Ein Youngster in aller Munde: Das ist Dortmunds Supertalent Felix Passlack

Wie aus dem Nichts tauchte ein gewisser Felix Passlack im Trainingslager von Borussia Dortmund auf. Der 16-jährige gilt als große Hoffnung für die Rechtsverteidiger-Position.
Plötzlich stand er in La Manga im Teamhotel von Borussia Dortmund. Etwas schüchtern noch, vielleicht etwas verlegen. Doch das änderte sich schnell: Felix Passlack gewöhnte sich an den Rummel bei den Profis und rechtfertigte seine Teilnahme am Trainingslager mit engagierten Auftritten in den Trainings- und  Testspielen. Er ist schon jetzt eine der Entdeckungen dieser Winterpause.

Passlack ist erst 16 Jahre alt, beweist aber für sein Alter bereits eine erstaunliche Reife. In der laufenden Saison spielt er in der U17, dort ist er Kapitän und Leistungsträger. Beim DFB ist er Junioren-Nationalspieler und auch bei den Profis hat er sich nun eingefunden. Experten sehen in ihm das größte Talent bei den Schwarz-Gelben der vergangenen Jahre.

"Wir haben sein erstes Testspiel mit dem BVB gesehen. Da hat er sich genauso verhalten wie bei uns. Er hat den Mund aufgemacht, hat sogar die Mitspieler gecoacht. Das zeichnet ihn aus. Der Erfolg geht über alles und dazu gehört auch, dass man in diesem Alter schon sagt, dass der 30-Jährige fünf Meter weiter nach links muss. Das macht er und das ist eine Charaktereigenschaft, die ihn auszeichnet", erläutert DFB-U17-Trainer Christian Wück gegenüber Goal.
Tipico
Ricken will ihm "keinen Rucksack aufsetzen"

Beim BVB hält man sich noch etwas bedeckt, möchte dem aufstrebenden Jungen keine zu großen Erwartungen aufbürden. Seit Jahren ist der Revierklub darauf bedacht, seine Eigengewächse behutsam aufzubauen und langsam auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten. So war es bei Mario Götze, aber auch bei Erik Durm oder Marcel Schmelzer.

Lars Ricken, einst Champions-League-Sieger und mittlerweile Nachwuchskoordinator in Dortmund, erläutert exklusiv im Gespräch mit Goal: "Wichtig ist, dass wir ihm keinen Rucksack aufsetzen. Wir haben noch die schulische Ausbildung und deshalb muss man immer gucken, wie man den Fußball damit verbinden kann. Aber alle, und Felix vorneweg, können den Augenblick genießen, dass er gerade mit den Profis trainiert."

Den Moment genießt sicherlich auch Passlack selbst. Immer wieder huschte ihm in Spanien bei den Einheiten mit den Profis ein Lächeln über das Gesicht.


          Felix Passlack gab sein Debüt bei den Profis im Testspiel gegen den FC Sion und überzeugte

Seit inzwischen zweieinhalb Jahren kickt er für die Jugendmannschaften von Borussia Dortmund - nun deutet sich der nächste Karrieresprung an. Ex-Kapitän Sebastian Kehl ist jedenfalls begeistert: "Felix macht seine Sache hervorragend. Er fügt sich richtig gut ein, ist frech auf dem Platz. Und läuft meist mit einem breiten Grinsen rum."

Seine ersten fußballerischen Schritte absolvierte er bei Fortuna Bottrop, ehe er 2010 zu Rot-Weiß Oberhausen wechselte. Dort entdeckten ihn Scouts vom BVB. Ricken erinnert sich: "Wir haben Felix eingeladen, um die handelnden Personen beim BVB und das Trainingsgelände kennenzulernen. Ihm hat es sehr gut in Dortmund gefallen und er hat dann zugesagt. Ab der ersten Trainingseinheit konnte man sehen, dass es eine gute Entscheidung war."

Spontane Entscheidung
Expertenmeinung
Malte Dürr von schwatzgelb.de

"Felix Passlack ist in der U17 der überragende Spieler. Er war früher Rechtsverteidiger und wurde dann vorgezogen. Er ist sehr schnell und offensiv variabel. Hinten ist er etwas verschenkt. Taktisch muss er vielleicht noch etwas dazu lernen. Er ist kommunikativ - auch mit Fans in den sozialen Netzwerken. Er ist ein positiv Verrückter und lebt für den Sport. Im Jugendbereich beim BVB ist er das größte Talent. Jetzt ist die Frage, ob er mental mit der Situation klarkommt. Das Potenzial zum Bundesligaspieler hat er auf jeden Fall."

