Andre Schubert: Die perfekte Notlösung

Der 44-Jährige nutzt seine Zeit als Cheftrainer bei den Fohlen. Doch wer also ist der Mann, der Gladbach gerade aus der Krise führt?

Es ist gerade zehn Tage her, da brach in Gladbach eine Welt zusammen. Nach mehr als vier überaus erfolgreichen Jahren schmiss Lucien Favre bei der Borussia hin, ließ die Fohlen nach dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte im Stich. So zumindest empfanden es nicht wenige Fans. Die Tatsache, dass ihr geliebter Trainer seinen Rücktritt erzwungen hat, dass er offenbar keine Möglichkeit mehr sah, das Fußballmärchen um weitere Kapitel zu erweitern, schmerzte noch weit mehr als die fünfte Pflichtspiel-Pleite in Serie.

Tipico

Zeit für die Suche eines geeigneten Nachfolgers blieb nicht. Schließlich ist die Saison in vollem Gange, eine englische Woche stand bevor. Während in den Medien Co-Trainer Frank Geideck als Nachfolge-Kandidat Nummer eins gehandelt worden war, setzte Max Eberl auf Andre Schubert. Und das war gar nicht so überraschend, wie es vielleicht zunächst den Anschein hatte.

Bereitete Gladbach den Favre-Abgang vor?

Es könnte sogar sein, dass sich Gladbach genau diesen Plan im Sommer zurechtgelegt hat, dass Eberl für den Fall eines Favre-Abgangs vorsorgte. Als Sven Demandt die U23 verließ und bei Wehen Wiesbaden anheuerte, gehörte Erfahrung im Profibereich zum Anforderungsprofil seines Nachfolgers. Auch deshalb fiel die Wahl auf Schubert.

Eine Entscheidung, die sich schon jetzt ausgezahlt hat. Mit zwei Siegen aus zwei Spielen entpuppte sich Schubert kurzfristig als perfekte Notlösung. Dabei war der 44-Jährige für viele ein unbeschriebenes Blatt. Wer also ist der Mann, der Gladbach gerade aus der Krise führt?

Andre Schubert wurde in Kassel geboren, studierte Sport und Germanistik. Als er im Jahr 2000 als Spieler zum KSV Baunatal wechselte, übernahm er parallel die Jobs als Jugendkoordinator und A-Jugendtrainer.

Jahrgangsbester, Nachwuchskoordinator, Aufsteiger

Von 2002 bis 2006 arbeitete er beim DFB als Stützpunktkoordinator für Nordhessen. Während seiner Ausbildung zum Fußballlehrer, die er als Jahrgangsbester abschloss, hospitierte Schubert unter anderem beim FC Bayern, dem HSV und Schalke 04.

Im März 2006 wurde der frühere Mittelfeldspieler Nachwuchskoordinator beim SC Paderborn. Zudem übernahm er das Training der zweiten Mannschaft. Im April 2009 löste er dann Christian Schreier als Sportlichen Leiter ab, im Mai übernahm er außerdem das Traineramt von Pawel Dotschew und führte den Verein mir vier Siegen in der 3. Liga und in den Relegationsspielen gegen den VfL Osnabrück zum Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Über den FC St. Pauli, für den Schubert bis September 2011 knapp 15 Monate als Cheftrainer arbeitete, Hessen Kassel (Sport-Vorstand) und die deutsche U15-Nationalmannschaft (Trainer) landete er in Gladbach.

Motivator und Psychologe

Und dort weiß Schubert nun zu überzeugen. Große taktische Veränderungen hat er nicht vorgenommen, dafür wäre ohnehin keine Zeit gewesen. Stattdessen bewies Schubert Qualitäten als Motivator, als Psychologe. Er sprach den verunsicherten Spielern Mut zu. Er kitzelte, kritisierte und rüttelte wach. Mit Erfolg.

Eberl schwärmte zuletzt: "Wir haben sechs Punkte in einer Woche gemacht. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Andre trifft den Nerv der Spieler". Und die sollen weiterhin das Tor treffen - wie zuletzt gegen Stuttgart (3:2) und Augsburg (4:2). Am Mittwochabend ist Manchester City im Borussia-Park zu Gast (20.45 Uhr im LIVE-TICKER). Schon im Vorfeld der Partie war das wiedergewonnenene Selbstbewusstsein der Gladbacher zu spüren. "City", sagte Schubert auf der Pressekonferenz am Dienstag, "ist eine sehr gute Mannschaft, aber kein übermächtiger Gegner. Wir erstarren nicht in Ehrfurcht."

Schubert bleibt gelassen. Auch vor seiner Premiere in Europas renommiertesten Klub-Wettbewerb, er macht seiner Mannschaft weiter Mut. "Das Team hat die Teilnahme an der Champions League nicht auf dem Jahrmarkt gewonnen. Sie gehört zu den besten Mannschaften", betonte er. Schubert scheint es in der Kürze der Zeit tatsächlich geschafft zu haben, den Spielern ihre "Ängste" (Eberl) zu nehmen. Und den Glauben an sich selbst zurückzugeben. 

Chefcoach mit Verfallsdatum

Trotzdem wird es voraussichtlich bei einer Überganglösung bleiben. "Wir sind momentan auf der Suche nach einem neuen Trainer", bekräftigte Eberl am Wochenende gegenüber Sky, auch wenn er gleichzeitig betonte, dass Schubert "einen fantastischen Job" macht.

Doch selbst wenn sein Ausflug zu den Profis schon in naher Zukunft enden sollte, es bliebe ihm die Gewissheit, die perfekte Notlösung gewesen zu sein. Ein am Boden liegendes Borussia Mönchengladbach wieder mit Leben gefüllt zu haben.