Borussia Dortmund gegen Schalke 04 – Das Revierderby von A bis Z: Alles was Ihr über den Knaller im „Pott“ wissen müsst

Der „Pott“ steht Kopf: Dortmund gegen Schalke, mehr Rivalität geht nicht und am Samstag ab 15.30 steht das Leben im Ruhgebiet still.
Dortmund/Gelsenkirchen. Schwarz-Gelb gegen Blau-Weiß, im Herzen von NRW tobt wieder der ewige Kampf: Das Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 wirft seine Schatten voraus. In diesem Jahr ist es nicht „nur“ ein Duell um Ruhm, Ehre und nebenbei drei Punkte, sondern auch ein echtes Spitzenspiel. Goal.com versorgt Euch mit allen Infos und Anekdoten – BVB vs. S04 von A bis Z!

A wie Anfänge

Während andere große Derbies in der Welt des Fußballs aus großen Unterschieden zwischen den Klubs resultieren, ist es bei Dortmund und Schalke andersherum: Die beiden Arbeiterklubs haben jede Menge Gemeinsamkeiten. Die Rivalität begann Mitte der 1930er Jahre zu wachsen, als der BVB in die Gauliga aufstieg und sich regelmäßig mit dem damals tonangebenden Nachbarn messen konnte. Nach dem zweiten Weltkrieg schloss die Borussia sportlich auf und damit wurde auch das Konkurrenzdenken zunehmend stärker. Als maßgeblich für die Abneigung beider Klubs und Fangruppen gilt die räumliche Nähe, viele Fans begegnen sich im Alltag ständig.

B wie Bilanz

Insgesamt standen sich der BVB und S04 satte 138 Mal gegenüber und die Bilanz spricht für die Schalker: Sie gewannen 55 Partien, nach 46 Begegnungen verließ Dortmund den Platz als Gewinner. 73 Spiele endeten ohne Sieger. In der Bundesliga ist die Bilanz ausgeglichen, beide Klubs entschieden jeweils 27 Duelle für sich und 24 Mal endete es mit einem Remis.

C wie Comeback der spektakulären Art

Das erste Revierderby der Saison 2008/09 entwickelte sich zu einem der spektakulärsten Spiele der jüngeren Bundesliga-Geschichte. Schalke führte den BVB in dessen Stadion teilweise vor und führte nach Toren von Jefferson Farfan, Rafinha und Heiko Westermann nach 54 Minuten bereits mit 3:0. Das war noch schmeichelhaft für Dortmund, der sich anschließend in die Begegnung zurückkämpfte und binnen 22 Minuten durch Neven Subotic und einen Doppelpack von Alexander Frei („eines der besten Spiele meiner Karriere“) auf 3:3 stellte. Zwei Platzverweise (für Christian Pander und Fabian Ernst), zahllose strittige Entscheidungen und Traumtore garnierten einen spektakulären Nachmittag.

D wie „Die Mutter aller Derbies“

Als die Bundesliga in der Saison 2006/07 auf die Zielgerade einbog, hatte Schalke glänzende Aussichten auf den lang ersehnten Meistertitel. Am vorletzten Spieltag musste die Elf von Mirko Slomka nach Dortmund, wo die Borussia eine miserable Saison hinter sich hatte. Der BVB spielte wie entfesselt, Schalke voller Angst vor der eigenen Courage. Alexander Frei und Ebi Smolarek schossen einen 2:0-Erfolg für die Hausherren heraus. Schalke stürzte von der Tabellenspitze und landete am Ende auf Platz zwei. Für die BVB-Fans ist es bis heute „Die Mutter aller Derbies“.

