EXKLUSIV
Im vergangenen Sommer entschied er sich für Borussia Dortmund und die Bundesliga , und der Start ist Ousmane Dembele durchaus geglückt. Regelmäßig steht der 19-Jährige in der Startelf. Nur im Gipfeltreffen gegen Bayern München durfte er überhaupt nicht mitwirken.
Was für Gründe seine Pause im Spiel gegen den Rekordmeister hatte, welche Anforderungen Thomas Tuchel an ihn stellt und wieso es nicht sein erklärtes Ziel ist, den Ballon d'Or zu gewinnen, verrät der Franzose im exklusiven Interview mit Goal .
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Während Ihrer ersten Medienauftritte als ganz junger Spieler gab es viele Spekulationen um Ihre Zukunft, aber Sie kamen ganz entspannt rüber, einfach wie ein Junge, der das Spiel liebt. Ist das auch der Dembele, der heute in Dortmund ist?
Ousmane Dembele: Ja, es ist der gleiche Dembele. In meiner Anfangszeit gab es viele Interviews und viele Erwartungen, speziell während meiner ersten Zeit bei der französischen Jugendnationalmannschaft. Da war es stressig und ich sehr nervös. Aber ich habe mich nicht verändert, ich bin immer noch derselbe.
Waren es die höheren Chancen auf Einsatzzeiten, die Sie dazu veranlasst haben, Dortmund Barca, Bayern München oder Manchester United vorzuziehen?
Dembele: Ja, das war es und am Ende auch die Gespräche mit den Verantwortlichen, die mir sehr gefallen haben. Sie sagten mir, ich würde auf jeden Fall spielen, wenn ich meine Leistung bringe. Ich bin sehr glücklich, hier zu sein und bereue meine Wahl auf gar keinen Fall.
Wenn über Sie gesprochen wird, fällt oft das Wort "Phänomen". Was denken Sie darüber?
Dembele: Ich bin kein Phänomen. Ich versuche nur zu zeigen, was ich kann, Spaß auf dem Platz zu haben und dort meine Mitspieler zu unterstützen. Was über mich gesagt wird, ändert nicht das Geringste.
Statistiken zeigen, dass Sie seit Ihrem Debüt in Meisterschaftsspielen bereits an 29 Toren beteiligt waren. Bei den Profis unter 20 Jahren haben sie damit 17 Torbeteiligungen mehr, als jegliche andere Spieler aus den großen fünf europäischen Ligen …
Dembele: Das ist natürlich schön, aber ich muss natürlich weiter machen, kann mich nicht darauf ausruhen. Hier in Dortmund gibt es wahnsinnig gute Mitspieler, da ist es wesentlich einfacher. Ich bin zufrieden mit meiner Leistung, weiß aber auch, dass ich nicht nachlassen darf.
Haben Sie immer noch das Gefühl, ein ungewöhnliches großes Talent zu haben?
Dembele: Nein, weil es viele Talente gibt. Ich gebe mein Bestes und ich versuche, meine Qualitäten zu zeigen. Es gibt viele talentierte Spieler und ich war während meiner Jugendzeit einer davon. Bei Stade Rennes waren wir alle sehr gut, aber dann ging bei mir alles ein bisschen schneller.

Was haben Ihnen die sechs Monate in der Ligue 1 gebracht?
Dembele: Am meisten gebracht hat es mir Freude. Ich war einfach glücklich, auf hohem Niveau dabei sein zu dürfen. Mein Ziel war es schließlich, bei einem Klub aus der Ligue 1 zu spielen. Ich bin dann zwar relativ schnell nach Dortmund gewechselt, aber ja, die Ligue 1 hat mir viel Freude bereitet.
Es wird oft behauptet, dass die französische Liga sehr stark körperlich und taktisch geprägt ist. Haben diese beiden Facetten Ihnen geholfen, viele Dinge schneller zu verstehen?
Dembele: Ja, das ist wahr, die Ligue 1 ist sehr körperbetont. Aber ich denke trotzdem, dass es in der Bundesliga noch härter zugeht. Dort sind die Gegner schwierig zu spielen und die Abwehrspieler begehen viele Fouls. Die Ligue 1 war für mich insofern bedeutsam, dass alles neu war und ich mich zeigen konnte.
Warum bringt die Ligue 1 Ihrer Meinung nach so viele junge Talente hervor?
Dembele: Das sind mehrere Faktoren: Die Bedingungen in Frankreich sind gut, das Training ist klasse. In der Ligue 1 gibt es Talente wie Kylian Mbappe oder Thomas Lemar. Im Endeffekt spielen in jedem Team drei oder vier Talente. Es freut mich, sie in der Ligue 1 spielen zu sehen.
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Inwiefern haben Sie sich seit Ihrem Debüt in der Bundesliga weiterentwickelt?
