Die Helden der WM-Teilnehmer – Kubilay Türkyilmaz, der Sturmtank

Jede Nationalmannschaft hat ihre Helden. Spieler, bei denen man sich an besondere Situationen erinnert. Spieler, die für den Nachwuchs ihres Landes zu Vorbildern wurden. Spieler, die durch besondere Leistungen auch nach ihrem Karriereende nicht in Vergessenheit geraten sind. Bis zur WM in Südafrika ist es nun nicht mehr weit und Goal.com stellt Euch die Helden der Teilnehmer vor. Heute ist Kubilay Türkyilmaz aus der Schweiz an der Reihe.
Bellinzona. Kubilay Türkyilmaz ist einer, der polarisiert. Einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt, auch wenn er mit seiner Meinung aneckt. Ein Unbequemer eben. Das war zu seinen aktiven Zeiten in den Neunzigern schon so, und daran hat sich noch nichts geändert. Beispiele? „Frauen sind nicht in der Lage, das Spiel so zu lesen und zu verstehen, wie das Männer tun‟, meinte er, als die erste Schiedsrichterin Spiele in der höchsten Schweizer Liga leiten durfte. Oder erst kürzlich: „Ich hoffe, dass Chelsea gegen Inter weiterkommt. Aber nur aus einem Grund: Damit man endlich merkt, welch ein Nichtskönner Mourinho ist.‟ Ja, „Kubi‟ eckt an ...

Schwerer „Nati‟-Stand

Als so genannter „Secondo‟ - ein Nachfahre eingewanderter Ausländer - hatte der mittlerweile 43-Jährige mit türkischen Wurzeln immer einen schweren Stand. Lief es gut, wurde er umjubelt. Lief es schlecht, wurde er rassistisch beschimpft. Fest steht aber, dass seine Sturmläufe, die eine Mischung aus purer Kraft und feiner Technik waren, so manches Spiel entschieden haben. Seine Profikarriere begann „Kubi‟ bei Bellinzona und spielte danach unter anderem für Servette Genf, den FC Bologna, Galatasaray Istanbul, den damaligen Zürcher Vorzeigeklub Grasshoppers, Luzern und Brescia. Um für die Nationalmannschaft spielen zu können, wurde „Kubi‟ im Schnellverfahren eingebürgert und dankte es mit 32 Toren im roten Trikot mit dem weißen Kreuz. Sein wohl wichtigstes Tor war der 1:1 Ausgleich im Spiel gegen England an der Europameisterschaft 1996 - das einzige, das die Eidgenossen an diesem Turnier zustande brachten.

Eine neue Ära

In gewisser Weise läutete „Kubi‟ in der Nationalmannschaft eine neue Ära ein. War es zu seiner Zeit nämlich noch eine absolute Ausnahme, dass Schweizer mit ausländischen Wurzeln in der „Nati‟ kickten (als weiteres Beispiel fällt spontan nur noch der Franko-Argentinier Nestor Subiat ein), ist es mittlerweile fast schon die Regel: Murat und Hakan Yakin, Ricardo Cabanas, Almen Abdi, Johan Djourou, Valon Behrami, Tranquillo Barnetta, Eren Derdiyok, Gelson Fernandes, Blaise N'Kufo und viele mehr machten und machen die Truppe der Eidgenossen zu einem Multikultihaufen. Sie alle haben auch die Qualität des Schweizer Spiels angehoben. Die Zeiten, in denen Traditionalisten bei Namen wie Türkyilmaz die Nasen gerümpft haben, sind definitiv vorbei. Und das ist gut so.

Lebemann

Wie wichtig diese Rolle für den durchaus egozentrischen, für sein aufbrausendes Temperament bekannten und nicht uneitlen „Kubi‟ war oder ist, sei mal dahingestellt. Nach dem Abschluss seiner Karriere konzentrierte er sich jedenfalls weitgehend auf das Dolce Vita: Golfen, Zigarren schmauchen, als Kolumnist für die Schweizer Tageszeitung Blick vom hohen Ross Kommentare zum aktuellen Fußballgeschehen abgeben. Einen Trainer Kubilay Türkyilmaz kann man sich allerdings auch schlecht vorstellen. Trotz aller Ich-Bezogenheit demonstriert Kubi aber auch ein großes Herz, wenn es um Kinder geht: Seit 2000 ist er Botschafter für die SOS-Kinderdörfer. „Fußball ist die schönste Nebensache der Welt‟, sagt der, der nur allzu oft die Expertenklappe weit aufreißt, „die Hauptsache aber ist die Solidarität mit den Schwächsten der Welt.‟