Fan-Gewalt: Schluss mit der Hysterie!

Deutschland diskutiert über Gewalt im Fußball. Politiker üben Druck auf die Verbände aus, die Fans fühlen sich gegängelt - der Debatte würde mehr Sachlichkeit gut tun.
Berlin. In der Debatte um Fan-Gewalt im deutschen Fußball hat Andreas Rettig in dieser Woche ein wichtiges Zeichen gesetzt. Beim „Fan-Gipfel“ in Berlin sprach sich der designierte Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) für einen Dialog zwischen Verbänden und Fans aus. Darüber hinaus erklärte er: „Es ist an der Zeit, verbal abzurüsten.“ Die Forderungen von Politikern zu schnellem Handeln der Verbände, Vereine und Polizei könne er nicht mehr hören, machte Rettig klar.

Rettig ist damit die Annäherung an die Fans geglückt, die sich zuletzt vor allem durch das von der DFL ausgearbeitete Sicherheitskonzept „Sicheres Stadionerlebnis“ gegängelt und dem Diktat der Verbände ausgesetzt fühlten. Das gesamte deutsche Fantum war unter Generalverdacht gestellt worden. Zu Unrecht!

Ausschreitungen wie zuletzt in Hannover und Dortmund dürfen zwar nicht ignoriert werden, und jeder Verletzte ist einer zu viel. Aber die seit Monaten herrschende Hysterie ist übertrieben. Es gibt bislang keine Studie oder Statistik, die belegt, dass Fan-Gewalt in der jüngeren Vergangenheit zugenommen hat. Entstanden ist der Eindruck dennoch – weil jede Meldung über Fehltritte von Fans aufgebauscht wird, Politiker daraufhin populistische Forderungen wie die Abschaffung von Stehplätzen stellen und die Polizei von einer „neuen Stufe der Gewalt“ spricht. Auch Medien und Verbände sind nicht unschuldig an dieser Panikmache.

Es ist Zeit für einen Wandel.

Während der Staat weiter alles dafür tun muss, um die Gewalttäter ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen, muss die gesamte Diskussion sachlicher geführt werden. An jedem Wochenende gibt es hunderttausende Fans, die ins Stadion gehen, weil sie ihren Verein unterstützen oder einfach nur Fußball schauen wollen. Nur eine winzige Minderheit sorgt für Ärger – bekommt aber eine riesige Aufmerksamkeit.

Verbände und Vereine müssen versuchen, die große Mehrheit der Anhänger mit ins Boot zu holen und mit ihnen Konzepte gegen Gewalt auszuarbeiten. Außerdem müssen sie darauf vertrauen, dass diese Mehrheit Selbstreinigungsprozesse in der Fankurve in Gang bringen kann und Gewalttäter ausgrenzt.

Vielleicht erweist sich das im Endeffekt sogar als einzige Lösungsmöglichkeit. Denn wer Fußballspiele besucht, hauptsächlich um gegnerische Fans zu verprügeln und Flaschen auf Polizisten zu werfen, der wird sich wohl kaum für einen Meinungsaustausch interessieren.

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