Barcelona-Talent Alen Halilovic: Der etwas andere Weg

Halilovic gilt nicht nur in Kroatien als riesiges Talent. Statt auf die Chance in Barcelona zu warten, entschied er sich aber für den rauen Abstiegskampf in Gijon.

Als der Tross des FC Barcelona vor wenigen Tagen ins benachbarte Valencia tuckerte, hielt sich die Vorfreude bei einem Großteil womöglich in Grenzen. 7:0 im Hinspiel, sicherer Final-Einzug im Pokal, lästiges Beiwerk also. Für einige junge Burschen öffnete sich dadurch eine Tür: Statt Lionel Messi, Luis Suarez oder Neymar, die geschont wurden, nahm Trainer Luis Enrique gleich sieben Nachwuchskicker mit, allesamt nicht älter als 21. Nicht mit an Bord war Alen Halilovic, der sich vor der Saison für einen anderen Weg entschied.

Im Juli 2014, als der Sommer-Transfermarkt gerade auf Hochtouren kam, verließ das kroatische Supertalent seinen Heimatklub Dinamo Zagreb für den großen Traum in Barcelona. Dass die Katalanen im Werben gleichzeitig auch Erzrivale Real Madrid ausstachen, war ein gern geschehener Nebeneffekt. Doch nach seinem Premieren-Jahr, als Halilovic seines blutjungen Alters wegen für Barcelona B auflief, entschieden sich die beteiligten Parteien, dem jetzt 19-Jährigen Spielpraxis bei einem europäischen Erstligisten zu spenden.

Etliche Klubs, unter anderem der Hamburger SV, waren interessiert, am Ende ging es für den offensiven Mittelfeldspieler leihweise zu Sporting Gijon. Auch, weil dem dortigen Trainer Abelardo Fernandez ein exzellentes Verhältnis zu Barcelonas Pendant Enrique nachgesagt wird. Das erste Wiedersehen mit seinem eigentlichen Klub feiert Halilovic am Mittwoch, wenn die Superstars im Norden Spaniens ihr Nachholspiel bestreiten (18.30 Uhr im LIVE-STREAM). Die Partie gibt es live, kostenlos bei Goal TV.

Kroatiens Versprechen

Jüngster Debütant in Kroatiens 1. Liga, jüngster Torschütze mit 16 Jahren und 108 Tagen, jüngster kroatischer Nationalspieler aller Zeiten - dass der ganze Balkanstaat gespannt auf Halilovic' Entwicklung schaut, liegt auf der Hand. In erster Linie ist dies für einen heranwachsenden, jungen Mann, der zwar schon viel kann, aber noch viel lernen muss, nicht unbedingt förderlich. Ganz zu schweigen von den permanenten Vergleichen mit seinen prominenten Landsmännern Luka Modric und Barcelonas Mittelfeldspieler Ivan Rakitic.

"In Barcelona liegt ein echter Schwerpunkt darauf, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen. Wenn du ein Problem hast, kommt sofort irgendjemand und hilft dir", zeigte sich Halilovic vom Drumherum beim Champions-League-Sieger dennoch gleich begeistert. Mit der Zeit änderte sich das Klima. Er fühlte sich nach eigenen Angaben zwar weiterhin wohl, sportlich allerdings gab es nicht nur Glanzmomente. So wie bei einem Spiel der zweiten Mannschaft in der Segunda Division.

Nach einer erneuten Auswechslung war Halilovic derartig verärgert, dass er sich am Seitenrand mit den Trainern Eusebio und Jordi Vinyals in die Haare kriegte. Schnell wurden rauere Töne angeschlagen, dem fünf Millionen Euro schweren Neuzugang wurde ein biederer Charakter nachgesagt, die Presse berichtete fleißig. Gerade bei Enrique, der auf Disziplin und Ordnung durchaus Wert liegt, kommt so etwas nicht gut an. Gleichwohl war es viel Rummel um eine Aktion, die man als jugendlichen Leichtsinn abstempeln kann.

Der Tapetenwechsel ins beschauliche Gijon kam deshalb wie gerufen. Interessant ist, dass Barca offenbar an einer Klausel festhielt, die besagt, dass Halilovic mehr als 60 Prozent der Spiele absolvieren muss. Es waren jedoch nicht nur solch Vorgaben, die den Linksfuß schnell in die erste Elf spülten. Drei Tore und vier Vorlagen sind für ihn eine achtbare Quote, zuletzt traf er beim 2:2-Unentschieden gegen Rayo Vallecano artistisch im Liegen.

"Es ist ein ruhiger Ort, ohne Druck. Mir gefällt das sehr", äußerte sich der schmächtige Offensivspieler voll des Lobes. Gijon weist mit einem Durchschnittsalter von 24,33 Jahren einen der jüngsten Kader in der Primera Division auf, Halilovic kann sich als Gleicher unter Gleichen besser in Szene setzen. Nicht umsonst nennen ihn seine Teamkollegen "Guajlilovic", in Anspielung auf den Spitzname von David Villa, "El Guaje", der so etwas wie "das Kind" bedeutet.

Wohin führt der Weg?

In ein paar Monaten wird sich zeigen, inwieweit "das Kind" erwachsen ist, bereit für den glamourösen Champions-League-Sieger, der sich selbst als "mehr als ein Verein" (Mes que un club) bezeichnet. Der Leihvertrag in Gijon läuft im Juni aus, eine Entscheidung muss fallen: Sucht Halilovic seine Chance im Starensemble in Barcelona oder sucht er erneut das Weite? Bereits jetzt ist zu hören, dass Barcelona von einem Verkauf mit Rückholoption nicht abgeneigt sei.

Goal TV: Sporting Gijon vs. Barcelona im LIVE-STREAM

"Ich möchte bei Barca Erfolg haben, aber jetzt gerade denke ich nicht darüber nach. Ich denke nur an den jetzigen Verein, um hier zu lernen, gut zu spielen, hart zu arbeiten", so Halilovic, der seine Stärken im Eins-gegen-Eins und im Dribbling hat, unlängst. Erstmals trifft er nun auf die Ex-Kollegen, wobei seine Bewunderung vor allem einem Spieler gilt, dem er mit seinem Auftreten ein wenig ähnelt: Lionel Messi.

"Er ist ein Zauberer. Er hat außergewöhnliche Qualitäten, als Fußballer und als Person. Jede Sekunde, die ich mit ihm verbringen darf, füllt mich mit Begeisterung", schwärmt Halilovic über sein deklariertes Vorbild. Zunächst muss Messi warten. Es ruft der Abstiegskampf mit Gijon, Schwerstarbeit ist nötig. Lehrreicher kann ein Weg für einen 19-Jährigen kaum sein.