Sebastian Rode: "Werde weiterhin Gas geben"

Bei den Bayern kommt der Ex-Frankfurter nicht wie gewünscht zum Zug. Im Interview spricht er über seine Situation und verrät, von welchem Klub er Fan in der Jugend war.

Mentalitätsmonster, Maschine, Kämpfer - Sebastian Rode bringt alles mit, um in der Bundesliga erfolgreich zu sein. Nur beim FC Bayern München läuft es derzeit einfach nicht rund. Im exklusiven Interview bei Goal spricht der 25-Jährige über seine derzeitige Situation und seine Planungen für den Sommer. Außerdem verrät er seine fußballerische Jugendliebe und drückt Ex-Klub Eintracht Frankfurt mit Nico und Robert Kovac im Abstiegskampf die Daumen.

Herr Rode, gegen Werder Bremen haben Sie zuletzt sehr offensiv gespielt. Sie sind in München aber auch schon als Rechtsverteidiger oder defensiver Mittelfeldspieler zum Einsatz gekommen. Wo sehen Sie Ihre Stärken?

Sebastian Rode: Wir spielen ein sehr variables System, wobei ich mich im zentralen Mittelfeld am besten aufgehoben fühle. Dort habe ich die meiste Zeit in meiner Karriere gespielt und das ist auch meine Lieblingsposition.

Mit Ihrer Flexibilität müssten Sie eigentlich perfekt in das System von Pep Guardiola passen, dennoch sitzen Sie meistens nur auf der Bank. Wie beurteilen Sie Ihre aktuelle Situation?

Rode: Meine Einsatzzeiten in den letzten Wochen waren natürlich nicht zufriedenstellend. Aber ich hoffe, dass es im weiteren Saisonverlauf noch besser wird. Ich werde im Training weiterhin Gas geben, alles andere entscheidet der Trainer.


Sebastian Rode: Mentalitätsmonster ohne Lobby?


Wie geht man mit solch einer schwierigen Lage um?

Rode: Es ist keine schöne Situation, aber ich versuche, den Kopf trotzdem immer oben zu behalten. Man darf sich dadurch nicht runterziehen lassen, weil es sich negativ auf die eigene Leistung auswirkt - auch im Training. Ich werde der Mannschaft weiterhin helfen und muss einfach hoffen, dass es besser wird.

Sie standen bereits vor dem Sprung in die Nationalmannschaft, erhielten von allen Seiten viel Lob. Was ist passiert?

Rode: Das ist schwer zu sagen. In meinem ersten Jahr lief es deutlich besser. Ich habe über 30 Spiele bestritten und habe auch immer meine Leistung gebracht. Die Mannschaft verfügt über sehr viele Spieler mit hoher individueller Klasse, aber ich habe gezeigt, dass ich mithalten kann.

Ihr Vertrag läuft noch bis 2018. Wie sehen Ihre Planungen für den Sommer aus?

Rode: Man macht sich natürlich seine Gedanken, aber wir kommen jetzt in die heiße Phase der Saison, da will ich meinen Kopf frei behalten. Gegen Ende der Saison muss man die Situation dann neu beurteilen.

Wie ist das aktuelle Feedback von Trainer und Sportvorstand?

Rode: Pep Guardiola spricht nicht so viel mit mir, deshalb kann ich nicht genau sagen, woran ich wirklich bin oder warum ich nicht so viel spiele. Mit Matthias Sammer spreche ich häufiger, er kommt auch oft auf mich zu und kennt meine Situation natürlich. Viele im Verein sind mit mir zufrieden, wobei ich mit meinen Einsatzzeiten nicht zufrieden sein kann.

Der kicker hatte Mitte Februar berichtet, dass Sie den Klub im Sommer verlassen könnten. An Interessenten soll es nicht mangeln, wohingegen Matthias Sammer den Vertrag sogar gerne verlängern wollen würde.

Rode: Davon habe ich nichts mitbekommen, aber das ist im Moment auch kein Thema.

Wie fühlt es sich an, wenn man von zahlreichen anderen Klubs mit Lob überhäuft wird, bei den Bayern aber nicht so wie gewünscht zum Zug kommt?

