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Der Hamburger SV nimmt sich selbst nicht mehr ernst

KOMMENTAR
Von Daniel Jovanov

Das Gute vorweg: Es zeugt von Stärke, sich einen Fehler einzugestehen und diesen zu korrigieren. Denn das Experiment mit Peter Knäbel ist gründlich gescheitert. Besonders seine Kritik an der Mannschaft war so indiskutabel, dass die Frage erlaubt sein muss, ob er für seinen Job als "Direktor Profifußball" noch geeignet ist. Aber Peter Knäbel zum Interimstrainer zu machen war nur die Fortführung einer Kette von Fehlern, die bereits im Sommer 2014 begann. Schon damals ist klar, dass Vereinsboss Dietmar Beiersdorfer Thomas Tuchel als neuen Cheftrainer verpflichten will. Weil dieser nicht sofort zu haben ist, fährt der 51-Jährige einen Schlingerkurs. Das Resultat ist heute an der Tabelle abzulesen.

Dabei war die Hoffnung groß, dass die Troika aus Beiersdorfer, Knäbel und Peters endlich für sportliche Kompetenz und klare Entscheidungen stehen sollte. Doch die Verantwortlichen ließen in knapp einem Jahr so gut wie keinen Fehler aus.

Warum einen Fehler nur einmal machen?

Der Kader wird nach den Vorstellungen eines Trainers zusammengestellt, der schon vor dem offiziellen Start der Saison angezählt ist. Nach der Entlassung Mirko Slomkas fehlt erneut die Konsequenz bei den Entscheidungen. Beiersdorfer macht einen Neuling zum Trainer, von dessen Qualitäten er sich nur ansatzweise ein Bild machen kann. Aber die Saison wird irgendwie gutgehen, wird er sich gedacht haben. Doch schon im Winter ist klar, dass das Experiment mit Joe Zinnbauer zum Scheitern verurteilt ist. Beiersdorfer zögert erneut - und geht dann mit Knäbel als Interimscoach ein großes Risiko ein. Warum einen Fehler nur einmal machen, wenn es auch zweimal geht?

Alles wird dem Ziel untergeordnet, Tuchel als Trainer für die kommende Saison zu verpflichten. Beiersdorfer wäre es allerdings lieber gewesen, dieses Thema nicht öffentlich auszudiskutieren. In einem Interview mit dem NDR geht der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Gernandt mit dem Namen Tuchel jedoch derart in die Offensive, dass in den folgenden Tagen über nichts anderes mehr gesprochen und geschrieben wird.

Tipico

Nicht das erste Mal, dass der Vertraute von Investor Klaus-Michael Kühne in der Öffentlichkeit alles einreißt, was vorher aufgebaut wurde. Ob das öffentliche Vorpreschen bei der Absage von Tuchel an den HSV eine Rolle gespielt hat, ist nicht bestätigt. Denkbar ist es allemal. Vielmehr dürfte ihn allerdings die Gesamtkonstellation abgeschreckt haben. Unter diesen Bedingungen ist erfolgreiches Arbeiten kaum vorstellbar.

Offiziell ist das Thema Tuchel beim HSV damit vom Tisch. Dass er in der heutigen Pressemitteilung überhaupt Erwähnung findet, wäre vermeidbar gewesen. Doch seine Absage scheint Beiersdorfer viel mehr beschäftigt zu haben als die B-Lösung, die er gestern präsentierte. Denn das Erste, worüber er auf der Vorstellung von Bruno Labbadia sprach, war Thomas Tuchel.

Die Wahl Labbadias ist richtig, kommt aber zu spät

Überhaupt wirkte diese Veranstaltung eher wie der Quatsch Comedy Club als nach Existenzkampf in der Bundesliga. "So, da sind wir wieder", waren die einleitenden Worte, die für erstes Gelächter sorgten. "Ich bin am Sonntag noch davon ausgegangen, dass es keinen weiteren Trainerwechsel geben wird. Am Montag hat sich die Situation allerdings verändert, und wir mussten, ähm, jetzt muss ich noch mal neu anfangen", führte Beiersdorfer fort. Vielleicht ist es sogar ganz gut, dass sich der HSV, der bisher so verkrampft und versteift wirkte, nicht mehr ganz so ernst nimmt.

Die Entscheidung, Bruno Labbadia zum Trainer zu machen, ist jedenfalls nicht falsch. Nur der Zeitpunkt ist fragwürdig. Die Mannschaft hätte schon zu Beginn der Saison eine klare Linie gebraucht. Wer die Spiele intensiv verfolgt, wird festgestellt haben, dass das Team nach Hilfe schreit. Kurzfristig könnte Labbadia diese Hilfe sein. Unter ihm hat der HSV im Herbst 2009 den wohl besten Fußball seit Jahren gespielt. Die Voraussetzungen waren damals allerdings andere.

Scheitert Labbadia bei der Mission Klassenerhalt, scheitern alle. Und wenn es so etwas wie Gerechtigkeit gibt, dann muss dieser HSV in die Zweite Liga. Alles andere wäre bei so schlechtem Fußball, so viel Missmanagement und so viel Dilettantismus einfach unfair.

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