Gotoku Sakai: Stuttgarts Mann für die Zukunft?

Gotoku Sakai ist der bisher einzige Neuzugang des VfB Stuttgart in diesem Winter. Für 500.000 Euro lieh man den japanischen Außenverteidiger bis Juni 2013 von Albirex Niigata aus.
Stuttgart. Der VfB Stuttgart ist einer der wenigen Vereine in der Bundesliga, der in dieser Transferperiode bisher Transfereinnahmen generieren konnte. Einen kleinen Teil dieser Einnahmen nutzten die Schwaben kurz vor Weihnachten, um für eine halbe Million Euro den Japaner Gotoku Sakai von Albirex Niigata für eineinhalb Jahre auszuleihen. Zudem hat sich der VfB eine Kaufoption auf ihn gesichert. Der Außenverteidiger, der sowohl links als auch rechts spielen kann, soll sich in Stuttgart entwickeln und so den nächsten Schritt in seiner Karriere machen. Goal.com stellt euch das in Deutschland noch unbeschriebene Blatt vor.

Begrüßung auf Deutsch

„Gutes neues Jahr. Mein Name ist Gotoku Sakai.“ Mit diesen Worten stellte Gotoku Sakai sich bei seiner Präsentation auf der Pressekonferenz des VfB zu Beginn des neuen Jahres vor. Für die Leute, die sich bereits mit dem Neuzugang Stuttgarts auseinandergesetzt hatten, kam es nicht ganz überraschend, dass diese Vorstellung auf Deutsch erfolgte, denn der in New York geborene Sakai hat eine deutsche Mutter. Zwar spreche er laut eigener Aussage auf vfb.de mit seinen Eltern Japanisch, aber es sei schon so, dass „meine Mutter ab und zu auch Englisch und Deutsch mit mir spricht, sodass ich die Sprache schon etwas verstehe.“ Zusammen mit Stuttgarts Shinji Okazaki und Japan-Scout Takashi Kawagishi, der schon vorher für Shinji Okazaki gedolmetscht hat, sollte sich Gotoku Sakai rasch in Stuttgart eingewöhnen können.

Sakais Werdegang in Japan

Das Fußballspielen begann Sakai im Alter von 10 Jahren bei Sanjo SSS. Nachdem er von 2003 bis 2005 in der Jugendmannschaft von Reza FS Jr. Youth gespielt hatte, wechselte er 2006 für weitere zwei Jahre in die Jugend von Albirex Niigata. Seinen ersten Einsatz für die Profimannschaft von Albirex hatte Sakai 2008 im Kaiserpokal (dem japanischen Pendant des DFB-Pokals), welches gleichzeitig sein einziger Einsatz in jener Saison blieb. Sein Debüt in der J-League gab er 2009 und absolvierte 18 der 34 Saisonspiele, allerdings weitgehend in Form von Einwechslungen. In den folgenden zwei Jahren avancierte er jedoch zur Stammkraft und absolvierte 2010 31 und 2011 25 Ligaspiele, meistens über die vollen 90 Minuten. Bezüglich seiner Leistungen äußerte Goal.com-Japan-Experte Cesare Polenghi: „2010 schwankten seine Leistungen und neben guten Auftritten gab es auch einige sehr schwere Patzer, aber in der letzten Saison hat er einen gewaltigen Sprung gemacht und ist zu einem stabilen Spieler geworden.“ Takashi Sugiyama von Goal.com Japan, schildert Sakai zudem als einen Spieler, der „ein hohes Laufpensum“ absolviere.

Nationalmannschaftskarriere noch ausbaufähig

Auch der japanische Fußballverband JFA sieht ihn sicherlich als talentierten Spieler an, weswegen er bereits 2006 in die U16-Mannschaft Japans berufen wurde und seitdem jede japanische U-Mannschaft durchlaufen hat, ohne dabei allerdings zu vielen Einsätzen gekommen zu sein (insgesamt lediglich sieben Spiele und zwei Tore). Ebenso wartet Sakai noch auf sein Debüt für die A-Nationalmannschaft. Bei der WM 2010 war er aber bereits als so genannter „support member“ dabei, das heißt, dass er zusammen mit der Mannschaft reisen und trainieren konnte, ohne jedoch zu den 23 für die WM spielberechtigten Spielern zu gehören. Da Alberto Zaccheroni, der Trainer der japanischen Nationalmannschaft, es zudem sehr gerne sieht, wenn seine aktuellen oder potentiellen Spieler versuchen, in Europa Fuß zu fassen, könnte sich die Entscheidung Sakais, sich in Deutschland weiterzuentwickeln, als wichtiger Schub für seine Nationalmannschaftskarriere erweisen.