E wie Ehrentribüne

Dort nehmen die Offiziellen der Gäste in der Regel auf Einladung des gastgebenden Klubs Platz. Nicht so Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, er stellt sich in die Kurve. Auch diesmal, wie er unter der Woche der BILD verriet: „Wie immer bin ich mitten bei unseren Fans. Vergangenen Samstag war auf die Bayern ja kein Verlass gegen den BVB. Ich hoffe, dass wir jetzt was holen!“

F wie Fahnenstreich (e)

Im November 2006 klauten Schalker Anhänger das 60 Meter lange Südtribünen-Banner der Borussen-Fans. Bis heute ist der Verbleib der Fahne ungeklärt. Im Juli 2011 drangen Fans von S04 erneut in den Signal-Iduna-Park ein und hissten über den Schriftzug „Gelbe Wand Südtribüne Dortmund“ zwei Fahnen ihres Vereins. Einen ähnlichen Streich leistete sich ein Fan des BVB, der mit seiner Firma das Dach der Veltins-Arena im Winter 2010 vom Schnee befreien sollte: Er hisste eine BVB-Fahne und zog sich damit den Zorn des Arena-Leiter Ulrich Dargel zu: „Unglaublich, wie kann man so unsensibel sein kann. In zehn Minuten sitzt der in seinem Auto und kann nach Hause fahren. Der war hier, um Schnee zu schippen, und nicht, um Dekorationen vorzunehmen.“

G wie Gerhard Kleppinger


In 97 Bundesligaspielen erzielte er zwölf Tore. Eine eigentlich nicht besonders erwähnenswerte Quote für den Abwehrspieler. Doch wenn Derby-Tag war, dann war es Kleppingers Tag. Allein in drei Duellen mit dem BVB schlug er fünf Mal zu: Er traf beim 3:1 im Juni 1985, wenige Monate später schnürte er beim Schalker 6:1 einen Doppelpack. Weitere zwei Treffer Kleppingers bescherten Schalke im September 1986 den Sieg gegen Dortmund. 1987 verließ er S04 – und wechselte zum BVB.

H wie höchste Siege


Zweistellig wurde es im Oktober 1940, als Schalke den Nachbarn mit 10:0 abfertigte und damit den höchsten Sieg in einem Revierderby landete. Dortmunds beeindruckendster Erfolg war ein 7:0 im Februar 1966.

I wie internationaler Wettbewerb

Das Jahr 1997 wird ewig einen besonderen Platz im Herzen der Fußballfans aus dem „Pott“ einnehmen: Zunächst gewann Schalke sensationell gegen Inter Mailand den UEFA-Cup, wenige Tage später triumphierte der BVB im Endspiel der Champions League gegen Juventus Turin. Franz Beckenbauer konstatierte: „Das Herz des deutschen Fußballs schlägt im Ruhrgebiet.“

J wie Jens Lehmann


Am 19. Dezember 1997 gab es ausgerechnet im Duell der Erzrivalen ein Novum: Schalkes Keeper Jens Lehmann gelang der erste Treffer eines Torhüters aus dem Spiel heraus in der Bundesliga. Per Kopf markierte der spätere Nationalspieler den 2:2-Endstand für Schalke. Nach einem missglückten Zwischenstopp in Mailand wechselte er übrigens zum BVB.

K wie Kevin Großkreutz

Der Ur-Dortmunder macht aus seiner Liebe zum BVB kein Geheimnis – ebenso wenig aus seiner Abneigung zum Rivalen aus Gelsenkirchen. Im Vorjahr heizte er die Stimmung vor den Derbies mit wenig diplomatischen Aussagen wie „Die sind mein Feindbild Nr. 1. Ich hasse Schalke wie die Pest!“ an.

L wie Lewandowski und Huntelaar


Hinter Tabellenführer Bayern München sind die beiden Revier-Klubs die Mannschaften, die in dieser Spielzeit für die meisten Tore sorgen: Die Schalker haben 28 Mal eingenetzt, einen Treffer weniger hat die Klopp-Elf auf dem Konto. Das liegt auch an den beiden Stoßstürmern: Dortmunds Robert Lewandowski bringt es bei 13 Einsätzen auf acht Tore und fünf Vorlagen, Schalke-Star Huntelaar hat in zwölf Partien zwölft Tore erzielt und zwei weitere aufgelegt.

M wie meiste Einsätze


Die beiden Dortmunder Max Michallek und Michael Zorc (heute Sportdirektor des BVB) liefen in 26 Nachbarschaftsduellen auf – Rekord! Dahinter folgt der Schalker Klaus Fichtel, der in 25 Revierderbies mitwirkte.

