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Kommentar: Danke, Arsenal! Marcel Reifs Barca-Glorifizierung wurde ad absurdum geführt

Berlin. Hat noch jemand am Mittwochabend den Knaller zwischen Arsenal und dem FC Barcelona auf Sky verfolgt? Mit Marcel Reif als Kommentator? Ich schon und ich danke den „Gunners“ von ganzem Herzen, dass sie das Spiel im zweiten Durchgang noch gedreht und damit den Kommentar Reifs ad absurdum geführt haben. Nicht falsch verstehen, ich mag Barcelonas Fußball sehr, aber die Glorifizierung durch den Chefreporter des Pay-TV-Senders ging mir schon nach wenigen Minuten auf die Nerven. Umso schöner, dass die Londoner aus einem 0:1-Rückstand binnen weniger Minuten noch einen 2:1-Erfolg machten!

Die Lobeshymnen setzten nach nicht einmal 120 Sekunden ein

Keine 120 Sekunden waren gespielt, da jubilierte Reif bereits, wie gut der Ball durch die Reihen des spanischen Meisters liefe. Hallo? Es waren nicht einmal zwei Minuten absolviert und die Anfangsphase gehörte im „Emirates“ den Gastgebern, inklusive einer dicken Chance durch Robin van Persie (6.). Reif war das egal. Ein kurzes Potpourri seiner Aussagen aus der ersten halben Stunde:  „Jetzt beginnen sie, Arsenal zu filetieren“, „Ein Messi macht es nicht einfach, ein Messi lupft diesen Ball eben noch an“ oder „Das ist ganz, ganz große Kunst“. Dass auch Arsenal seinen Beitrag an einer Partie auf sehr hohem Niveau hatte, vergaß Reif gelegentlich.

Der Herr der Statistiken

Überhaupt hatte man einmal mehr das Gefühl, als ginge der 62-jährige wieder nach seinem Schema F vor: Kurz die ersten 20 Minuten abwarten, die bessere Mannschaft in den Himmel loben und die Schwächere wird schlecht geredet. Ein Phänomen, das man in schöner Regelmäßigkeit bei Reif auch in der Bundesliga erlebt. Sonderlich viel besser wurde es auch im weiteren Spielverlauf nicht. Reif ratterte nahezu jede erdenkliche Statistik herunter, um die Überlegenheit der Katalanen zu untermauern. Dass Barca unter Pep Guardiola aber noch nie eine Auswärtspartie in der K.O.-Phase der Königsklasse gewonnen hat, wäre spätestens nach dem 1:1 durch van Persie sicher auch interessant zu wissen gewesen.



„Darüber reden wir morgen“

Unterhaltsam war auch die Erwähnung des offenbar neuen Arsenal-Spielers „Walshere“. Womöglich eine Kreuzung aus Jack Wilshere und Theo Walcott? Man weiß es nicht. Der Höhepunkt war allerdings, als Reif kurz vor Beginn der zweiten Hälfte nicht merkte, dass er längst wieder auf Sendung war und sich offenbar noch mit einem Kollegen unterhielt. „Darüber reden wir morgen, wenn es in der Zeitung stand“, schallte es den Zuschauern entgegen. Aha! Nicht der erste Fauxpas dieser Art. Mehrfach in den letzten Jahren hatte Reif den falschen Knopf an seinem Mikro bedient und die Fans an den Bildschirmen mit unfreiwilliger Slapstick begeistert. Los ging es 2005 beim Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04: „Jedes Mal die gleiche Scheiße. Schon wieder Zirkus mit dem Ton Leute, das mach’ ich nicht mehr länger mit.“

„Du säufst zu viel“

Im Spiel zwischen Werder und Schalke meinte er 2008 zu einem Kollegen auf der Pressetribüne, der ihm die Sicht genommen hatte: „Sag mal, wir arbeiten hier. Schleich dich, lass mich gucken. Arsch!“ Und beim Topspiel zwischen den Bayern lieferte er sich im Frühjahr 2009 über den Äther ein Wortgefecht mit einem alkoholisierten Fan: „Du säufst zu viel“, ließ er das breite Publikum wissen.

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Sicher, ich hätte mich entscheiden können, das Spiel bei der Konkurrenz von Sat.1 weiter zu verfolgen. Aber einem Marcel Reif in Hochform kann man sich eben schwer entziehen. So blicke ich seinen nächsten Einsätzen mit gemischten Gefühlen entgegen...