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Franck Ribery exklusiv: "Im Gefängnis gab es keinen Espresso"

Organgefarbenes Funktionsshirt, graue Sporthose, schwarze Adiletten: Franck Ribery erscheint frisch geduscht zum Interviewtermin. Hinter ihm liegt eine Trainingseinheit, eine von vielen. Seit Februar ist er verletzungsfrei, trainiert und spielt regelmäßig mit der Mannschaft des FC Bayern München, das weiß er zu schätzen.

"Ich habe jetzt wieder die Physis, um ohne Probleme 90 Minuten Vollgas geben zu können", grinst der Franzose. Im exklusiven Interview mit Goal  nennt Ribery die Gründe für seine Frische. Außerdem spricht er über den "Champ" Carlo Ancelotti, Ellenbogenschläge, Besuche im Gefängnis und seine Zukunft. 

Franck, vor etwas mehr als zwölf Jahren haben Sie Ihren ersten Profivertrag unterschrieben. Wie weit ist dieser Moment weg?

Franck Ribery: Das ist schwer zu sagen. Auf der einen Seite sehr weit, auf der anderen ging alles so schnell. Zu schnell. Mit 20 Jahren habe ich in Frankreich noch in der 3. Liga gekickt. Ich war jung, die Spiele waren hart. Plötzlich war ich beim FC Bayern, gewann Meisterschaften und die Champions League. Die Zeit rennt. Du hast kaum Verschnaufpausen, um zu reflektieren. Und auf einmal bist du 33 Jahre alt.

Trotz Ihres Alters wirken Sie auf dem Platz unheimlich frisch. Täuscht das?

Ribery: Auf gar keinen Fall! Ich bin richtig gut drauf, zu hundert Prozent fit und fühle mich sehr, sehr gut. Ich hoffe, dass ich mich nicht verletze. Das hat für mich oberste Priorität.

Manche Flügelspieler rücken aufgrund ihres fortschreitenden Alters und des damit verbundenen Geschwindigkeitsverlusts in die Zentrale. Sie nicht. Wie kommt das?

Ribery: Mein Körper reagiert gut. Jeder hat gesehen, wie ich gegen Bremen gespielt habe. In der Vorbereitung konnte ich die Basis dafür legen, das war extrem wichtig. Ich habe jedes Training mitgemacht, jedes Freundschaftsspiel. Ich bin ein Linksaußen, liebe Eins-gegen-Eins-Situationen und lebe von meinen Laufwegen. Das ist mein Spiel. Jetzt habe ich wieder die Physis, um ohne Probleme 90 Minuten Vollgas geben zu können. Zudem bin ich glücklich, das sieht man mir dann auch auf dem Platz an.

Das dürfte auch mit Carlo Ancelotti zusammenhängen.

Ribery: Er ist ein richtig lockerer, offener Typ, er liebt seine Spieler, und das merken wir.  Er sucht den Kontakt, lacht mit uns, erkundigt sich jeden Tag, wie es uns geht. Diese Beziehung ist wichtig. Verstehen Sie mich nicht falsch, wir sind keine Kinder, wir haben alle viel Erfahrung und großen Respekt vor dem Trainer. Aber man braucht diese besondere Bindung zum Coach. Dass man auch mal scherzen und richtig lachen kann, ist wichtig. Wir verbringen jeden Tag so viel Zeit miteinander, da kannst du nicht immer ausschließlich über Fußball reden.

Sie haben schon viele Weltklasse-Trainer erlebt. Was macht Ancelotti so besonders?

Ribery: Er ist immer positiv. Ich habe noch keinen einzigen Spieler gehört, der Ancelotti kritisiert hat. Eine gute Mannschaft und einen guten Trainer zu haben, ist das eine, eine enge Beziehung zueinander das andere. Ancelotti ist ein Champ, in jeder Hinsicht. Anderenfalls würde er es nicht schaffen, hier eine so harmonische Atmosphäre zu erzeugen. So ist man zusammen erfolgreich.

Unter Ancelotti genießen Sie mehr Freiheiten. Das wurde zuletzt im Spiel gegen Werder Bremen deutlich. 

