Roman Neustädter: „Michael Ballack kenne ich nur aus der Vergangenheit“

EXKLUSIV – In schöner Regelmäßigkeit lässt Gladbachs Roman Neustädter mit starken Vorstellungen aufhorchen. Wir trafen den Ex-Mainzer zum exklusiven Interview.
Mönchengladbach. Längst ist Roman Neustädter bei Borussia Mönchengladbach zum Schlüsselspieler geworden. Am Ex-Mainzer führt im zentralen Mittelfeld der „Fohlen“ längst kein Weg mehr vorbei. Cheftrainer Lucien Favre schätzt den 23-jährigen für seinen Mix aus Technik, Zweikampfstärke und der Fähigkeit, ein Spiel zu lesen (Bericht). Grund genug für Goal.com, Roman Neustädter zum exklusiven Interview zu bitten. Im ersten Teil steht der Rechtsfuß uns zu den Themen Nationalmannschaft, persönliche Entwicklung, Lucien Favre und Vertragsverlängerung Rede und Antwort.

Goal.com: Beginnen wir mit dem Thema, das in den vergangenen Tagen häufig in den Medien kursierte: Der ukrainische Verband hätte sie gerne in seiner Nationalmannschaft. Es war zu lesen, dass sie noch einen Pass benötigen. Wie ist da der Stand der Dinge?

Roman Neustädter: Richtig ist, dass mich der Teammanager der ukrainischen Nationalelf angerufen und mich gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, für die Ukraine zu spielen. Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Weiteren Kontakt gab es noch nicht, der Verband kümmert sich nun um alle Formalitäten, die zu erledigen sind, ehe ich einen Pass bekommen kann.

Goal.com: Ist es realistisch, dass sie schon am 11. November im Testspiel gegen Deutschland dabei sind?

Roman Neustädter:
Nein. Davon weiß ich nichts.

Goal.com: Mit Beginn der vergangenen Rückrunde sind sie in Mönchengladbach richtig durchgestartet und haben sich einen Stammplatz erkämpft. Woran hat es gelegen, dass es in den 18 Monaten zuvor nicht so gut lief?

Roman Neustädter: Ich kam damals aus der zweiten Liga von Mainz 05 und habe mich sehr unter Druck gesetzt. Dadurch bin ich verkrampft und habe nicht meine Leistung gebracht. Aber ich wollte mich immer wieder zeigen, im Trainings Gas geben und dem Trainer beweisen, dass ich da bin. Vor der Rückrunde habe ich eine gute Vorbereitung hingelegt und habe das dann in den Spielen bestätigt.


Jungspund Roman Neustädter nach dem geschafften Bundesliga-Aufstieg mit Mainz 05.

Goal.com: Und wo sehen sie persönlich bei sich noch Luft nach oben?

Roman Neustädter: Vor allem im Abschluss. Ich muss noch mehr Zug zum Tor entwickeln und mehr Gefahr ausstrahlen.

Goal.com: Bei Gladbach fällt unter Lucien Favre auf, dass weiterhin im 4-4-2 mit „Doppelsechs“ gespielt wird. Diese Grundordnung gab es auch unter dessen Vorgänger Michael Frontzeck. Woran liegt es, dass die Mannschaft nun defensiv ein ganz anderes Gesicht zeigt und nur noch ganz wenige Gegentreffer kassiert?

Roman Neustädter:
Wir sind einfach viel mehr selbst in Ballbesitz. Wenn der Gegner nicht den Ball hat, kann er schonmal kein Tor schießen. Bei Ballverlusten schalten wir mittlerweile sehr gut um und sehen zu, dass wir sofort alle Spieler hinter den Ball bekommen. Dann ist natürlich schwer, gegen uns ein Tor zu schießen. Wir versuchen die Außen schnell zuzustellen und die andere Mannschaft in die Mitte zu zwingen. Dazu kommt, dass einfach einer dem anderen hilft. Die Stürmer sind schnell hinten und keiner ist sich zu schade, für den anderen die Meter zu machen.


Ich glaube, die letzten Monate haben gezeigt, dass die Philosophie von Lucien Favre einfach besser zu uns passt.

- Roman Neustädter

Goal.com: Halten sie es für möglich, dass sich die Akribie und Detailversessenheit von Lucien Favre irgendwann abnutzt?

Roman Neustädter: Nein! Ich denke, Barcelona spielt auch seit Jahren denselben Fußball und da nutzt sich auch nichts ab. Wir versuchen einfach in jedem Training so gut wie möglich zu arbeiten und der Trainer bereitet uns gut auf die Spiele vor. Du hast jedes Wochenende ein Spiel vor ausverkauftem Stadion und willst immer gewinnen. Da nutzt sich nichts ab.

Goal.com: Wenn sie Michael Frontzeck und Lucien Favre vergleichen müssten, wo sehen sie die größten Unterschiede in der täglichen Arbeit?

Roman Neustädter: Das ist schwierig. Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie und ich glaube, dass die Ergebnisse in den letzten Monaten gezeigt haben, dass die Philosophie von Lucien Favre einfach besser zu uns passt.

Goal.com: Ihr Vertrag läuft im kommenden Sommer aus. Erste Gespräche über eine Verlängerung hat es bereits gegeben. Wie ist da die Tendenz und bis wann wollen sie Klarheit haben?

Roman Neustädter:
Ich konzentriere mich auf den Fußball und darauf, gut zu spielen und nicht auf irgendwelche Tendenzen. Mein Berater kümmert sich um den Rest.

Goal.com: Aber sie möchten gerne in Mönchengladbach bleiben?

Roman Neustädter:
Ja, wenn alles passt, gerne. Klar!

Goal.com: Und welcher Klub müsste anklopfen, damit sie ins Grübeln kommen? Gibt es einen Traumverein?

Roman Neustädter: Mein Traumverein ist im Moment Borussia Mönchengladbach.

Goal.com: Welches Saisonziel peilen sie an, nachdem es bislang so gut läuft?

Roman Neustädter: Wir peilen kein bestimmtes Ziel an. Jeden Tag in jeder Woche wollen wir hart arbeiten und unsere Spiele erfolgreich gestalten. Das ist das Wichtigste. Eine Platzierung geben wir nicht aus.


Neustädter feiert mit Mike Hanke den Auftaktsieg bei Rekordmeister Bayern München.

Goal.com: Ihr Ex-Trainer Jörn Andersen hat einmal gesagt, sie seien ein Typ „wie der junge Michael Ballack“. Sehen sie auch Ähnlichkeiten in den Anlagen?

Roman Neustädter (überlegt): Puh! Ich kenne Michael Ballack auch nur aus der Vergangenheit und weiß, welche Weltklasse-Leistungen er bei Chelsea oder bei Bayern gebracht hat. Vielleicht sind wir uns in der Körpergröße und dem Laufstil ähnlich. Ansonsten gibt es da nicht viel. Weil er mehr einer war, der in die Spitze gegangen ist und selbst den Abschluss gesucht hat. Ich mag es eher, das Spiel von hinten heraus zu machen.

Morgen lest Ihr im zweiten Teil unsere großen Interviews mit Roman Neustädter, wie er sich die Zeit nach dem Training vertreibt, warum Marco Reus auf der Playstation nicht unbesiegbar ist, wie sein Verhältnis zu Jürgen Klopp ist und warum er an Portos Hulk keine guten Erinnerungen hat.



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