Die Helden der WM-Teilnehmer: Skandalnudel Zlatko Zahovic spaltet Slowenien

Slowenien hat zwar einen eindeutigen Starspieler, doch dieser wird äußert kontrovers in seiner Heimat betrachtet. Doch wie kann man ein Held sein ohne Heldentaten vollbracht zu haben? In und um Ljubljana besteht kein Zweifel: Nie gab es einen Besseren als Zlatko Zahovic.
Maribor. Wenn man in Slowenien an einen Troublemaker denkt, assoziiert man prompt Zlatko Zahovic. Die Liste seiner Konflikte mit Trainern scheint schier endlos. Ohne Zweifel, vor allem in jungen Jahren war der am 1. Februar 1971 geborene Kicker aus Maribor (damals noch Jugoslawien) ein ganz besonderer Ballkünstler, doch für seinen ersten Eklat sorgte Zahovic bereits vor der EM 1996. Während der Qualifikation verlies er vorzeitig das Trainingslager. Trainer Zdenko Verdenik war stocksauer – und stellte das enfant terrible nicht mehr auf.

Zahovic und Katanec prallen aufeinander

Dem offensive Mittelfeldspieler gelang jedoch der Durchbruch in Europa. Nachdem seine Karriere bei Partizan Belgrad begannt, landete Zahovic über FK Proleter Zrenjanin und Vitória Guimarães beim FC Porto. Nur selbstverständlich, dass er der Star in Sloweniens rückständiger Nationalmannschaft wurde. 1998 heuerte dort Trainer Srečko Katanec an und schon bei der ersten Begegnung war zu spüren, dass die beiden Protagonisten sich nicht grün waren.
Zahovic, ein großkotziger Individualist, passte Katanec eigentlich überhaupt nicht ins Schema, der fast schon fortschrittlich das Spiel mit defensiven Mittelfeldspielern gestalten wollte und ein Ordnungsfanatiker war, der nur Augen für das Kollektiv hatte.
Nach der EM 2000, Sloweniens allererstem großen Turnier, gerieten beide zum ersten Mal öffentlich aneinander. Was war passiert? Katanec diktierte einer Zeitung in die Blöcke, dass Slowenien keine Spieler mit individueller Qualität besäße, um sich im Eins-gegen-Eins durchsetzen zu können. Zahovic war außer sich vor Wut und wurde für das kommende Freundschaftsspiel ignoriert, welches seine Kollegen 1:0 gegen Tschechien gewannen.

Auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2002 war Slowenien gar nicht mehr so abhängig von seinen Toren. Der treffsichere Spielmacher fehlte vor den sehr wichtigen Relegationsspielen gegen Rumänien verletzt, dennoch gelang dem Underdog die Qualifikation für das Turnier in Japan und Südkorea. Katanec fühlte sich bestätigt und begann damit, Zahovic immer öfter auszuwechseln in den nächsten Partien. Beim letzten Härtetest, bezwang seine Truppe Ghana in Ljubljana. Zahovic wurde in der zweiten Halbzeit ausgewechselt, lief jedoch regungslos an der Trainerbank vorbei in Richtung Kabine. Nachher machte er öffentlich, dass Katanec ihm eigentlich einen Einsatz über volle 90 Minuten versprochen hatte.

Frühe Heimreise 2002

Der Höhepunkt folgte jedoch nach dem allerersten WM-Match des Landes (gegen Spanien). Nach Zahovics Auswechslung gerieten beide Hitzköpfe in der Kabine aneinander. Die Nachricht wurde sofort öffentlich, dennoch durfte der Profi von Olympiakos Piräus, der wenig später zum FC Valencia wechseln sollte, weiter im Kader bleiben. Katanec brach während einer Pressekonferenz in Tränen zusammen (heute spekuliert man, ob dies gestellt ist) und behauptete, Zahovic hätte seine Familie beleidigt und zudem gesagt, Katanec solle aufhören auf sein Geld und seinen Ruhm neidisch zu sein, die Dinge, die er während seiner großen Karriere erlangt hat. Zahovic reagierte und organisierte seine eigene Guerrilla-Pressekonferenz, auf der er mitteilte, dass das Team hinter ihm stehe (was nicht der Wahrheit entsprach). Seine vorzeitige Heimreise war unvermeidbar.

Rekordnationalspieler und Rekordtorschütze Sloweniens

Katanec gab nach der WM auf. Sein Nachfolger, der Ex-Cottbusser Bojan Prasnikar, machte Zahovic zur Schlüsselfigur seines Teams. Nach einer 5:0-Auswärtsniederlage in Frankreich und einer anschließenden 5:1-Heimklatsche gegen die Schweiz, verscherzte Zahovic es sich jedoch mit den Fans, die zum Spielende Katanecs Namen skandierten. Slowenien erreichte zwar erneut die Playoffs, aber Kroatien war eine Nummer zu groß, um sich für die EM 2004 zu qualifizieren. Prasnikar wurde gefeuert. Branko Oblak, sein Nachfolger, setzte auf junge Spieler und beendete somit Zahovics Länderspielkarriere. Bis heute ist der Virtuose, der 2005 seine Laufbahn bei Benfica Lissabon beendete, mit 80 Einsätzen Rekordnationalspieler und gleichzeitig Rekordtorschütze (35 Tore).

Der Ärger geht weiter

Doch auch nachdem Zahovic seine Stollenschuhe an den Nagel gehängt hatte, ging seine Karriere als Troublemaker ungebremst weiter. Er nahm die Position als Sportdirektor bei seinem Heimatclub Maribor ein, wo er direkt den Meistertitel in seiner ersten vollen Saison gewann. Zahovic hatte jedoch konstanten Ärger mit den Schiedsrichtern und wurde für einige Monate gesperrt, nachdem er wütend in die Offiziellen-Kabine stürmte, laut Gerüchten betrunken. Dennoch: Er mag zwar die kontroverseste Figur im slowenischen Fußball sein, sein junges Land sah nach der Unabhängigkeit 1991 jedoch nie einen feineren Fußballer.

Wie ist Euch Zahovic in Erinnerung geblieben?