Thomas Dähne: "Mitspieler gehen jeden Tag in die Sauna"

Gestern noch U-Nationalspieler, heute Legionär in Finnland. Thomas Dähne spricht bei Goal über Sprachprobleme, sein Vorbild und seine Zeit bei RB-Leipzig.

Mit Emre Can und Co. wurde Thomas Dähne 2011 bei der U17-WM in Mexiko Dritter. Nach einem misslungenen Intermezzo bei RB Leipzig wagt er nun das große Abenteuer in Finnland bei HJK Helsinki

Im Goal-Interview spricht er über den Grund für seinen Wechsel, seine Zukunftsplanung, Sauna-Besuche und Wodka. 

Herr Dähne, schon in der Sauna gewesen?

Thomas Dähne: Ja, ich war tatsächlich schon ein paar Mal in der Sauna, aber mir ist das viel zu heiß. Es gibt Mitspieler, die gehen wirklich nach jedem Training in die Sauna. Für sie ist es von Vorteil, dass wir eine Sauna im Stadion haben. (lacht)

Wie kommt man dazu, als deutsches Torhütertalent zum HJK Helsinki nach Finnland zu wechseln?

Dähne: Ich hatte letztes Jahr im Sommer auch einige andere Alternativen bezüglich eines Wechsels, aber mir als jungen Spieler oder speziell als Torhüter ist es wichtig, dass man spielt und die wöchentliche Spielpraxis bekommt. HJK stellte den Kontakt zu meiner Beratungsagentur Bigpoint her. Der Club hat sich damals sehr um mich bemüht. Deswegen habe ich mich für Helsinki entschieden

Wie ist das Leben in Helsinki?

Dähne: Das Leben ist wirklich sehr schön in Helsinki. Die Leute sind alle sehr hilfsbereit. Einige von ihnen sind aber auch gleichzeitig ziemlich schüchtern. Diese Mischung ist ziemlich kurios, aber ich habe mich super hier eingelebt und auch die Mannschaft hat mich super aufgenommen. Ich fühle mich sehr wohl.

Wie kommen Sie mit dem Finnischen zurecht?

Dähne: Nicht gut. (lacht) Ich habe es anfangs versucht zu lernen, aber die Sprache ist einfach so komplex und schwierig zu verstehen. Dadurch ist es eigentlich unmöglich, die Sprache zu lernen. Ich habe gehört, dass es um die drei Jahre dauert, bis man die Sprache perfekt beherrscht.

Wie ist der Fußball einzuordnen?

Dähne: Ich finde die 1. Liga ziemlich spannend. Als ich im August nach Helsinki kam, dachte ich dass wir sicher Meister werden. Die anderen Mannschaften geben immer 110 %, da sie gegen uns gewinnen wollen und deshalb müssen wir immer unser Bestes geben, um als Sieger vom Platz zu gehen. Das einzige was ich ein bisschen schade finde, ist, dass Fußball in Finnland nicht so populär ist, wie zum Beispiel Eishockey. Die Finnen sind verrückt danach. 

Gibt es einen Spruch, der sie antreibt?

Dähne: Mein Vater hat mir, als ich 10 Jahre alt war, einen Spruch mit auf den Weg gegeben. Dieser lautet: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Nach diesem Motto lebe ich auch.  

Stimmt es, was man über Finnland und Wodka sagt?

Dähne: Nun ja.  Also ich sage mal so, dass die Finnen sehr gerne und viel Alkohol trinken, sie lieben Wodka. (lacht) Wenn sie Alkohol trinken, sind sie komplett andere Menschen und öffnen sich für Gespräche.

Wie wird der deutsche Fußball in Finnland gesehen?

Dähne: Der deutsche Fußball wird sehr hoch geschätzt. Gerade nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Ich denke aber, dass die Finnen, de englischen Fußball noch ein bisschen höher einschätzen. Die Premier League wird dort sehr viel geschaut. 

Was fehlt ihnen in Finnland am meisten?

Dähne: Meine Familie, meine Freundin, meine Freunde und deutsches Fernsehen. (lacht)

Warum verließen Sie RB Leipzig nach nur einem Jahr bereits wieder?

Dähne: Zum ersten wurde mein Vertrag nicht verlängert, den ich aber auch bei einem Angebot nicht verlängert hätte. Zum anderen wurde ich mit anderen Aussichten nach Leipzig geholt, die nicht gehalten wurden. Durch diese Umstände war es sportlich gesehen ein verschenktes Jahr.

Was geht ihnen durch den Kopf, jetzt, wo Leipzig aufgestiegen ist?

Dähne: Im Endeffekt sind sie verdient aufgestiegen, denn sie haben ihr Ziel mit allen Mitteln verfolgt.

Haben Sie noch Kontakt mit den Spielern, mit denen Sie 2011 die U17-WM in Mexiko bestritten?

Dähne: Leider nein. Ich habe danach noch ein paar Jahre mit diversen Spielern in anderen U-Nationalmannschaften gespielt. Jedoch habe ich keinen persönlichen Kontakt mehr mit ihnen.

Wie sieht Ihre persönliche Zukunftsplanung aus?

Dähne: Ich konzentriere mich jetzt darauf, mit HJK eine gute Saison zu spielen und mich persönlich weiterzuentwickeln. Aber ich kann nicht abstreiten, dass ich in naher Zukunft wieder den Sprung zurück nach Deutschland schaffen möchte.

Welche anderen Länder würden Sie noch reizen?

Dähne: Ich würde gerne wieder in Deutschland spielen, aber auch England reizt mich sehr. Der Fußball dort ist sehr schnell und meine Art des Torwartspiels würde gut dort hin passen.

Welcher Torwart beeindruckt Sie am meisten?

Dähne: Definitiv Manuel Neuer. Er beeindruckt mich einfach mit seiner Cleverness und seinem gesamten Können. Er ist einfach der Torhüter, der mit seinen Fähigkeiten alle übertrifft. Eben ein Welttorhüter.