N wie Nebelspiel



Im Stadion „Rote Erde“ in Dortmund waren am 12. November 1966 mehr als 40.000 Fans, um sich das Spiel zwischen dem BVB und Schalke nicht entgehen zu lassen. Doch der schwere Nebel, der über der Kult-Arena hing, sorgte dafür, dass nur die wenigsten wirklich etwas vom 6:2-Erfolg der Borussia und den drei Treffern von Lothar Emmerich mitbekamen. Mehr zum Nebelspiel findet Ihr HIER.



O wie Oweia

Im Stadionmagazin echt des amtierenden Deutschen Meisters Borussia Dortmund ist der Sparda-Bank ein peinlicher Fehler unterlaufen. Ihre Werbeanzeige für die „Schwarzgelbe Karte“ in der Ausgabe zum Heimspiel gegen den 1.FC Köln vor wenige Wochen zeigte eine Fangruppe - vor ihnen ein Anstimmer mit Megafon. Auf dem Rücken des schwarz gekleideten Vorsängers prangt das BVB-Wappen, auch das Megafon ist gelb - soweit alles im Lot. Doch eine Vergrößerung des Bildes zeigt: es ist der Schalker Anstimmer, die „Flüstertüte“ hat einen Aufkleber der Ultras Gelsenkirchen. Ein rotes Tuch für die BVB-Anhänger. „Natürlich haben Sie mit Ihren Anmerkungen recht. Wir versprechen zukünftig, unsere Bildauswahl noch genauer und sorgfältiger zu prüfen“, richtete sich die Sparda-Bank auf ihrer Facebook-Seite zur „Schwarzgelben Karte“ an die aufgebrachten Dortmundfans.

P wie Polizei

Die Angst vor Ausschreitungen ist rund um das Spiel traditionell groß. In den letzten Jahren blieb es, abgesehen von kleineren Zwischenfällen, ruhig. Dennoch verdoppelte die Polizei ihr Aufgebot für das Derby, mehr als 1000 Beamte werden im Einsatz sein.

Q wie Quickie


90 Derby-Minuten plus Nachspielzeit, das schaffen traditionell nicht alle Spieler. Nicht selten geht es farbenfroh zu und zehn Platzverweise in den letzten acht Jahren sind eine ordentliche Quote. In gleich drei der Derbys seit 2003 flogen gar jeweils zwei Protagonisten vom Platz.

R wie Rekordtorschütze

Keiner netzte in einem Revierderby häufiger ein als Schalke-Ikone Ernst Kuzorra: Das Mitglied des legendären „Schalker Kreisels“ war insgesamt 16 Mal gegen Dortmund erfolgreich. Bester Dortmunder Torschütze in den Derbies ist Lothar Emmerich mit elf Treffern.

S wie Schmerzen im Allerwertesten


Am 6. September 1969 trug sich der legendäre Hundebiss von Rote Erde zu. Nach einem Tor für Schalke waren jubelnde Gästefans auf den Platz gerannt, und die Ordner ließen die Hunde los. Der fünfjährige Schäferhundrüde Rex packte sich jedoch die völlig unschuldigen Schalker Spieler Hans Pirkner und Friedel Rausch, der mit einer Tetanusspritze weiter spielte. Zwei Bisswunden am Allerwertesten sind Rausch als Andenken geblieben. Im Rückspiel ließ Schalke-Präsident Günter Siebert demonstrativ zahme Löwen aus dem Löwenpark Westerholt an der Mittellinie patrouillieren.

T wie Topspiel


Nicht nur Schalkes Mittelfeldspieler Lewis Holtby sprach im Vorfeld des Spiels von einem „Duell auf Augenhöhe“. Das ist es in dieser Saison in der Tat, denn beide Klubs werden in der aktuellen Tabelle nur durch einen Punkt getrennt. Der Zweite empfängt den Vierten, der Sieger wird sich also richtig oben festsetzen und kann sogar auf den Platz an der Sonne klettern.

