsten Erfolg.

Souveräner Aufstieg mit Borussia

In der zweiten Liga krempelte man bei den Borussen den Kader komplett um und Luhukay bewies nun sein Händchen für Spieler, die als Einzelner womöglich nicht den großen Glanz versprühen, die aber im Kollektiv hervorragend zusammen wirken können. Aussortierte und abgeschriebene Spieler wie Marcel Ndjeng, Sascha Rösler, Rouel Brouwers, Patrick Paauwe oder Alexander Voigt bildeten gemeinsam mit Talenten wie Johannes van den Bergh und vor allem Marco Marin die Korsettstangen einer Mannschaft, die souverän den sofortigen Wiederaufstieg schaffte. Hinzu kam mit Rob Friend und Oliver Neuville ein Sturmduo, das sich optimal ergänzte. Der Coach setzte auf ein 4-4-2-System, bei dem er vor allem auf Spielwitz und schnelles Umschalten setzte.

Plötzliche Änderung von Taktik und Personal

Nach der umjubelten Rückkehr ins Oberhaus änderte Luhukay plötzlich Taktik und Personal. Friend bildete zu Beginn der Saison 2008/2009 nun die alleinige Spitze, im Mittelfeld spielte nun eine Fünferreihe, Paauwe hatte Probleme mit dem höheren Tempo, Neuzugang Gal Alberman mit der Eingewöhnung. Abgesehen von einem 3:2 gegen Werder Bremen am dritten Spieltag, setzte es in den ersten sieben Spielen nur Niederlagen. Überragend bei diesem Spiel der junge Alexander Baumjohann, der aber von Luhukay zwei Wochen später wieder auf die Bank gesetzt wurde. Überhaupt wirkten die Aufstellungen teilweise konfus. Saß in der einen Woche ein Spieler noch auf der Tribüne, stand er in der Woche darauf wieder in der Startelf. Während ein Spieler, der zwei Spiele mehr oder weniger solide durchspielte, plötzlich auf der Bank saß oder gar nicht mehr im Kader war.



Seit 2009 beim FCA

Nach seiner Entlassung bei der Borussia im Oktober 2008 nahm Luhukay am 14.April 2009 das Traineramt bei den Augsburgern an, die er prompt auf Platz drei führte, in der Relegation jedoch am 1.FC Nürnberg scheiterte. In der Saison darauf jedoch führte er die Schwaben auf Platz zwei und somit zum direkten Bundesligaaufstieg. Wieder setzte er auf Spieler, denen der Sprung in die Bundesliga woanders nicht zugetraut wurde.

Wieder „Hin und Her“ bei Taktik und System

Ähnlich wie bei den Gladbachern spielte auch der FCA mit einem klaren 4-4-2, mit zwei sogenannten „Sechsern“, zwei schnellen Außenbahnspielern und zwei Stürmern. Wie beim Aufstieg mit Mönchengladbach, änderte Luhukay nun auch in Augsburg System und Taktik. Zudem wurde Publikumsliebling Michael Thurk aussortiert, der bereits vorher, auch hier eine Parallele zur Borussia und seinerzeit Sonck, nur noch Teilzeitkraft war.

„Back to the roots“

Doch es scheint, als habe Luhukay aus seinen Gladbacher Fehlern gelernt. Im Laufe der Saison kehrte man zum aus der zweiten Liga bekannten und beliebten 4-4-2 zurück. Zwar wird nun oft mit einer hängenden Spitze gespielt, doch gerade das zu Saisonbeginn doch eher bruchstückhafte Offensivspiel konnte durch diese „Rückkehr zu den Wurzeln“ erheblich belebt werden. Neben den stets guten bis sehr guten kämpferischen Leistungen kam im letzten Drittel der Spielzeit durchaus auch ansprechender Fußball hinzu.

Luhukays Rückkehr als gestandener Trainer

Jos Luhukay kehrt nun also nicht nur mit seinem neuen Klub an alte Wirkungsstätte zurück, sondern mittlerweile auch als durchaus gestandener Trainer. Kritiker, die ihn früher gern und oft als „reinen Zweitligatrainer“ bezeichnet haben, müssen nun zumindest eingestehen, dass der Trainer und Mensch Luhukay sich zwar treu bleibt, aber dennoch in der Lage ist, Fehler nicht zu wiederholen und korrigieren zu können. Und auch in dieser Hinsicht hebt er sich wohlwollend von einigen Trainerkollegen in der ersten und zweiten Bundesliga ab.

Eure Meinung: Wie beurteilt Ihr die Arbeit von Jos Luhukay beim FC Augsburg?

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