Ingo Anderbrügge im EXKLUSIV-Interview: „Die Derbys standen immer unter Hochspannung“

18 Bundesliga-Derbys und drei Pokalspiele hatte Ingo Anderbrügge bei seiner Zeit auf Schalke miterlebt. Von 1984 bis 1988 spielte er im Borussentrikot, bevor er nach Schalke wechselte und dort in zwölf Jahren zu einer Kultfigur heranwuchs. Der Mann mit dem „linken Hammer“ erzählte Goal.com EXKLUSIV Einiges über die Rivalität, seinen damaligen Wechsel und für wen sein Herz schlägt.
Ein Interview von Erik RÖSSLER
 
Gelsenkirchen. Vor dem Revier-Klassiker sprach Goal.com EXKLUSIV mit einem, der weiß, wie es sich anfühlt, beim Derby aller Derbys zu stehen: Eurofighter Ingo Anderbrügge, der mit Schalke den UEFA-Cup gewann, aber auch für den BVB auflief.

Wie war es damals für Sie, als Sie von Dortmund nach Schalke gewechselt sind?

Ingo Anderbrügge: „Ich muss sagen, das war wirklich ein recht sanfter Übergang. Denn ich bin dann zu Schalke gewechselt und wir haben erst mal drei Jahre in der zweiten Liga gespielt. Aber als ganz junger Spieler zu wechseln und dann mit Schalke drei Jahre gegen Dortmund nicht zu spielen, ist das etwas anderes. Als man dann Erstligist war und die Wechsel von Andreas Möller zu Schalke oder anderes herum Rolf Rüssmann oder Jens Lehmann von Schalke zu Dortmund betrachtet, war die Aufregung unter den Fans eine ganz andere. Wäre ich während meines Zenits auf Schalke, mit 28 oder 30 Jahren gewechselt, hätte ein Wechsel größere Wellen geschlagen. Die Fans diskutieren derartige Dinge gerne und das ist auch gut so, denn es belebt den Fußball im Revier. Ich persönlich bin froh und stolz bei beiden Ruhrgebietsvereinen gespielt zu haben.“

Sie sind während Ihrer gesamten Fußballkarriere im Ruhrgebiet geblieben. Ein Zufall?

Ingo Anderbrügge: „Es gab mal Phasen, wo ich gedacht habe man müsste den Weg auch mal raus machen aus dem Ruhrgebiet. Nachdem ich damals die Möglichkeit bekam, von Dortmund nach Schalke zu gehen, war ich sicherlich froh erst mal hier zu bleiben. Dann war die Möglichkeit nach zwölf Jahren Schalke noch mal zu wechseln eher gering. Dazu kommt aber, dass ich mich während der ganzen Zeit auf Schalke sehr wohl gefühlt habe. Von Jahr zu Jahr wird man immer mehr Schalker, bekommt das Leben und die Besonderheit des Klubs mit. So wuchs die Zuneigung und ich sah keinen Grund mehr zu wechseln. Und gerade nach dem UEFA-Pokal Sieg 1997 und meinem positiven Image den ich auf Schalke habe wollte ich da nicht mehr weg.  Man gehört dazu und es ist wie eine Familie. Zudem wurde ich im Jahre 2000 zum Jahrhundertfußballer im Verein gewählt, eine Wahl von den Fans. Und an solchen Dingen sieht man, dass es nicht falsch war, bei diesem Verein zu bleiben. Um auf Schalke zwölf Jahre spielen zu können, braucht man in anderen Vereinen zwei Karrieren. Insbesondere dann dieses Image zu erlangen.“

Pflegen Sie noch alte Kontakte zu beiden Vereinen?

Ingo Anderbrügge: „Ich habe immer noch Kontakte zu Dortmund gerade im Jugendbereich. Zum Beispiel mit Michael Zorc besteht noch ein lockerer Kontakt. Natürlich ist die Verbindung zu Schalke viel intensiver.“


„Ich glaube, dass die Rivalität genauso vorhanden ist wie früher.“


Wie sehen Sie die Fan-Rivalität zwischen Dortmund und Schalke? Welche Veränderungen können Sie feststellen in dem Zeitraum der 80iger Jahre und heute?

Ingo Anderbrügge: „Ich glaube, dass die Rivalität genauso vorhanden ist wie früher. Was wirklich zu erkennen ist, dass es so gut wie keine Ausschreitungen während und nach den Spielen mehr gibt. Das hilft dem Fußball ungemein. Da spielen viele Faktoren wie der Ordnungsdienst, der wesentlich intensiver arbeitet, Fanbetreuer und auch die Fans selber eine Rolle. Alle wirken vernünftiger als früher. Es gibt sicherlich immer noch hier und da Auseinandersetzungen aber nicht in der Form vergangener Tage. Ebenso werden weniger Straßenbahnen, Busse und Züge an Spieltagen demoliert als in der Vergangenheit. Wie gesagt, ab und zu sieht auch ein paar Fäuste fliegen oder man ließt darüber, aber damals war das ziemlich extrem. Es ist alles ruhiger geworden und das Fanverhalten ist klüger. Die Rivalität ist weiterhin da aber auf besserem Niveau.“

In welcher Form zeigte sich die Rivalität auf dem Fußballfeld während eines Revierderbys?

Ingo Anderbrügge: „Die Derbys standen immer unter Hochspannung und man ging immer mit einer tollen Stimmung auf den Platz. Sicher waren sie heiß umkämpft aber niemals brutal.“

Welches war Ihr schönstes Erlebnis beim Revierderby?

Ingo Anderbrügge: „Das war das Derby 1997, dass ich mit 1:0 in der 86. Minute für Schalke entscheiden konnte. Das war wirklich ein Riesending. Auch erinnere ich mich noch gerne an das Rückspiel, wo wir in letzter Minute das 2:2 gemacht hatten. Da hatte unser Torwart Jens Lehmann das 2:2 geköpft. Alles in allem, sowohl im Westfalenstadion als auch im Parkstation, habe ich nur gute Erlebnisse gehabt. Immer wieder 10 Prozent mehr Gänsehaut und Motivation verspürt. Auch wenn es bei einem Derby nur drei Punkte gibt. Aber das sind Erlebnisse, die bleiben.“

Nun seid ihr an der Reihe, welches war euer bestes Revierderby? Erzählt uns eure positiven oder auch negativen Erinnerungen zum Ruhrpottschlager BVB gegen S04! Wie habt Ihr Ingo Anderbrügge in Erinnerung behalten?