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Fußballspiele sollen auf und nicht neben dem Platz entschieden werden. Geht’s raus und spielt‘s Fußball – nicht: Geht’s raus und ruft‘s eure Anwälte an. Uefa watscht S04 ab.

Gelsenkirchen. Der FC Schalke 04 hat in der Hölle von Istanbul ein gutes Spiel gegen den türkischen Meister Galatasaray Istanbul gezeigt. Nicht nur, dass man am Bosporus trotz erbärmlicher Spiele in der Bundesliga nicht untergegangen ist, nein! Schalke konnte sogar ein 1:1 mit nach Gelsenkirchen nehmen und hat sich damit eine gute Ausgangslage geschaffen, aus eigener Kraft das Viertelfinale der Champions League zu erreichen. Bis da hin liest es sich doch gut – eigentlich. Wäre im Nachgang zum Spiel nicht der erbärmliche Protest bei der Uefa gewesen.

Zu den Fakten:

Didier Drogba wollte China verlassen. Angeblich wurde ihm sein Gehalt nicht gezahlt und das rechtfertigte eine einseitige Vertragskündigung – fristlos. Galatasaray hat Ende Januar 2013 zugeschlagen, sich Drogba geholt. Das kann Galatasaray, denn Präsident Ünal Aysal hat reichlich Bares auf der Tasche. Shanghai wollte Drogba jedoch nicht ziehen lassen, sagte, der Spieler habe stets sein Geld bekommen und protestierte bei der FIFA gegen den Transfer, bzw. die Kündigung Drogbas. Dadurch verzögerte sich die Erteilung einer Spielgenehmigung, denn der Verein verweigerte die Freigabe des Spielers. Die FIFA erteilte eine vorläufige Spielgenehmigung für alle Wettbewerbe und das am 12. Februar 2013, wie das Usus ist, damit der Spieler weiterhin seiner Arbeit sowie seinem Broterwerb nachgehen kann. Schalke erschien der Transfer angeblich zu undurchsichtig hinsichtlich der Einhaltung von Meldefristen gewesen zu sein und wollte überprüft wissen, lief mit der Meldung des Spielers zur Champions League alles so, wie es den Regeln entsprach. Die Folge war ein förmlicher Protest bei der Uefa, der nun abgeschmettert wurde, da Galatasaray alle Uefa-Vorgaben hinsichtlich der Meldefristen eingehalten hatte.

Hält Schalke die Offiziellen von Galatasaray etwa für unfähige „Bauernlümmel“?

Natürlich ist es legitim, lässt man als Verein etwas überprüfen, wenn man eine Benachteiligung verortet. Doch worin lag hier eventuell eine Benachteiligung? Was warf Schalke Galatasaray vor? Das ist einfach erklärt: Die Offiziellen des S04 warfen dem Klub Galatasaray quasi durch die Brust ins Auge vor, unfähig zu sein, ihre Spieler fristgerecht bei der Uefa zu melden oder zu nachlässig und zu sorglos mit Meldeunterlagen umzugehen, als dass ihre Spieler fristgerecht bei der Uefa gemeldet sind. Ja, das war im Klartext der von juristischer Schwurbelei und Euphemismen bereinigte Vorwurf! Geht man so mit einem Klub um, der sich ein weltweites Standing erarbeitet hat, überall auf der Welt Fanklubs auf seiner Seite weiß?

Nein, so behandelt man „Kollegen“ eines Vereins nicht!

Sieht man sich das nun an, was Schalke da gemacht hat, ist das nach meinem Dafürhalten einfach überheblich, unkollegial und in meinen Augen sogar ziemlich borniert. Auch bei türkischen Vereinen – besonders natürlich bei den großen Klubs wie Galatasaray, Fenerbahce, Besiktas, Trabzonspor, Bursaspor und Co – sitzen in den Büros der Vereinszentralen hoch bezahlte Profis, welche die Regularien der FIFA und der Uefa kennen, weil sie zu ihrem Tagesgeschäft gehören! Die Geschäfte dieser Klubs werden nicht vom Küchentisch eines Dorf-Ältesten aus geführt, sondern das sind ebenso in der Türkei hochmoderne Firmenzentralen, die auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind. Da werden notwendige Papiere nicht nach der Devise „Kommste heut‘ nicht, kommste eben morgen“ als Unterlage für den Tee zweckentfremdet oder man faltet Papierflugzeuge daraus, weil man die Wichtigkeit der fristgerechten Weitergabe nicht kennt.

Und es mag am deutschen Bürokratie-Wesen, einmal noch die Fußball-Welt genesen?

Ja, was Vertragswerke angeht, ist Deutschland sicherlich auch in der Welt des Fußballs recht vorbildlich geführt. Doch impliziert das automatisch, dass in anderen Ländern aus dem Dunstkreis der Uefa mit mangelnder Sorgfalt operiert wird? Nein, natürlich nicht und das darf auch nicht das Signal sein, welches man hier gesendet sehen will. Aber trotzdem ist es nach meinem Verständnis exakt das, was Schalke mit seinem Protest den Verantwortlichen bei Galatasaray signalisiert hat – und ja, das geht so nicht.

Wieso hat man nicht, als man noch in Istanbul war, beim obligatorischen Essen mit den Vereinsoberen von Galatasaray gesprochen, seine Bedenken formuliert, was Drogba angeht und nachgefragt, wann sie Drogba tatsächlich bei der Uefa gemeldet haben? Wieso hat man da nicht unter Kollegen gebeten, doch kurz die Meldeunterlagen vorzulegen, um alle Fragezeichen zu klären? Und erst dann, wenn GS bei der Bitte von Schalke gemauert hätte, wäre es immer noch möglich und Zeit genug gewesen, einen offiziellen Protest binnen der 24-Stundenfrist zu formulieren. Aber zuerst einmal hätte auf Vereinsebene gelten müssen: Sprechenden und fragenden Menschen kann geholfen werden!

Der Protest wird Schalke mehr Schaden als Nutzen bringen

Ja, in meinen Augen hat sich Schalke mit dem Protest selbst geschadet. Auf der einen Seite zeugt es eben von einem gewissen Maß an „Abgehobenheit“, protestiert man offiziell, weil man anzweifelt, der Gegner sei in der Lage, fristgerecht die Spieler ordnungsgemäß und regelkonform zu melden. Auf der anderen Seite hat sich Schalke nun damit selbst lächerlich gemacht, Versäumnisse verortet zu haben, wo es seitens Galatasaray keinerlei Versäumnisse oder Fehler gab. Das wird Schalke unter Umständen beim Rückspiel „neutrale Supporter“ kosten und es kratzt am Bild des „sympathischen Malocher-Klubs aus dem Pott“. Natürlich werden die eingefleischten Schalke-Fans sagen, das sei alles so völlig legitim, jeder Verein hätte so gehandelt wie Schalke und sie werden da Unterstützer finden, wo man der Meinung ist, man dürfe den Sport „veranwalten“. Für mich hat das Vorgehen jedenfalls ein ziemliches „Geschmäckle“ und das in einer Richtung, die ich so unter Klubverantwortlichen nicht gerne sehe. Auf Augenhöhe unter den Klubverantwortlichen zu operieren geht nach meinem Verständnis ganz, ganz anders.

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