Türkei vs. Kroatien: Die Tage der Wahrheit für Guus Hiddink

Schafft es Guus Hiddink erneut, eine Nation zur EM-Endrunde zu führen oder kommt das plötzliche Ende der Ära Hiddink? Die beiden Playoff-Spiele gegen Kroatien werden es zeigen.
Istanbul. Am Freitag, bezeichnenderweise Karnevalsanfang in Deutschland, kann die Elf von Guus Hiddink in der heimischen Türk-Telekom-Arena von Istanbul den Grundstein zum türkischen EM-Karneval legen. Am darauf folgenden Dienstag müssen sich die türkischen Kicker dann im Rückspiel gegen Kroatien in Zagreb final beweisen. Sie können alles erreichen und doch auch alles verspielen - das von den Fans lautstark geforderte EM-Ticket und die Türkeikarriere ihres Trainers.

Der dicke Brocken Kroatien

In Expertenkreisen gelten die Kroaten als einer der beiden ganz dicken Brocken in den Playoff-Spielen zur EM-Qualifikation. 10 Spiele, 7 Siege, ein Unentschieden und 22 Punkte aus der Qualifikationsrunde – das ist ein wirkliches Brett. Neben Portugal sind die Kroaten auf dem Papier wohl der undankbarste und schwerste Gegner der kommenden Playoffs. Ein Grund also für Guus Hiddink, eine schlaflose Woche vor sich zu haben. Besonders wenn man um die Launenhaftigkeit der eigenen Elf weiß. Von Weltklasse bis Kreisklasse ist beim türkischen Nationalteam eigentlich alles möglich.

Sollen deutsche Legionäre es richten?

Baut Hiddink schon in seiner Startelf auf bundesligaerfahrene Spieler, die auch auf internationale Erfahrungen zurückgreifen können? Es steht fast zu vermuten, denn im Kader finden sich Hamburgs Gökhan Töre, wie auch Leverkusens Ömer Toprak, der sich bekanntlich erst kürzlich dafür entscheiden konnte, das türkische Trikot zu tragen. Die Gelsenkirchener Brüder Hamit (mittlerweile bei Real Madrid unter Vertrag) und Halil Altintop (Trabzonspor) runden das Bundesligapaket der Mannschaft vom Bosporus ab. Nuri Sahin findet seinen Namen auf Anraten der medizinischen Abteilung von Real Madrid nicht im Kader wieder, wie auch der Bremer Mehmet Ekici nicht auf Hiddinks Zettel zu finden ist – wohl sehr zur Überraschung diverser Fußballexperten. Man könnte den Kader mit viel Wohlwollen dahin gehend deuten, dass Hiddink beabsichtigt, sein Schicksal weitsichtig in die Hände von Spielern zu legen, bei denen er zumindest hoffen darf, sie halten den enormen Druck aus, der nicht nur beim Rückspiel in Zagreb, sondern auch und gerade schon im Hinspiel der Playoffs vor heimischem Publikum auf der Nationalelf lastet.

Fragezeichen über Fragezeichen

Eine Kernfrage der beiden Spiele muss lauten: Was wird sich Guus Hiddink einfallen lassen, um den Unsicherheitsfaktor des „Milli Takim“ – die Abwehr – auf den kroatischen Sturm mit internationaler Erfahrung (18 Treffer in der Qualifikation) vorzubereiten? Immerhin kassierte die türkische Abwehr ganze 11 Gegentreffer (bei nur 13 eigenen Toren) in der EM-Qualigruppe A. Und wer aus dem türkischen Sturm soll die kroatische Abwehr knacken, die in der Gruppe F nur 7 Treffer gegnerischer Teams zugelassen hat?
Ein größeres Fragezeichen für die türkischen Fans wird wieder einmal hinter dem Namen Volkan stehen. Schafft es der erfahrene Keeper über 90 Minuten eine dringend erforderliche Leistung nach internationalen Torhüterstandards abzurufen oder wird er – wie leider viel zu oft in der Vergangenheit – einmal mehr zum 12. Mann des Gegners? Und was wird sich Hiddink einfallen lassen, um der Verteidigung Stabilität zu verleihen? Welch ein Glück, dass zumindest einige Abwehrteile der „Ay-Yıldızlılar“ (Die mit Mond und Stern) mit Gökhan Gönül und Servet Cetin gut aufgestellt sind. Egemen sollte eine weitere Position besetzen und dies in der Hoffnung, „hinten einigermaßen dicht zu halten“.
Und wer soll es vorne richten? Schaffen es Burak Yilmaz und Arda Turan die ordentlich operierende Hintermannschaft der Kroaten in Verlegenheit zu bringen?

Richtungsweisend für die Zukunft des TFF


Eines kann man zum jetzigen Zeitpunkt so oder so festhalten: Die beiden Playoff-Spiele werden in jedem Fall und unabhängig vom Unterhaltungswert der Spiele richtungsweisenden Charakter haben. Schaffen die „Ay-Yıldızlılar“ die Qualifikation zur EM-Endrunde nicht, ist der schwer in der Kritik stehende Hiddink kaum noch zu halten. Und sollte die Endrunde geschafft werden, muss hinterfragt werden, wie der international erfahrene Trainer es bewerkstelligen möchte, längst überfällig den nachlässigen Schlendrian, der das Team immer wieder in Kalamitäten bringt, einzumotten. Egal wie es auch letztlich endet, dem „Milli Takim“ muss ein Umbruch und ein Umdenken bevorstehen.

Eure Meinung: Soll Hiddink auf die deutschen Legionäre setzen?