Okazaki (links) soll Sakai bei der schnellen Eingewöhnung helfen. - Getty

Ausleihe keine wirkliche Überraschung

In Japan soll es schon seit 2009 Gerüchte über einen möglichen Wechsel Sakais nach Europa gegeben haben. Daher ist es dort weniger überraschend, dass Sakai sich nun beim VfB Stuttgart versucht, auch wenn es wohl überraschend war, wie schnell das Leihgeschäft dann doch unter Dach und Fach gebracht wurde. Für Stuttgart indes war es sicherlich weniger überraschend: Neben Japan-Scout Kawagishi, der den japanischen Markt ständig im Blick hat, war Fredi Bobic im letzten Jahr sogar in Japan, um sich dort ein paar Spiele sowie den japanischen Markt anzuschauen. Es ist also sehr gut möglich, dass man Sakai schon länger auf dem Zettel hatte.

Gewartet bis zum richtigen Zeitpunkt

Zudem macht die Ausleihe zum jetzigen Zeitpunkt für den VfB sehr viel Sinn. Während Linksverteidiger Arthur Boka momentan beim Afrika Cup weilt und dem VfB deshalb erst einmal nicht zur Verfügung stehen wird, fehlten die beiden Rechtsverteidiger Khalid Boulahrouz und Stefano Celozzi dem VfB aufgrund von Verletzungen bereits am Ende der Hinrunde. Nachdem der auf der linken Abwehrseite gesetzte Christian Molinaro (Vertrag bis 2014) am 17. Spieltag dann auch noch eine Gelbrotsperre abzusitzen hatte, sahen die Stuttgarter Verantwortlichen offensichtlich Handlungsbedarf. Nun haben sie mit dem rechts sowie links einsetzbaren Sakai wieder etwas mehr Spielraum auf den Außenverteidigerpositionen. Hinzu kommt, dass die Verträge von Boka, Boulahrouz und Celozzi am Ende der Saison auslaufen. Möglicherweise wurde Sakai daher bereits als Nachfolger einer dieser Spieler nach Stuttgart gelotst.

„Gotoku hat eine gute Perspektive bei uns.“

Fredi Bobic jedenfalls ist sich sicher, dass von dem Geschäft sowohl der Spieler als auch der VfB profitieren, ohne Sakai unter Druck zu setzen: „Gotoku hat eine gute Perspektive bei uns. Er bringt eine gute Mentalität mit, ist anpassungsfähig, hungrig und lernwillig. (…) Gotoku hat ein hohes taktisches Verständnis, ist beidfüßig ausgebildet, sehr diszipliniert und stellt die Mannschaft an oberste Stelle. Ich erwarte mir viel Gutes von ihm, alleine schon von seiner Persönlichkeit und seiner Einstellung her. Wir werden ihm die Zeit geben, die er braucht, um sich einzuleben und um in der Bundesliga Fuß zu fassen.“ Mit einer Leihgebühr von 500.000 Euro ist zudem das finanzielle Risiko, welches der VfB Stuttgart einging, überschaubar.

Spielpraxis entscheidend  - Stammplatz unwahrscheinlich

Es bleibt nicht nur abzuwarten, wie sich Gotoku Sakai bisher in Stuttgart eingewöhnt hat, sondern auch, ob er in der Rückrunde einiges an Spielpraxis sammeln kann. Auch wenn Molinaro und Boulahrouz gesetzt sein dürften, ist es doch gerade die Verletzungsanfälligkeit von Letzterem, die Sakai zu einigen Einsatzminuten verhelfen könnte. Damit, dass sich Sakai allerdings vom Start weg für einen Stammplatz empfiehlt, kann man wohl nicht rechnen. Aber wer den Fußball kennt, weiß, dass er immer wieder für Überraschungen gut ist.

Willkommen in der Bundesliga

Gotoku Sakai ist der neunte Japaner, der momentan in Diensten eines Bundesligisten steht. Dadurch bestätigt es sich einmal mehr, dass sich der japanische Fußball in den vergangenen Jahren sprunghaft entwickelt hat und mittlerweile durchaus interessant für deutsche Vereine geworden ist. Im Falle Sakais bleibt einem erst mal nur noch, ihn in der Bundesliga willkommen zu heißen und ihm alles Gute zu wünschen.

Eure Meinung: „Wie wird sich Gotoku Sakai Eurer Meinung nach beim VfB Stuttgart entwickeln? War es eine gute Entscheidung ihn zu holen? Was sind Eure Erwartungen an ihn?