U wie Ueberläufer


Wechsel zum Erzrivalen werden selten gerne gesehen, von beiden Seiten. Dennoch, es gibt diese Transfers immer wieder und es gab sie auch zwischen Dortmund und Schalke. Diese Fußballer spielten und arbeiteten für beide Vereine: „Stan“ Libuda, Rolf Rüssmann, Rüdiger Abramczik, Ulrich Bittcher, Jens Lehmann, Rudi Assauer, Steffen Freund, Gerhard Kleppinger, Ingo Anderbrügge, Andreas Möller und Christoph Metzelder.

V wie Vorsaison

In der letzten Spielzeit behielt die Borussia auf Schalke mit 3:1 durch Tore von Shinji Kagawa (2) und Robert Lewandowski die Oberhand, Klaas-Jan Huntelaar markierte den Ehrentreffer für „Königsblau“.  Das Rückspiel im Signa-Iduna-Park endete mit einer Nullnummer.

W wie Weidenfeller gegen Asamoah

2007 sorgte ein heftiges Wortgefecht zwischen BVB-Keeper Roman Weidenfeller und Schalkes Angreifer Gerald Asamoah für Gesprächsstoff. Laut Asamoah soll Weidenfeller ihn beim Dortmunder 4:1-Sieg als „Schwarzes Schwein“ bezeichnet haben, sich aber noch auf dem Platz dafür entschuldigt haben. Weidenfeller stritt das ganze ab, aber dennoch wurde Weidenfeller wegen einer „menschenverachtenden Aussage“ bestraft. In den Medien gibt es verschiedene Aussagen - in einer Zeitung hieß es, Weidenfeller hätte das Wort „Schwabbelschwein“ verwendet, wo anders hieß es, es wäre „Schwules Schwein“ gewesen. Richtig nachgewiesen werden konnte nichts - dennoch wurde Weidenfeller bestraft, muss 10.000 Euro Strafe zahlen und wurde für drei Spiele gesperrt.

X wie X-Faktor

Die letzten Derbies wurden stets maßgeblich von einem Spieler geprägt. Ein Akteur, der überragend spielte und damit für seine Mannschaft zum Faustpfand auf dem Weg zum (Teil-) Erfolg war: Manuel Neuer, Shinji Kagawa, Ivan Rakitic, Jefferson Farfan, Kevin Kuranyi und Alex Frei ragten bei den letzten sechs Aufeinandertreffen in der Liga heraus. Wer wird nach dem Spiel am Samstag tagelang die Schlagzeilen dominieren?

Y wie Youngster

Das Derby an sich ist schon etwas Besonderes, doch das erste Aufeinandertreffen mit dem ganz großen Rivalen ist nochmal eine Steigerung. Einige Jungspunde werden ihr erstes Revier-Derby als Spieler in Angriff nehmen. Auf Dortmunder Seite sind das Moritz Leitner, Ivan Perisic und Ilkay Gündogan, bei den Schalkern heißen die aussichtsreichsten Kandidaten Lars Unnerstall, Lewis Holtby und Teemu Pukki.

Z wie Zitate

„Die Menschen hier im Ruhrgebiet leben und lieben dieses Spiel.“ (Schalkes Ex-Manager Rudi Assauer)

„Eine Niederlage gegen Dortmund ist nur schwer wieder gut zu machen, weil die Fans eine solche Pleite nur schwer wieder vergessen.“ (Andreas Müller, einer der Schalker „Eurofighter“)

„Das ist immer ein ganz besonderes Spiel für die Region, mittlerweile auch für die ganze Bundesliga, egal, wo die Teams in der Tabelle stehen. Davon lebt der Fußball im Ruhrgebiet. Das Besondere sind die Fanlager. Das Ruhrgebiet ist in dieser Hinsicht zwiegespalten: Da gibt es die Dortmunder auf der einen und die Schalker auf der anderen Seite. Da muss man sich entscheiden. Man kann nur einen richtig mögen. Das ist dann bei den Fans auch immer wieder Thema am Arbeitsplatz. Das macht das Besondere aus.“ (Ingo Anderbrügge, Ex-Spieler von BVB und S04)

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