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Patrick Herrmann im Interview: "War extrem für den Kopf"


EXKLUSIV

In der 90. Minute erhebt sich das Stadion, die Fans klatschen und jubeln. Die Borussia führt 2:0 gegen den SC Freiburg, doch die Freude hat einen anderen Grund. An der Seitenlinie macht sich die Nummer sieben bereit, wieder auf den Platz zurückzukehren. Nach 91 Tagen Verletzungspause läuft Patrick Herrmann wieder auf dem Rasen des Borussia Parks und feiert einen Einstand aus dem Bilderbuch. 

Mit der Rückkehr des 26-Jährigen findet die Borussia auch ihren Siegeswillen wieder. Drei Siege in Folge im DFB-Pokal und der Bundesliga. Erst in der Europa League gegen den AC Florenz kassieren die Fohlen eine knappe 0:1-Pleite - am Donnerstag geht es im Rückspiel um die nächste Runde. Im exklusiven Interview mit Goal sprach Patrick Herrmann über die Chancen in Florenz, seinen langen Weg zurück auf den Platz und eine mögliche Rückkehr in die Nationalmannschaft. 

Anfang des Monats haben Sie Ihr Comeback gegeben – ein Traum-Comeback, wenn man so will. Wie war das Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen, mit der Mannschaft, vor den Fans und direkt wieder so loszulegen?

Patrick Herrmann: Es war traumhaft. Natürlich ist die erste Phase nach einer Verletzung immer schrecklich für einen Fußballer. Wenn es dann mit der Reha los geht und die ersten Erfolgserlebnisse kommen – einfach mal wieder gegen einen Ball treten, wieder laufen zu können - das ist etwas Tolles. Wenn man dann wieder reinkommt, endlich wieder in der Bundesliga spielen darf und dann auch noch so ein Tor macht, das ist ein riesiges Glücksgefühl.

Besser kann ein Einstand wahrscheinlich gar nicht laufen … Wie hat die Mannschaft Ihr Comeback aufgenommen und war es durch das Tor noch ein wenig spezieller?

Herrmann: Es war auf jeden Fall spezieller. Alle haben sich riesig für mich gefreut, das hat man beim Torjubel gemerkt. Alle wussten, wie schwierig die letzten eineinhalb Jahre für mich waren. Das hat extrem gut getan.

Nicht nur für Sie persönlich war es eine komplizierte Hinrunde. Im Winter wurde Andre Schubert entlassen und Dieter Hecking übernahm. Was macht der neue Trainer anders?

Herrmann: Ein neuer Coach bringt immer neuen Schwung in die Mannschaft. Das ist bei jedem Trainerwechsel so. Es kommen neue Sachen, auch wenn man manchmal nicht weiß, was der neue Trainer mitbringt, aber bis jetzt ist die Arbeit durchweg positiv. Er redet viel mit uns und er hat eine gute Spielphilosophie. Wir spielen wieder im 4-4-2,  stehen defensiv super sicherer und haben ein schnelles Umschaltspiel nach vorne. Das sind die Grundlagen, die er von uns erwartet und das setzen wir momentan auch sehr gut um. Das macht uns bislang in der Rückrunde so stark.

Nach drei Siegen in Folge gab es im Europa-League-Hinspiel gegen Florenz den ersten kleinen Rückschlag. Was erhofft man sich für das Rückspiel?

Herrmann: Keine Frage, wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wir haben im Hinspiel eigentlich schon ein super gutes Spiel  gemacht, nur die Tore haben natürlich gefehlt. Das sollte uns aber Mut geben, dass wir das Spiel dort gewinnen können. Wenn wir die Leistung aus dem Hinspiel abrufen können, dann haben wir eine Chance. Wir dürfen keinen Meter nachlassen. Das steht an erster Stelle.

Sie hatten ja bereits mehrere schwere Verletzungen. Ist es besonders schwierig, wenn man immer wieder gerade zu seiner Höchstform zurückgefunden hat und dann der Körper schlapp macht?  Wie sehr nimmt einen das persönlich mit?

Herrmann: Gerade am Anfang fällt man von 100 Prozent komplett runter. Ich habe damals in der Nationalmannschaft gespielt, zwei ganz ordentliche Spiele gemacht und mir kurz darauf dann das Kreuzband gerissen. Dann wieder mit der Reha anzufangen, ganz banale Übungen  zu machen - das ist nicht schön.

Kurz, nachdem Sie wieder fit waren, hat es Sie schon wieder erwischt …

Herrmann: Wenn man wieder fit ist, die ersten Einsätze bekommt, mit dem Knöchel umknickt und sich wieder schwer verletzt  - das war auch für den Kopf schon extrem. Man kämpft sich da aber mit kleinen Erfolgserlebnissen wieder heraus. Das erste Mal laufen gehen, das erste Mal gegen den Ball treten, das sind die positiven Dinge, die man versucht, mitzunehmen. Aber keine Frage, die letzten eineinhalb Jahre waren keine schöne Zeit für mich.

Sie sind bereits seit der Jugend Borusse. Bringt das noch einen kleinen Extraschub bei den Fans?

Herrmann: Es war eine riesige Anteilnahme, die ich nach der ersten und auch noch nach der zweiten Verletzung erfahren habe. Das bringt Hoffnung. Wenn man so viele Genesungswünsche bekommt und weiß, dass so viele Leute an einen denken, einem alles Gute wünschen, dann geht das alles noch ein wenig schneller rum.

Sie haben die zwei Länderspiele angesprochen. Wie sieht es mit  Kontakt zu Jogi Löw aus? Das Ziel ist ja sicherlich eine Rückkehr in die Nationalmannschaft …

Herrmann: Die zwei Spiele waren natürlich ein absolutes Highlight. Das war eine tolle Erfahrung und eine große Ehre, für Deutschland aufzulaufen und es wäre ein großartiges Erlebnis, wenn das nochmal irgendwann klappen würde. Aber da muss man abwarten. Erst einmal muss ich wieder bei der Borussia Leistung bringen. Wenn ich hier gut spiele, dann kommt das andere von ganz alleine. Und es ist wirklich noch ein weiter Weg bis dahin, vielleicht irgendwann wieder ins Blickfeld der Nationalmannschaft zu kommen.

Einen weiten Weg hat auch Ihr Teamkollege Lars Stindl hinter sich, der immer wieder mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wird. Wie sieht man das als Mannschaft? Redet man in der Kabine über mögliche Nominierungen?

Herrmann: Wir würden uns alle riesig für Lars freuen. Wir wissen, was für ein super Typ, was für ein großartiger Fußballer er ist und welche Leistungen er momentan für uns bringt. Als Kapitän ist er für uns unverzichtbar und es würde auch mich persönlich riesig freuen, wenngleich wir keinen Einfluss darauf haben. Wir müssen abwarten, aber vielleicht klappt es noch.