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Jovanovs HSV: Will Beiersdorfer gar keinen Sportchef?


KOLUMNE

Abstiegskämpfe sind teuer. Das ist immer so. Einerseits wegen der vielen personellen Wechsel und Umstrukturierungen, andererseits wegen der Notsituation, aus der andere Klubs Kapital schlagen wollen. Zum Beispiel der VfL Bochum, der für seinen Sportchef Christian Hochstätter bis zu drei Millionen Euro verlangt haben soll. Eine Summe, die der Hamburger SV verständlicherweise nicht zu zahlen bereit gewesen ist. "Ist eine beendete Verhandlung ein Rückschlag, weil der HSV den absurden Forderungen eines anderen Klubs nicht folgt? Aus meiner Sicht nicht", begründet Dietmar Beiersdorfer im Selbstgespräch auf HSV.de. Und trotz des eher chaotischen Bildes, das der HSV aktuell abgibt, möchte man ihm in der "Causa Hochstätter" zustimmen. Drei Millionen? Auf keinen Fall!

Doch genau hier beginnt die Geschichte zu stinken. Denn eine Forderung vonseiten der Bochumer in dieser Höhe soll es nie gegeben haben. Wer die Zahl den Zeitungen durchsteckte, ist unklar, aber nicht weiter relevant. Fakt ist, dass Beiersdorfer sie indirekt bestätigte. Drei Tage vor dem Scheitern der Verhandlungen sagte er der Bild: "An eine Größenordnung, die Bochum sich vorstellt, ist nicht zu denken." Klang so, als hätte Bochum tatsächlich einen Mondpreis für Hochstätter aufgerufen. Und ausgehend von der kolportierten Zahl ist Beiersdorfers Verhalten natürlich vollkommen richtig. Entsprach sie jedoch der Wahrheit? Was ist da wirklich gelaufen?

Bochum widerspricht Beiersdorfers Darstellung

Laut VfL-Aufsichtsratschef Hans-Peter Villis hat es jedenfalls nie echte Verhandlungen gegeben, Kontakt zwischen den Bochumern und dem HSV bestand lediglich durch Finanzvorstand Frank Wettstein. Beiersdorfer, so Villis Darstellung, hätte sich beim Aufsichtsrat überhaupt nicht gemeldet. Zudem dementierte er, dass der HSV sein anfängliches Angebot von einer halben Million Euro erhöht habe. Sieht so glaubhaftes Bemühen um die Verpflichtung eines Sportchefs aus? Oder führt Beiersdorfer die Öffentlichkeit an der Nase herum, weil er eigentlich gar keinen Sportchef an seiner Seite haben will, vom Aufsichtsrat aber dazu gedrängt wird, jemanden zu präsentieren? Zögern und zaudern kann auch eine sehr wirkungsvolle Strategie sein.

Unterm Strich zählt aber nur das Ergebnis, und das lautet wie folgt: Nach Sven Mislintat, Georg Heitz, Nico-Jan Hoogma und Horst Heldt ist Christian Hochstätter mindestens der fünfte Kandidat, mit dem der HSV Gespräche führte, letztlich aber keine Einigung erzielen konnte. 

Ich kann mich nicht erinnern, dass etwas Vergleichbares schon mal bei einem anderen Verein passiert wäre. Und daher glaube ich auch nicht mehr daran, dass eine zukünftige Entscheidung, egal wie sie ausfällt, die notwendige Kraft für einen Klassenerhalt entfalten und den HSV aus der Depression (wie Markus Gisdol sagt) holen kann.

Anders ausgedrückt: Beiersdorfer und (!) der Aufsichtsrat sind mittlerweile völlig verbrannt. Die einzige Maßnahme, die dem Verein wieder ein wenig Hoffnung geben würde, ist ein radikaler Neuanfang, für den es im Aufsichtsrat aber noch keine Mehrheit gibt. Das könnte sich nach einer oder zwei weiteren Niederlagen jedoch schnell ändern.

Bruchhagen als Interimslösung bis Saisonende?

Das Krisenmanagement des HSV hat indes zum wiederholten Male deutlich gemacht, wie schlecht dieser Verein geführt ist. Nur ist die Fehlerliste inzwischen so lang geworden, dass nicht nur ich mich frage, was noch alles passieren muss, bis der Aufsichtsrat endlich tätig wird. Dass er überhaupt nichts tut, ist allerdings nicht ganz richtig. Es dringt nur viel weniger als früher nach außen (weil der Rat nur noch aus sechs statt zwölf Personen besteht), was aber nicht heißt, dass nicht kontrovers diskutiert wird.

Das Problem des Aufsichtsrats ist nicht die Entlassung Beiersdorfers, sondern die Findung eines Nachfolgers. Aktuell werden im HSV-Umfeld zwar einige Namen gehandelt, darunter Ex-Vorstandschef Bernd Hoffmann und Ex-Frankfurt-Chef Heribert Bruchhagen, konkret ist es aber bei beiden noch nicht.

Bis es zum Neuanfang kommt, ist jeder vergangene Tag ein verlorener Tag, der die Hoffnung auf den Klassenerhalt schwinden lässt. Daher zum Abschluss ein Appell an die Kontrolleure: Geschätzte Aufsichtsräte, beschleunigen Sie die Suche nach einem neuen Vorstand! Dieser Verein, diese Fans, diese Mitglieder und diese Mannschaft haben komplett die Orientierung verloren. Lassen Sie nichts unversucht, um diese Entwicklung zu stoppen! Andernfalls ist dieser HSV nicht mehr zu retten.

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