Schon vor dem Trainingslager mit der Borussia kannte sich Passlack in La Manga aus. Dort absolvierte er mit Deutschlands U17 passenderweise einen Lehrgang. Trainer Wück schwärmt: "Felix ist sehr weit für sein Alter und lebt Führungskompetenzen aus. Er spricht sehr viel auf dem Platz, korrigiert und organisiert seine Mitspieler."

Er wechselte dann direkt vom Lehrgang mit den DFB-Junioren in das Dortmunder Camp, praktisch von der einen auf die andere Straßenseite. "Für einen 16-jährigen Spieler ist es natürlich ein Hammer, wenn er bei den Profis auf einmal mit Marco Reus oder Mats Hummels zusammenspielt", so Wück.

Laut Ricken liebäugelte der BVB schon länger damit, Passlack die Möglichkeit zu bieten, bei den Großen mitzutrainieren. Aufgrund der Ausfälle im Team wurde diese Option bereits jetzt gezogen.

"Bei ihm kann man wunderbar sehen, was man schaffen kann, wenn man auf der einen Seite das Talent hat und auf der anderen Seite die Bereitschaft mitbringt, sich zu verbessern. Wir bieten den Jungs viel, die müssen das aber auch annehmen. In den letzten Jahren hat er große Fortschritte im technischen und taktischen Bereich gemacht. Er ist von der Position her auch noch nicht festgelegt. Das schaffst du nur, wenn du die Mentalität mitbringst", sagt Ricken, der noch mehr Potenzial in der eigenen Jugend schlummern sieht: "Felix ist einer von vielen Jungs, bei denen wir das Potenzial sehen, bei uns Bundesligaspieler zu werden."


           Felix Passlack hat seine Zukunft fest im Blick: Das DFB-Team lockt bei stetiger Entwicklung

Seine Stärken hat Passlack nicht nur als Anführer, sondern auch in der Offensivbewegung. Ihn zeichnen ein gutes Passspiel und seine Ballsicherheit aus. Zwei Attribute, die immer wichtig sind - besonders für Flügelspieler. Als er 2014 mit dem Klub deutscher Jugendmeister wurde, spielte er etwa als Rechtsverteidiger.

In dieser Saison lässt Hannes Wolf ihn weiter vorne auftreten. Eine Entscheidung, die DFB-Trainer Wück nachvollziehen kann: "Beim BVB wurde er als Außenverteidiger durch seine Vorstöße häufig in Manndeckung genommen, deshalb wurde er etwas vorgezogen." Dort überläuft er regelmäßig seine Gegenspieler und spielt seine Schnelligkeit aus. Noch versucht er allerdings zu häufig, auf eigene Faust den Torabschluss zu suchen.

Keine festen Vorgaben

"Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir die Spieler im Jugendbereich auf keine Position festlegen wollen. Wir versuchen, die Jungs sehr umfassend auszubilden. Es kann aber durchaus auf die Rechtsverteidiger-Position hinauslaufen. Aktuell spielt er auf der Zehnerposition, weil wir glauben, dass es seiner Entwicklung momentan am besten hilft", erklärt Ricken die Philosophie in Dortmund.

Geht es nach Wück und dem BVB, ist Passlack langfristig auf der defensiven rechten Außenbahn perfekt aufgehoben: "Jeder weiß, dass wir auf den Außenverteidiger-Positionen in Deutschland Probleme haben. Er spielt auf der Position und wird über kurz oder lang auch in Dortmund - ob offensiv oder defensiv - dort gesehen. Deshalb ist er ein Spieler, den wir beim DFB als Top-Talent fördern wollen, weil wir bei den Außenverteidigern auf Dauer Bedarf sehen."

Bei allem Talent hat der hochbegabte Teenager aus BVB-Sicht aber auch einen markanten Schönheitsfehler: Passlack ist ausgerechnet Fan vom ungeliebten Reviernachbarn Schalke 04.

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