Dembele: Ich habe mich vor allem auf physischer und taktischer Ebene weiterentwickelt. Das tägliche Training ist sehr körperbetont, es geht von Strafraum zu Strafraum, wir attackieren und verteidigen. Der Trainer verlangt von uns, den Ball nach einem Verlust in fünf bis sechs Sekunden zurückzuerobern. Ich habe mich an diesen Spielstil sehr gut angepasst und es gefällt mir, auch wenn ich am Ende manchmal Krämpfe habe. (lacht) Wir beschäftigen uns sehr viel mit der auf den Gegner zugeschnittenen Taktik, vor allem wie wir ihn destabilisieren können. Ich muss vor dem Tor noch effektiver werden und darf mir keine dummen Ballverluste erlauben.
Wie ist die Zusammenarbeit mit Thomas Tuchel, der bislang noch nicht regelmäßig zu den größten Trainern in Europa gezählt wird?
Dembele: Er hat noch keinen so großen Namen, aber den wird er noch bekommen. Er hilft mir vor allem sehr durch sein Taktikverständnis. Er ist ein Trainer, der sehr gut mit jungen Spielern umgehen kann. Er ist ein guter Trainer, der mir sehr weiterhilft. Im Training soll ich einfach nur loslassen, dribbeln und Spaß haben.
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Sie verstehen sich auch sehr gut mit Pierre-Emerick Aubameyang ...
Dembele: Wir kommen sehr gut miteinander aus. Er ist ein Freund, sogar ein Bruder. In der Kabine lachen wir sehr viel zusammen, aber wir sprechen auch Dinge an, wenn sie falsch laufen. Auf dem Rasen verstehen wir uns ebenfalls sehr gut. Er ist einfach ein großartiger Teamkollege, ein toller Typ, der mich von Anfang an sehr gut aufgenommen hat. Ich bin froh, einen Spieler wie ihn in meiner Mannschaft zu haben.
Sie werden beide mit den größten europäischen Klubs in Verbindung gebracht, Ihr Marktwert ist rasant angestiegen. Macht man sich darüber Gedanken?
Dembele: Das interessiert mich überhaupt nicht. Mich interessiert weder mein Wert noch der anderer Spieler. Ich konzentriere mich einfach auf die Spiele und den Wettbewerb.
Wenn Sie sich die üblichen Favoriten in der Champions League ansehen, kann Dortmund da mithalten?
Dembele: Es wird natürlich schwierig, mit den Favoriten mitzuhalten, aber wir werden alles geben, um so weit wie möglich zu kommen. Das Rückspiel in Lissabon steht noch aus. Wir glauben zwar nicht, dass wir die Champions League gewinnen werden, aber wir glauben auch fest daran, dass es schwer wird, uns aus dem Wettbewerb rauszuwerfen.
Für Ihre ersten zwölf Tore in der Meisterschaft haben Sie gerade einmal 20 Spiele gebraucht – weniger als Messi, Ronaldo oder Neymar. Ist es Ihr Ziel, auch einmal in diese Riege aufzusteigen?
Dembele: Nein, das ist nicht mein Ziel. Ich versuche, mein Team – was das Ergebnis betrifft – immer in Front zu bringen. Das andere sind Statistiken, die beachte ich nicht. Ich will den Unterschied ausmachen, Tore schießen und die richtigen Pässe spielen. Solche Statistiken stellen mich auf einen Sockel, auf dem ich nicht sein will. Deshalb achte ich darauf nicht.
Paul Pogba hat beispielsweise schon sehr früh davon gesprochen, einmal den Ballon d'Or zu gewinnen…
Dembele: Das ist aber nicht mein Ziel. Ich versuche, das große Ganze zu sehen. Mein Ziel ist es, Titel mit der Mannschaft zu gewinnen.
In ein paar Wochen stoßen Sie wieder zur französischen Nationalmannschaft. Die letzte Länderspielpause hat Sie ein wenig aus dem Tritt gebracht. Haben Sie das Gefühl, dass Sie als Nationalspieler einen Lernprozess durchmachen?
Dembele: Ja, das ist durchaus ein Lernprozess für mich. Nach dem letzten Spiel in der Nationalmannschaft bin ich nach Dortmund zurückgekehrt und saß gegen Bayern auf der Bank. Aber ich habe daraus gelernt. Damals wollte ich sofort wieder anfangen, zu dribbeln und Tore zu schießen. Ich war deshalb sehr enttäuscht nach meinen Auftritt mit der Equipe Tricolore, aber das ist jetzt Vergangenheit. Ich werde wieder anreisen und dieses Mal wird es mir nicht nochmal passieren.
Wenn sich die französische Nationalmannschaft für die WM 2018 in Russland qualifiziert, werden Sie mit Sicherheit einer der Schlüsselspieler sein. Sind Sie sich dessen bewusst?
Dembele: Nein, das denke ich nicht. Es gibt viele sehr starke Spieler wie Griezmann oder Pogba. Wenn wir uns für die WM qualifizieren, dann werde ich alles dafür geben, um überhaupt dabei zu sein.