Joel Matip ist auf Schalke nicht mehr wegzudenken

Er feierte einen furiosen Einstand, danach ging es ein wenig schleppend weiter, in seiner dritten Profi-Saison startete er endgültig durch - Joel Matip ist auf Schalke angekommen!

Gelsenkirchen. Der per wunderschönem Hackentrick erzielte Treffer war das berühmte i-Tüpfelchen auf Schalkes 4:0-Erfolg gegen den von Ex-Trainer Felix Magath trainierten VfL Wolfsburg. Hackentrick? Haben Raul oder Jose Jurado ihre feine Technik mal wieder unter Beweis gestellt, mag man sich fragen? Oder vielleicht Flügelflitzer Farfan, der gerne mal das eine oder andere Kabinettstückchen auf dem Rasen zeigt? Weit gefehlt! Ausgerechnet Defensivakteur Joel Matip gelang das Kunststück zum zwischenzeitlichen 3:0, aber wirklich überraschend kommt es dann doch wieder nicht.

Schließlich ist Matip der Überflieger dieser Spielzeit, das 20-jährige Eigengewächs ist aus der Schalker Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Da spielt es keine Rolle, ob Matip als Innenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld aufläuft, der kamerunische Nationalspieler erledigt die ihm gestellten Aufgaben gleichermaßen souverän. Das will der Defensivallrounder auch am Abend in der Europa League gegen Viktoria Pilsen unter Beweis stellen, Schalke drängt mit aller Macht in die nächste Runde des europäischen Wettbewerbes.

Debüt in München - er kam, sah und traf

Dabei betrat Matip die große Bundesliga-Bühne mit viel Radau: Im Auswärtsspiel bei Bayern München schenkte der damalige Schalke-Trainer Felix Magath dem bis dahin gänzlich unbekannten Nachwuchsspieler das Vertrauen, der 18-Jährige revanchierte sich auf seine Weise und erzielte im Startelfdebüt bei den Bayern in der 43. Minute per Kopf ein Tor – und rettete damit den Punktgewinn. Matip war bis zu diesem Zeitpunkt im Jahre 2009 nicht in Erscheinung getreten, hatte auch in der Jugend noch nicht für viel Aufsehen gesorgt, lediglich sein Bruder Marvin Matip, der unter anderem beim 1. FC Köln in der Bundesliga kickte, war vielen ein Begriff.

Auftritt überzeugte Magath

Auch für seinen Entdecker Magath war Matip zunächst ein unbeschriebenes Blatt, Matip sei ein „junger Spieler, der mir quasi zugelaufen ist“, sagte er und fand nur Lob für das Startelfdebüt Matips: „Er hat eine fantastische erste Halbzeit gespielt, hat seine Aufgabe hervorragend gelöst und war immer präsent. Auch in der zweiten Halbzeit war er noch sehr gut, hat seine Pässe sicher gespielt.“ Matip überzeugte fortan und mauserte sich unter Magath zum Stammspieler.

Durchwachsenes zweites Profi-Jahr

Eher durchwachsen war hingegen sein zweites Profijahr: Matip wurde in WM-Kader Kameruns berufen und nahm mit dem Heimatland seines Vaters an der WM-Endrunde in Südafrika teil. Zurück auf Schalke, fehlte ihm zunächst die Beständigkeit, vor allem sein Passspiel sorgte auf den Rängen der Veltins-Arena für das ein oder andere Grummeln und die ersten kritischen Stimmen meldeten sich zu Wort, sahen in dem Defensivspieler allenfalls einen durchschnittlich begabten Bundesliga-Akteur. Trotz des Gegenwinds auf Schalke brachte es Matip sowohl unter Magath als auch Ralf Rangnick auf 26 Bundesligaspiele, elf Einsätze in der Champions League und vier Spiele im DFB-Pokal, eine gute Bilanz im zweiten Profijahr.

JUBEL | Einer der Höhepunkte in der noch jungen Karriere: Matip erzielt das 1:1 bei Inter Mailand

Matip entwickelt sich zu einer unverzichtbaren Größe

Der endgültige Durchbruch gelang „Jimmy“, wie Matip im Kreise der Mannschaft gerufen wird, in dieser Saison, Matip hat sich zu einer unverzichtbaren Größe im Schalker Spiel entwickelt und verpasste kaum eine Minute auf dem Rasen. 20 von 22 Bundesliga-Partien bestritt Matip bisher, in der Europa League durfte der 20-Jährige acht Mal das blau-weiße Dress überstreifen, dabei gelangen dem jüngeren der Matip-Brüder wettbewerbsübergreifend sogar fünf Tore, zuletzt netzte er gegen die „Wölfe“ ein.

