Einzelkritik: Irland 1:0 Deutschland - Matchwinner Long, Hummels zu langsam

Die Iren arbeiteten im Kollektiv enorm stark, während des deutschen Offensive im Spiel nach vorne wenig bis gar nichts einfiel. Matchwinner wird ein Joker. Die Einzelkritik.

IRLAND

Shay Given, Tor (Wertung 3/5): Der 39 Jahre alte Routinier im Kasten der Iren konnte sich nicht wirklich auszeichnen. Die deutschen Angriffsbemühungen endeten entweder in der vielbeinigen irischen Abwehr oder neben seinem Tor. Kurz vor der Halbzeit fasste er sich ohne erkennbaren Grund ans rechte Knie und musste in seinem 133. Länderspiel in der 44. Minute ausgewechselt werden.

Cyrus Christie, Abwehr (Wertung 3,5/5): Der Außenverteidiger war einer der offensivstärksten Iren – was zugegebenermaßen auch nicht schwer war. Auf rechts tankte er sich ab und an durch und versuchte im Strafraum einen Abnehmer für seine Flanken zu finden. Im Defensivverhalten sorgte er oft für Ruhe, indem er den Ball nach vorne schlug.

John O'Shea, Abwehr (Wertung 4/5): Der Routinier in der Abwehr gewann 75 Prozent seiner direkten Duelle und gab seinen Mitspielern stets gute Instruktionen. In der 16. Minute hatte er Glück, dass der Unparteiische nach seinem Ziehen an Hummels nicht auf Strafstoß entschied.

Richard Keogh, Abwehr (Wertung 3/5): In der ersten Viertelstunde war er einmal hellwach, als er vor dem einschussbereiten Götze in höchster Not zu Ecke klärte. In der Spieleröffung hatte er ab und zu Probleme.

Stephen Ward, Abwehr (Wertung 3/5): In der 69. Minute war Schluss für den Abwehrspieler. Bestritt bis dahin nur einen Zweikampf und wirkte seltsam abgekoppelt vom restlichen Spielgeschehen. Definitiv mit Luft nach oben.

James McCarthy, Mittelfeld (Wertung 3,5/5): Auf der Sechs rieb sich der 24-Jährige zusehends auf. Mit viel Herz warf er sich in viele Zweikämpfe und versuchte seine fehlende Geschwindigkeit gegenüber den deutschen Mittelfeldspielern mit Einsatz und Disziplin wett zu machen.  Führte die meisten Tacklings (5) der Iren und eroberte so oft wie keiner seiner Mitspieler den Ball (8).

Jeff Hendrick, Mittelfeld (Wertung 3/5): Der 23-jährige Youngster der Iren versuchte sich im rechten Mittelfeld und machte seine Sache an und für sich sehr ordentlich. In der deutschen Hälfte brachte er von seinen 14 Pässen fast 93 Prozent an den Mann – ein überragender Wert bei den Iren in diesem Spiel. Ein Abschluss auf das Tor von Manuel Neuer war ihm aber nicht gegönnt.

Robbie Brady, Mittelfeld (Wertung 3/5): Der linke Mittelfeldspieler konnte kaum für Entlastung nach vorne sorgen. Zu stark war er in das Defensivkonzept des Trainers mit eingebunden.

Wes Hoolahan, Mittelfeld (Wertung 2,5/5): Der offensive Mittelfeldspieler sollte eigentlich die beiden nominellen Spitzen mit Bällen versorgen, konnte dies aber oft nicht bewerkstelligen, da er defensiv beschäftigt war. Trotzdem die zweitmeisten Ballaktionen (50) aller Iren.

Jon Walters, Angriff (Wertung 2,5/5): Der Angreifer war der erste Verteidiger und half bei den defensiven Iren stets hinten mit aus. Der 32-Jährige von Stoke City führte unglaubliche 18 Zweikämpfe, von denen er als Offensiver aber nur ein Drittel gewann. War als hängende Spitze einer der ersten Anspielstationen nach Ballgewinn.

Daryl Murphy, Angriff (Wertung 2/5): Da die Iren sehr tief standen, war es eine schwere Partie für den Angreifer. Lief sich oft in der deutschen Abwehr fest und fand keinen Weg durch die Defensive des Weltmeisters. In der 64. Minute hatte er dann seinen einzigen Abschluss der gesamten Partie, zielte aber zu ungenau, Manuel Neuer musste nicht eingreifen. Wurde kurz darauf für Shane Long ausgewechselt.

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Darren Randolph, Tor (Wertung 3/5): Der 28-Jährige kam noch vor der Pause für die etatmäßige Nummer eins Shay Given ins die Partie. Bekam ebenso wie sein Vorgänger nicht viel zu tun und sammelte durch einen langen Abschlag auf Long sogar einen Scorerpunkt. Erst in den letzten zehn Minuten kamen die ersten Schüsse auf seinen Kasten, die er aber allesamt souverän abwehren konnte. Griff in der Nachspielzeit gegen Hummels nochmal zu und hielt den Sieg fest.

Shane Long, Angriff (Wertung 3,5/5): Kam in der 65. Minute für Angreifer Murphy in die Partie, ersetzte diesen Eins zu Eins und wurde zum Matchwinner des Abends. Rechtfertigte seine Einwechslung nur wenige Minuten später, als er sich nach einem langen Abschlag des irischen Keepers gegen Hummels und Co. durchsetzen konnte und gegen Manuel Neuer die Nerven behielt. Der 28-Jährige tat dem Offensivspiel der Irländer sichtlich gut.

