Hannover 96: Unnötiger Polizeieinsatz sorgt für Unmut

Man kann zu Pyrotechnik im Stadion stehen, wie man will - was Polizei und Verein allerdings am Sonntag in der AWD-Arena veranstaltet haben, ging weit über das Ziel hinaus.
Hannover. Verwundert blickten die Zuschauer in der AWD-Arena am Sonntag in Richtung Nordkurve: Da, wo normalerweise die Ultras der „Roten“ stehen, klaffte beim 2:1-Sieg von Hannover 96 über den FC Bayern München eine große Lücke.

Falsche Informationen

Was war geschehen? Vor dem Anpfiff hatten sich Polizei-Beamte in den Ultra-Block begeben und waren dort mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen die Anhänger vorgegangen. Der Grund: Laut Polizeisprecher lagen Informationen vor, denen zufolge die Fans in Fahnen versteckte Pyrotechnik ins Stadion geschmuggelt hatten - eine Fehlinformation, wie sich hinterher herausstellen sollte.

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„Berechtigter Verdacht“

Die Ultras sollen sich zuvor gewaltsam gegen Kontrollen durch die Ordner gewehrt haben, weswegen man von 96-Seite die Polizei um Hilfe gebeten hatte - wohl auch, weil es in den vorherigen Heimspielen Hannovers zum Einsatz von Pyrotechnik gekommen war. 96-Sprecher Alex Jacob sprach hinterher von einem „berechtigten Verdacht“, wie in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zu lesen ist.

Kinder und Frauen als Opfer?

Die Beamten beschlagnahmten anschließend mehrere Fahnen - gefunden wurde nichts. Die Fans berichteten hinterher von einem rigorosen Vorgehen der Polizisten, auch Frauen und Kinder seien mit Pfefferspray verletzt worden. So soll ein Elfjähriger Gesichtsverletzungen erlitten haben, eine Behandlung durch Sanitäter sei nötig gewesen. Weiter heißt es aus Fankreisen, dass mehrere Anhänger in ein Krankenhaus eingeliefert werden mussten.

Eigentor für 96

Aus Protest beschloss daraufhin eine Vielzahl der Ultras, ihre Transparente abzunehmen und das Stadion zu verlassen. Entsprechend leise war es zunächst in der Nordkurve, erst mit steigender Spieldauer wurde es angesichts der guten Leistung von 96 wieder lauter im Rund. „Wenn die Nordkurve leer ist, fehlt das Herzstück unserer Fangemeinschaft“, erklärte Hannovers Kapitän Steven Cherundolo nach der Partie gegenüber Goal.com. So produzierte diese unnötige und überflüssige Aktion viele Verlierer und keine Gewinner. Der Verein hat sich im Grunde ein Eigentor geschossen und dürfte es sich mit den eigenen Anhängern vorerst verscherzt haben - umso peinlicher, dass letztlich überhaupt keine Pyrotechnik geschmuggelt wurde.

Eure Meinung: Was sagt Ihr zum Verhalten von Verein und Polizei?

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