Ribery: Es stimmt, meine Rolle war variabler angelegt, das tut mir gut. Ich bin dann frei in meinem Kopf und für den Gegner noch schwieriger auszurechnen. Niemand weiß, was ich gerade mache – ob ich an der Seitenauslinie bleibe, ins Zentrum ziehe oder mich fallen lasse. Wenn du nur deine Position hältst, ist das nicht der Fußball, wie er heutzutage auf hohem Level gespielt wird.

Franck Ribery (l.) und Goal-Reporter Niklas König beim Interviewtermin an der Säbener Straße

Auf der US-Tour und im Supercup gab es wieder einmal unschöne Szenen. Ancelotti hat Sie erst ermahnt, dann in Schutz genommen. Wie beurteilen Sie selbst die Diskussion?

Ribery: Ich gehe als Spieler häufiger als viele andere in Eins-gegen-Eins-Situationen und werde deshalb sehr häufig gefoult. Fragt nicht, wie viele Schläge und Tritte ich da immer wieder in den Zweikämpfen einstecken muss. Häufig versuchen die Gegenspieler auch, mich zu provozieren. So geht das schon, seit ich Profi bin, das ist ja mein Spiel, dass ich Zweikämpfe gewinne und so für meine Mannschaft Überzahl schaffen will. Ich bin dankbar, dass mich unser Vorstand Karl-Heinz Rummenigge bei dieser Diskussion verteidigt hat. Er sagte: 'Franck wird manchmal in einer Art attackiert, bei der es nicht immer einfach ist, cool zu bleiben.'

Haben Sie denn nicht das Gefühl, sich falsch verhalten zu haben?

Ribery: Manchmal kann so etwas passieren, das gehört zu meinem Charakter. Ich bin emotional, das ist aber nicht negativ. Wenn ich auf dem Platz bin, habe ich viel Energie in meinem Körper.

Sie hätten in einigen Szenen durchaus eine Rote Karte sehen können.

Ribery: Ich muss aufpassen, ja. Es ist aber schwierig für mich, weil im Spiel gegen mich viel Aggressivität dabei ist. Ich hake diese Dinge schnell ab. Alle, die mich kennen, wissen: Ich bin ein guter Typ mit einem großen Herzen.

Ein großes Herz wird auch Uli Hoeneß nachgesagt. Er wurde im Februar aus der Haft entlassen und wird wieder für das Präsidentenamt kandidieren. Wie sehr freuen Sie sich auf seine Rückkehr?

Ribery: Ich bin unendlich glücklich und freue mich ungemein für ihn, für seine Frau, seine Kinder, seine Familie. Aber auch für den FC Bayern. Das ist eine großartige Geschichte. Es war eine unheimlich schwierige Zeit für Uli.

Konnten Sie ihn in dieser Phase unterstützen?

Ribery: Ich habe ihn im Gefängnis besucht. Uli war immer für mich da. Mir war sofort klar, dass ich auch für ihn da sein würde. Seine Tür steht immer offen. Ich habe Uli früher gerne in seinem Büro besucht. Wir haben dann zusammen einen Espresso getrunken.

Aber nicht im Gefängnis.

Ribery: Nein, im Gefängnis gab es keinen Espresso. Es war ein hartes Leben für Uli. Er konnte nichts machen, die Tage waren immer gleich. Auch für mich war es schwierig, ihn dort zu sehen. Aber ich habe ihm schon vorher gesagt, dass er es schaffen wird. Und das hat er. Jetzt hat er sein Leben zurück. Ich habe riesigen Respekt vor ihm, er ist unheimlich wichtig für uns.

Wird der FC Bayern mit Hoeneß familiärer?

Ribery: Familiär ist ein großes Wort, hat beim FC Bayern aber tatsächlich eine große Bedeutung. Man sieht, wie alle Leute glücklich miteinander zusammenarbeiten und sich gegenseitig respektieren. Das ist Wahnsinn!

Während die Zukunft von Hoeneß mittlerweile geklärt ist, ist Ihre noch offen. Sie haben 2010 auf dem Rathausbalkon angekündigt: "Ich habe gemacht fünf Jahre mehr." Wie viele Jahre werden es diesmal?

Ribery: Vielleicht bin ich noch zwei, drei Jahre hier. Ich weiß noch nicht, was passieren wird. Ich bin aber so gut drauf momentan, da kommt der Rest von alleine.

Wir können also davon ausgehen, Franck Ribery über 2017 hinaus beim FCB zu sehen?

Ribery: Ich hoffe. Schauen wir mal …

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