GoalSCOUT: Philipp Ochs - Wie einst Wayne Rooney

Philipp Ochs ist eines der größten deutschen Talente. Bei der U19-EM sorgte er für Furore, mit Hoffenheim hat er große Ziele. Auch dank Förderer Nagelsmann.

Gleich am ersten Spieltag der Saison 2015/16 kam Markus Gisdol zur Hoffenheimer Bank und rief einen 18-Jährigen zu sich, der bei der TSG gegen Bayer Leverkusen noch einmal für neuen Schwung sorgen sollte. Andere Teenager ohne Bundesliga-Erfahrung wären aufgeregt. Philipp Ochs nicht. 

Denn der Youngster ist selbstbewusst, weiß, was er kann. Er weiß, was er kann und er erwartet auch von seinen Trainer, das zu wissen. 13 Bundesligaspiele hat er seit seinem Debüt gegen die Werkself gesammelt. Besonders in der Rückrunde setzte er für einige Ausrufezeichen.

Dabei ist er zwar selbstbewusst, aber keiner, der mit dem Rampenlicht, der großen Bühne etwas anfangen kann. "Keine dummen Sprüche und immer ich selbst bleiben", lautete sein Ziel als Profi. Und bislang hält er Wort. Während andere jung auf dicke Karossen setzen, fährt er einen Toyota Yaris mit 99 PS. "Der reicht mir", so Ochs. "Ich hab‘ ihn von meinen Eltern geschenkt bekommen, er war schon das erste Auto meines älteren Bruder.“

Auf dem Platz ist er alles andere als bescheiden. Man merkt ihm die Gier an. Auf Tore, auf Siege. Er besticht mit Schnelligkeit, Technik und Aggressivität. So ist es kein Wunder, dass er die deutsche U19 bei der EM im eigenen Land, die derzeit stattfindet, anführt. Obwohl der DFB-Nachwuchs nach Pleiten gegen Italien (0:1) und Portugal (3:4) bereits ausgeschieden ist, wusste Ochs gegen die Iberer mit einem Dreierpack zu glänzen.

Steckbrief  | Philipp Ochs (TSG 1899) 

Mehr über Philipp Ochs

 Alter: 19 Jahre

Vertrag bei Hoffenheim bis: 2019

Spiele 2016: 13

Position: Sturm 

Marktwert: 750.000

Tore / Vorlagen: 0 / 1

  Stärken: Technik, Antritt, Abschluss, Flexibilität

  Schwächen: Physis, Unerfahrenheit

Glänzen will er freilich auch bei der TSG in der kommenden Saison. Denn dort herrscht nach dem furiosen Schlussspurt unter Retter Nagelsmann Euphorie und Freude auf die kommende Saison. Ochs und Nagelsmann. Zwei, die sich kennen und die "wissen, was wir einander haben". Seit 2012 trainiert der jüngste Bundesligatrainer den Offensiv-Allrounder, mit einigen wenigen Unterbrechungen, damals in der U16. 

2014 feierte Ochs mit der Kraichgauer U19 den Deutschen Meistertitel - als B-Jugendlicher. Er ist ein Frühstarter. Einer, der schon jetzt weiter ist als viele seiner Altersgenossen. Vor allem weil er schnell lernt, alles Neue aufsaugt wie ein Schwamm. Auch deshalb durchlief er seit der U19 alle deutschen U-Nationalmannschaften. Das Debüt in der A-Elf ist noch weit weg - noch.

Denn Ochs' Zeit wird bald kommen. Da sind sich alle, die sich näher mit ihm beschäftigen sicher. Und hart im Nehmen ist er auch. "Ich bin mit drei Jahren mal auf einen Schrank geklettert, um eine Action-Figur runter zu holen. Dabei ist der Schrank umgekippt und auf mich drauf gefallen. Die Türen waren aus Glas, daher kommt die Narbe", erklärte er seine Verletzung im Gesicht. 


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Gefallen ist er seitdem nicht nochmal. Im Gegenteil: Er hat einen steilen Aufstieg hingelegt. Ganz wie sein Vorbild Wayne Rooney, den er bewundert, "weil Rooney viel über den Willen und Kampf macht". Also so ähnlich wie er. Und noch etwas haben die beiden gemeinsam: Diese absolute Coolness. Wie drückte es Rooney gleich noch aus? "Aufgeregt war ich zuletzt in der Schule." 

Wie es bei Philipp Ochs aussieht, ist nicht überliefert. Klar ist aber, dass er am 1. Spieltag bereit sein wird - und ganz unaufgeregt sein 14. Bundesligaspiel absolvieren wird. Gegner wird RB Leipzig sein. U19-Kollege Gino Fechner wird wohl nicht im Kader der Bullen sein, sondern bei der U23 spielen. Ochs dagegen wird auf dem Platz stehen, obwohl er im gleichen Jahrgang ist. Nur ein Tor fehlt dann noch. Es wird kommen. Das ist sicher.