Mieses Spiel von Beiersdorfer - Labbadia sollte zurücktreten

Bruno Labbadias Entlassung beim HSV ist längst beschlossen. Doch der 50-Jährige Noch-Cheftrainer sollte dem Vorstand zuvorkommen und freiwillig gehen. Ein Kommentar.

KOMMENTAR

Die Mannschaft des Hamburger SV hat am Samstag 90 Minuten leidenschaftlich für ihren Trainer Bruno Labbadia gekämpft, am Ende aber 0:1 gegen den FC Bayern verloren. Ein Ergebnis, mit dem viele im Vorfeld des Spiels nicht gerechnet haben. Es könnte Labbadias letzte Chance gewesen sein, zu zeigen, dass er der richtige Mann für die Rothosen ist.

Doch die Aussagen von Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer lassen nur einen anderen Schluss zu: Eine echte Chance hatte Labbadia gar nicht.

"Spiele gegen gute Mannschaften und viel Ballbesitz waren nicht unser Problem. Unser Problem sind Spiele gegen kleinere Mannschaften, die tiefer stehen und schnell umschalten", sagte er nach der Niederlage gegen den Rekordmeister. Seine Analyse ist richtig und eine Trennung von Labbadia wäre angesichts der Bilanz im Jahr 2016 (nur 20 Punkte aus den letzten 22 Spielen) nachvollziehbar.

Doch warum durfte Labbadia dann überhaupt noch mal als Cheftrainer auf der Bank Platz nehmen, wenn Leistungen gegen gute Mannschaften ohnehin kein Gradmesser sind?

Beiersdorfers Aussagen klingen so, als hätte das Ergebnis ohnehin keinen Einfluss auf seine Entscheidung gehabt. Man werde sich jetzt beraten, sagte der HSV-Boss nach der Niederlage gegen den Rekordmeister. Wer mit am Tisch sitzen wird, wollte er aber nicht erzählen. Dafür lieferte er eine Erklärung, warum er sich nicht zu seinem Trainer bekennt.

"Weil ich die Gesamtsituation bewerten muss. Wir haben nach fünf Spielen nur einen Punkt", lautet seine Antwort. Ob Labbadia in Berlin noch HSV-Trainer sein wird, könne er allerdings noch nicht sagen. Viele Unklarheiten in einer Phase, in der schnelle Klarheit gefragt ist.

Klar scheint indes der Hintergrund dieser Haltung zu sein: Der HSV verhandelt mit Markus Gisdol, soll sich bereits mit dem Ex-Hoffenheimer über einen Vertrag einig sein. Doch auch Werder Bremen ist an dem 47-jährigen Fußballlehrer interessiert. Ließ Beiersdorfer Labbadia im Spiel gegen Bayern noch mal ran, auch auf die Gefahr hin, eine üble Klatsche zu kassieren, nur um nicht mit leeren Händen dazustehen, falls Gisdol es sich anders überlegt?

Fakt ist: Die Posse um Labbadias Entlassung oder Noch-Nicht-Entlassung hinterlässt einen faden Beigeschmack und wirft kein gutes Licht auf den immer stärker in den Fokus der Kritik rückenden Beiersdorfer.

Die beste Entscheidung, die Labbadia treffen könnte, wäre dem Vorstand mit einem freiwilligen Rücktritt zuvorzukommen. Um dem unwürdigen Trauerspiel im Volkspark zumindest ein stilvolles Ende zu setzen.