David Meyler, Mittelfeld (keine Bewertung): David Meyler kam in der 70. Minute für Stephen Ward in die Partie.

 

DEUTSCHLAND

Manuel Neuer, Tor (Wertung 2,5/5): Der Welttorhüter stand gewohnt weit vor seinem Kasten und war über weite Strecken beschäftigungslos. Wenn er mal einen Ball festhalten musste, versuchte er immer wieder durch schnelle Abwürfe Tempo in das deutsche Spiel zu bringen. Beim Gegentor war er völlig machtlos.

Matthias Ginter, Abwehr (Wertung 2,5/5): Der Dortmunder konnte sein Offensivpotential gegen die dicht gestaffelten Iren nicht zeigen, wurde vom DFB-Mittelfeld aber auch nicht sonderlich gut mit einbezogen. Nach hinten stand er sicher und konnte beim Gegentor überhaupt nicht eingreifen. In der 77. Minute musste er nach dem Rückstand für den offensiveren Bellarabi den Platz verlassen.  

Jerome Boateng, Abwehr (Wertung 2,5/5):  Der 27-Jährige war defensiv weitgehend ohne Beschäftigung. Die Situationen, in denen er gefordert wurde, meisterte er abgezockt. Beim Gegentor hätte er sich aber besser mit Hummes und Hector abstimmen müssen. Nach vorne versuchte er durch seine Passsicherheit in der Spieleröffnung Impulse zu setzen. Bezeichnend für das Spiel der DFB-Elf war, dass der Innenverteidiger in der 81. Minute den ersten Schuss auf das irische Tor abfeuerte.

Mats Hummels, Abwehr (Wertung 3/5): Nicht so souverän wie sein Nebenmann in der Innenverteidigung. Ließ sich beim Gegentor, wie am vergangenen Wochenende gegen die Bayern durch einen langen Ball viel zu leicht von Shane Long überlaufen. Hatte kurz darauf durch einen Kopfball nach einer Ecke die große Chance auf den Ausgleich, setzte ihn aber knapp daneben.

 Jonas Hector, Abwehr (Wertung 2,5/5): Auf links gehört er mittlerweile zum Stammpersonal von Joachim Löw. Nach vorne schaltete er sich immer wieder ein. Eroberte die meisten Bälle im DFB-Team (9) aber rannte sich in der Vorwärtsbewegung auch immer wieder fest.

Toni Kroos, Mittelfeld (Wertung 3/5): Die Zentrale im deutschen Spiel. Von der Statistik her, der Spieler mit den meisten Ballaktionen (138). Wirklich zündende Ideen sprangen dabei aber nicht heraus. Zu oft spielte der Mittelfeldspieler von Real Madrid im Mittelfeld den Quer- anstatt den Steilpass. Im Abschluss ebenso harmlos.

Ilkay Gündogan, Mittelfeld (Wertung 3/5): Der BVB-Star war unglaublich viel unterwegs, versuchte so immer wieder Lücken in den Defensivverband der Iren zu reißen. Jedoch fehlte auch ihm die entscheidende Idee. Nach hinten stand Gündogan meist sicher.

Marco Reus, Mittelfeld (Wertung 2,5/5): Nachdem er beim BVB zuletzt auf der Bank saß, durfte er im Trikot mit dem Adler auf der Brust von Beginn an ran. Startete gut und spritzig in die Partie, zeigte im Zusammenspiel mit Mario Götze einige schöne Kombinationen. Mit zunehmendem Spielverlauf wirkte auch der 26-Jährige immer ideenloser.

Mesut Özil, Mittelfeld (Wertung 2/5): Der Regisseur des FC Arsenal konnte nicht an seine Form vom vergangenen Wochenende, als er gegen Manchester United geglänzt hatte, anknüpfen. Er suchte vielmeher vergeblich nach Lösungen. In der 40. Minute hatte er die erste große Chance auf die Führung, verzog den Ball aber und traf mit seinem Flachschuss nur die Bande hinter dem Tor.

Mario Götze, Angriff (Wertung 2,5/5): Unglücklicher Abend für den WM-Helden. Zeigte im Vorwärtsgang eine ordentliche Leistung, wirkte agil und zeigte im Zusammenspiel mit Marco Reus einige gute Kombinationen. Nach einem Zweikampf mit James McCarty musste 23-Jährige bereits nach 35 Minuten mit einer Verletzung im Adduktorenbereich den Platz verlassen.

Thomas Müller, Angriff (Wertung 2,5/5): Der Offensivmann des deutschen Rekordmeisters konnte nicht an seine derzeitigen Glanzleistungen aus dem Verein anknüpfen. Müller war zwar gewohnt viel unterwegs, fand aber keinen Weg, sich effektiv in Szene zu setzen. Hatte in der 78. Minute die beste Chance für das DFB-Team, aber vergab freistehend aus kurzer Distanz und setzte das Leder neben den Pfosten.

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Andre Schürrle, Mittelfeld (Wertung 2,5/5): Der Wolfsburger kam bereits nach 35 Minuten für Mario Götze ins Spiel und sortierte sich ganz vorne ein. Jedoch kamen von ihm über fast eine Stunde so gut wie keine Impulse. Torgefahr erzeugte er auch nicht. Scheint noch weiter in seinem Formtief festzuhängen.

Karim Bellarabi, Mittelfeld (keine Bewertung): Der Leverkusener wurde in der 77. Minute für Matthias Ginter eingewechselt.

Kevin Volland, Angriff (keine Bewertung): Der 23-Jährige kam in der 85. Minute für Ilkay Gündogan ins Spiel.