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Jovanovs HSV: Kein Mittel gegen das Virus

KOLUMNE
Von Daniel Jovanov

Liebe Leser,

man weiß bei diesem Verein einfach nicht, woran man ist. Und die so oft geforderte Geduld verwandelt sich langsam aber sicher in Ungeduld. Hatte man im Sommer durch die Ausgliederung und dadurch entstandene Aufbruchstimmung noch neue Hoffnung entwickelt, ist diese Seifenblase bei vielen HSV-Fans nach einem Drittel der Saison bereits zerplatzt. Dabei geht es weniger um die Niederlage gegen die formstarken Wolfsburger, sondern um das wie. Mit "blutleer" fand Sportdirektor Peter Knäbel die wohl treffendste Bezeichnung für den Auftritt, der viele Fragen hinterlässt.

Seit Jahren ist nun zu beobachten, wie hoch talentierte Fußballer mit viel Potenzial beim HSV immer schlechter werden. Nur die Ursache für dieses Phänomen ist noch nicht gefunden worden. Ein Virus, der nicht zu bekämpfen ist. Man hat in der Vergangenheit etliche Trainer, Sportdirektoren, Mediziner, Scouts und Betreuer ausgetauscht, und nie hat es anschließend einen langfristigen Effekt gegeben. Im Gegenteil: Nach einem kurzen Hoch folgt der Absturz auf den harten Boden der Tatsachen, der in der Regel einen weiteren Austausch vieler Mitarbeiter zur Folge hat. Deshalb habe ich mich immer wieder gegen Trainerentlassungen ausgesprochen. Sie haben nie etwas gebracht, nur viel Geld verschlungen, das dem HSV nun für Verstärkungen fehlt.

Ich hatte im Sommer die naive Hoffnung, dass es dank der Neustrukturierung auch in dieser Hinsicht einen Paradigmenwechsel geben wird. Nie wieder sollte es möglich sein, Trainer oder Sportdirektoren aufgrund "externer vereinsinteressierter Kreise" vor die Tür zu setzen. Die Entlassungen von Oliver Kreuzer und Mirko Slomka haben gezeigt, was sich durch den Machtwechsel im Verein getan hat: nichts. Es bleibt die Schlussfolgerung, dass Joe Zinnbauer bei einem Absturz auf den letzten Tabellenplatz ein ähnliches Schicksal ereilt. Das wünsche ich ihm nicht, sehne es auch nicht herbei. Doch wer soll ihn bei weiterem Misserfolg vor den "Mechanismen des Geschäfts" schützen, wenn Dietmar Beiersdorfer durch externen Druck schon nach drei Spieltagen das erste Mal die Reißleine gezogen hat?

Zwar ist das Derby gegen Werder Bremen noch nicht verloren, und auch die Niederlage gegen Wolfsburg muss man richtig einordnen. Die Punktgewinne gegen Bayern, Dortmund, Hoffenheim und Leverkusen allerdings auch. Wer nach elf Spieltagen nur vier Tore erzielt hat und sich darüber hinaus keine gefährlichen Torchancen erspielen kann, hat ein ernsthaftes Problem. Doch das wird Zinnbauer in der Kürze der Zeit und ohne die Nationalspieler kaum lösen können. Auf der anderen Seite tun sich nämlich neue Probleme auf. Wenn selbst die vielversprechenden Neuverpflichtungen Behrami, Müller oder Holtby zu Fehlern neigen, die man eigentlich nicht von ihnen kennt, hat sich das Virus bereits ausgebreitet.

Tipico

Offenbar scheint ihn auch Sportdirektor Knäbel erkannt zu haben, der nach dem Wolfsburg-Spiel Sätze wie "Sogar unsere Freistoßchancen haben wir hergeschenkt, da fehlt auch die Qualität", "Die Reifeprüfung dieses Kaders kommt erst nach der Nationalmannschaftswoche" oder "Wenn man in den kommenden Spielen nicht die gewünschten Resultate macht, dann müsste man sich Sorgen machen" gesagt und den Druck somit unweigerlich erhöht hat. Zudem, so der 48-Jährige, könne man in der Wintertransferperiode direkt eingreifen und die Mannschaft noch mal verändern. Wobei sich da die Frage auftut: Ist der Kader tatsächlich im Einklang mit allen Beteiligten zusammengestellt worden? Denn klar ist, dass Zinnbauers Vorgänger Slomka ein Wörtchen mitgesprochen hat. Auch Kreuzer hat mit seinem Alleingang beim Stieber-Transfer seine Finger im Spiel gehabt. Den Großteil der Planung dürfte jedoch Beiersdorfer übernommen haben, der bei einigen Entscheidungen Kompromisse eingegangen ist, mit denen Zinnbauer nun fertig werden muss.

Dazu zählt zum Beispiel Rafael van der Vaart, dessen Verkauf die Verpflichtung von Lewis Holtby erst möglich machen sollte. Es kam anders, der Kapitän blieb mangels lukrativer Angebote. Holtby kam trotzdem und wird erst zur kommenden Saison fest verpflichtet. Für den Trainer stellt sich das Problem, zwei Spielertypen mit ähnlichen Qualitäten in die Mannschaft integrieren zu müssen, sie aber gleichzeitig mit Defensivaufgaben zu betrauen, die ihrem Spielstil nicht liegen. Seit der Verpflichtung van der Vaarts sind sämtliche Trainer auf der Suche nach einer geeigneten Position für den mittlerweile 31-Jährigen zu keiner nachhaltigen Lösung gekommen. Die ständigen Wechsel und Verschiebungen innerhalb des Spielsystems hindern die Mannschaft an einer kontinuierlichen Weiterentwicklung.

Andererseits fehlt neben Pierre-Michel Lasogga ein weiterer Stürmer. Dass Zinnbauer nicht auf Artjoms Rudnevs setzt, dürfte nicht nur aus seinen bisherigen Einsatzzeiten hervorgehen, sondern auch aus seiner Degradierung auf die Tribüne. Es mag zwar seinen Charme haben, jungen, unverbrauchten Spielern wie Valmir Nafiu oder Julian Green eine Chance zu geben - für das Sturmzentrum sind sie allerdings nicht gedacht. So fehlt Zinnbauer in dieser Hinsicht die Variationsmöglichkeit, auf das oftmals geforderte System mit zwei Stürmern umzustellen. Zumal das Virus bereits zugeschlagen hat und er in Zukunft an völlig anderen Fronten zu kämpfen haben wird.

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