Heldt: „Matip erinnert mich an Lucio“

Neben Kyriakos Papadopoulos, Julian Draxler und Lewis Holtby soll Matip das „junge, frische“ Schalke repräsentieren, ein Spieler sein, mit dem die Fans sich identifizieren können. Logisch, dass Manager Horst Heldt Matip im Winter-Trainingslager in Doha mit einem langfristigen Vertrag ausstattete und den Abwehrrecken bis 2016 an den Verein band. Heldt schreckt auch nicht vor großen Vergleichen zurück: „Mit seinem Tempo lässt er die Gegner fast wie Hütchen stehen, das erinnert an Lucio, absolut“, schwärmt der Manager gegenüber dem Kicker.  Ob er dabei als Innenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld auflaufe spiele, so Heldt weiter, keine Rolle, Matip habe „auch als Sechser gute Spiele abgeliefert. Aber für mich bringt er alle Voraussetzungen mit, um ein exzellenter Innenverteidiger zu werden. Er ist schnell, kopfballstark, löst kritische Eins-gegen-eins-Situationen souverän."

„Traum, noch lange auf Schalke zu spielen“

Matip scheint ein Spieler zu sein, bei dem man zweimal hinsehen muss, um sich seiner Bedeutung bewusst zu werden. Er spielt nicht besonders spektakulär, dafür aber umso abgeklärter. Mit seiner Größe von 1,93 Meter ist er zudem sehr kopfballstark und legte neben guter Zweikampführung eine erstaunliche Reife an den Tag. Attribute, die Horst Heldt nicht verborgen geblieben sind: „Er bringt Voraussetzungen wie Größe und Schnelligkeit mit, die man nicht lernen kann“, so Heldt in der WAZ. Auch wenn andere Vereine wegen Matip angeklopft hätten, für Heldt und auch den Umworbenen selbst kommt ein Wechsel nicht infrage. „Ich fühle mich super wohl hier“, so Matip, es sei für ihn „ein Traum, noch lange auf Schalke zu spielen.“

Stevens braucht Matip auf der Sechs und als Verteidiger

Der besondere Stellenwert von „Jimmy“ wurde nach der Verletzung von Lewis Holtby und der Sperre für Jermaine Jones deutlich, mit einem Mal fiel die Doppel-Sechs aus und Trainer Huub Stevens suchte händeringend nach einer Lösung. Stammverteidiger Matip erwies sich im Winter-Trainingslager als beste Lösung, sagte auch, er „hätte kein Problem, auf der Sechs zu spielen“, aber Stevens zögerte lange, zu wertvoll war Matip mittlerweile im Abwehrverbund Schalkes geworden. „Damit sprengst du die Vierer-Kette“, brachte es der Niederländer auf den Punkt.

Seite an Seite | S04-Kapitän Höwedes und Matip

„Kinder-Riegel“ mit Papadopoulos

Matip bildet im Verbund mit dem auch erst 19-jährigen Kyriakos Papadopoulos die jüngste Innenverteidigung der Liga, schwang sich gar zum heimlichen Abwehrchef auf. Eine Überraschung mag man meinen, hatte das Duo mit Schalke-Kapitän Benedikt Höwedes und Christoph Metzelder doch namhafte Konkurrenz vor der Nase. Doch allen Unkenrufen zum Trotz behauptete der „Kinder-Riegel“ sich, verdrängte den einen auf die Rechtsverteidigerposition (Höwedes), den anderen sogar auf die Bank (Metzelder). Solange die Personalsituation bei Königsblau weiterhin angespannt ist, pendelt Matip zwischen Doppel-Sechs und Innenverteidigung, spielt Stamm-Sechser Jones aufgrund seiner Sperre in der Bundesliga nicht, ist Matip als Abräumer vor der Abwehr gesetzt.

Gegen Pilsen „von der ersten Sekunde an loslegen“

Jener Jermaine Jones wird in der Europa League aller Voraussicht nach wieder mitwirken, damit wird Matip zurück in die Innenverteidigung rücken. Für das Rückspiel gegen Pilsen hat sich Matip viel vorgenommen. „Wir sollten von der ersten Sekunde an loslegen und das Spiel für uns entscheiden“, blickt der Abwehrspieler auf der S04-Internetseite nach vorne, schließlich habe man vor heimischer Kulisse den Anspruch, die nächste Runde zu erreichen. „Ich bin optimistisch, dass das klappt“, gibt sich Matip gewohnt angriffslustig. Leise Töne waren einmal, Matip geht mittlerweile vorneweg, nach den starken Auftritten ist der klammheimliche S04-Abwehrchef auf dem Weg zum Führungsspieler. Nur auf dem Platz müssten die Kommandos noch lauter kommen, aber wenn man ihm noch ein wenig Zeit lässt, dürfte Matip auch damit bald aufwarten.

Eure Meinung: Matip scheint auf Schalke wichtiger denn je – was haltet Ihr vom 20-Jährigen?

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