Rode: Das macht mich in einer gewissen Hinsicht stolz und lässt mich positiv nach vorne zu blicken, falls es in München nicht mehr weitergehen sollte. Aber aktuell beschäftige ich mich damit nicht. Wir haben große Ziele vor uns und dem gilt es, alles unterzuordnen. 

Matthias Sammer hatte sie einst als "Mentalitätsmonster' bezeichnet. Was meint er damit genau?

Rode: Auch wenn ich sehr wenige Einsatzzeiten habe, gebe ich immer weiter Gas und bringe meine Leistung, wenn ich auf dem Platz stehe. Viele Spieler stellen ihre Unzufriedenheit dann zur Schau und tragen es über die Medien nach außen. Es ist schön, dass mich Matthias Sammer und viele Verantwortliche nicht so sehen.

Ist das auch eine Typ-Frage, dass Sie damit besser umgehen, als andere Spieler?

Rode: Das mag sein, aber mir ist auch klar, dass wir 25 Spieler in unserer Mannschaft haben und der Trainer sich jede Woche gegen 14 Spieler entscheiden muss. Meine Prinzipien sind, dass man auf dem Platz Gas geben sollte, und nicht außerhalb.

Was würden Sie einem Kollegen raten, der sich bei Ihnen über einen Wechsel zu Bayern erkundigt?

Rode: Darauf gibt es keine direkte Antwort. Ich habe auf der einen Seite sehr viel dazugelernt - vom Trainer, Mannschaft, Spielern und auch dem Verein. Aber auf der anderen Seite könnten meine Einsatzzeiten natürlich besser sein. Dennoch würde ich es jeder Zeit wieder tun.

Gab es trotzdem Momente, in denen Sie Ihren Wechsel zu Bayern bereut haben?

Rode: Nein! Man macht sich seine Gedanken, aber ich konnte hier bereits so viel dazulernen, dass davon keine Rede sein kann.


Goal-Reporter Andreas Königl (r.) beim Interview mit Sebastian Rode

Wem gehörte Ihr Herz in der Jugend - ein Verein, den Sie besonders unterstützt haben?

Rode: Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich Dortmund-Fan war. Der BVB hatte in den 90er-Jahren mit Matthias Sammer oder Andreas Möller seine große Zeit. Aber als Profi ist man eher weniger Fan. (lacht)

Auch in dieser Saison mischt die Borussia wieder oben mit. Ein Vorteil für Bayern?

Rode: Wenn man die letzten beiden Jahre sieht, wo im letzten Drittel der Saison die Spannung bereits raus war, glaube ich schon, dass das positiv für uns ist. Auch für den deutschen Fußball ist es schön, wenn es noch einen anderen Verein gibt, der Bayern München Paroli bieten kann.

Bei Eintracht Frankfurt läuft es in dieser Spielzeit dagegen gar nicht rund. Wie bekommen Sie die Situation dort mit?

Rode: Der Kontakt zu den alten Kollegen ist nie abgerissen. Sie befinden sich im Moment in einer sehr schwierigen Phase. Das Spiel gegen Mönchengladbach sollte man nicht überbewerten, da kann man verlieren. Entscheidend war das Heimspiel gegen Hannover oder auch die Partie gegen Darmstadt.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass die Eintracht den Klassenerhalt schafft?

Rode: Es gibt noch genügend Möglichkeiten, es herumzureißen. Nico und Robert Kovac machen einen guten Eindruck und ich hoffe, dass Frankfurt am Ende drinnen bleibt.


Sven Ulreich: Bleibe beim FC Bayern


Pep Guardiola wird den Verein zum Saisonende verlassen, inwiefern beschäftigt das Sie als Spieler?

Rode: Das tangiert uns relativ wenig. Wir spielen nicht nur für den Trainer, sondern wollen auch selbst Erfolg haben. Im Moment wird die halbe Welt mit Manchester City in Verbindung gebracht, das kann man nur mit einem Lächeln betrachten.

Wie sieht Ihr persönlicher Karriereplan aus - auch was die Nationalmannschaft anbelangt?

Rode: Man kann so etwas nicht planen, da kommen viele Dinge zusammen. Der Fußball ist unglaublich schnelllebig, wobei ich von einem Einsatz in der Nationalmannschaft noch sehr weit weg bin. Aber wer weiß, das kann alles noch passieren.

Folge Andreas Königl auf