Karl-Heinz Riedle: „Up in the Air“ und ab nach Italien

Der Name „Riedle“ steht für den Gewinn der Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul, den Weltmeisterschaftstitel 1990, den Dortmunder Champions League-Erfolg von 1997 und für noch viele weitere große Triumphe. Karl-Heinz Riedle hat sich weltweit einen großen Namen gemacht. Goal.com stellt Euch in drei Teilen die Karriere von „Air“ Riedle genauer vor. Im ersten Teil geht es um den rasanten Aufstieg des heute 44-Jährigen.
Bremen. Der Bundesligaaufsteiger Blau-Weiß 90 Berlin war die erste Station von Karl-Heinz Riedle im deutschen Fußball-Oberhaus. Und direkt am 1. Spieltag der Saison 1986/87 kam der damals 20-Jährige zu seinem ersten Einsatz in der höchsten deutschen Spielklasse und erzielte bei der 1:4-Niederlage sogar gleich seinen ersten Treffer. Von einem Traumeinstand in eine große Profikarriere konnte man also schon damals sprechen…

Drei Jahre beim FC Augsburg

Doch bevor es für „Air“ Riedle, so sein späterer Spitzname, in höhere Dimensionen ging, musste er sich erst einmal den Weg zu Blau-Weiß 90 Berlin erarbeiten und erkämpfen. Er begann 1974 mit dem Fußballspielen bei seinem Heimatverein TSV Ellhofen, bevor er 1983, über den SV Weiler, zum FC Augsburg ging. In der damaligen Bayernliga sollte sich der damals 17-Jährige für größere Aufgaben empfehlen. Drei Jahre lang spielte Riedle in Augsburg, den vor allem die gute Jugendarbeit des Vereins zu diesem Schritt bekräftigte.

Blau-Weiß 90 Berlin holt sich das Talent

In der Spielzeit 1985/86 trug sich das junge Talent gleich 22 Mal in die Torschützenliste ein. Ein Wert, der nicht nur dazu führte, dass er in die deutsche U-21-Nationalmannschaft berufen wurde, sondern auch, dass der damalige Zweitligist Blau-Weiß 90 Berlin auf den torgefährlichen Angreifer aufmerksam wurde. Die Berliner machten den Aufstieg in die Bundesliga perfekt, Riedle wechselte und spielte fortan erstklassig.



Rehhagel lockt Riedle nach Bremen

Eine Saison stand Karl-Heinz Riedle bei Blau-Weiß 90 Berlin unter Vertrag. Der Verein aus Berlin-Mariendorf konnte sich nur knapp zwölf Monate in der Bundesliga halten, Riedle aber hinterließ einen bleibenden Eindruck und wurde vom damaligen Werder-Coach Otto Rehhagel nach Bremen gelockt. Ab dem Sommer 1987 stand Riedle an der Weser auf dem Trainingsplatz, wo er es auf Anhieb in die erste Elf schaffte.

„Werder Bremen ist ein sensationeller Club, wo man speziell auch als junger Spieler reifen kann. Für mich war Bremen die Station, wo ich sicherlich am meisten gelernt habe - natürlich auch, dank unserem damaligen Trainer Otto Rehhagel, der mich geformt und gefördert hat“, erzählt der heute 44-Jährige im exklusiven Interview mit Goal.com.

„Up in the Air“

Der raketenhafte Aufstieg von „Air“ Riedle kann beginnen. In seinem ersten grün-weißen Jahr trifft Riedle gleich 18 Mal in 33 Saisonspielen, er legt den Grundstein dafür, dass sich Werder Bremen am Saisonende die deutsche Meisterschaft sichern kann. Obwohl Karl-Heinz Riedle nur 1,79 Meter groß ist, überragt er seine Gegenspieler mit seiner enormen Sprungkraft und gilt als einer der kopfballstärksten Spieler aller Zeiten – der Spitzname „Air Riedle“ ist die logische Konsequenz.

Insgesamt drei Jahre stand Karl-Heinz Riedle bei Werder Bremen unter Vertrag. In dieser Zeit kam es zu gleich mehreren hochklassigen Partien. Zu zwei der besten Spiele der Werder-Vereinsgeschichte zählt auch die Partie zwischen Bremen und dem SSC Neapel aus der UEFA-Cup-Saison 1989/90. Das Team um Superstar Diego Maradona wurde mit 3:2 und mit 5:1 besiegt. Ein gewisser Karl-Heinz Riedle traf in beiden Spielen zusammen drei Mal. Für ihn und für die gesamte Mannschaft war diese Leistung etwas ganz Besonderes, für Riedle war es aber auch eines seiner letzten Spiele in seiner Bremer Abschiedssaison…



Das doppelte Italien-Abenteuer

Der damals 24-Jährige entschied sich zu einem ganz persönlichen Italien-Abenteuer. Nachdem Riedle bereits 1988 in die deutsche Nationalmannschaft berufen wurde und im selben Jahr die Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in Seoul gewann, war er auch im Sommer 1990 beim letzten großen Triumph des deutschen Fußballs dabei. In Italien feierte er gemeinsam mit der deutschen Auswahl den WM-Titel.

Eine Szene, wenn nicht sogar die Szene des Turniers, war die Spuckaffäre im Achtelfinale zwischen Frank Rijkaard und Rudi Völler. Beide Spieler sahen im Prestigeduell zwischen den Niederlanden und Deutschland die Rote Karte - Karl-Heinz Riedle war der große Profiteur, denn hinter Jürgen Klinsmann und Rudi Völler war er nur Stürmer Nummer drei. Völler fehlte gesperrt und Riedle machte im Viertelfinale des Turniers sein erstes WM-Spiel von Beginn an. Eine Runde später verwandelte er im Elfmeterschießen gegen England sogar den vorletzten deutschen Schuss – Deutschland kam ins Finale und Riedle hob den Pokal in den Nachthimmel von Rom.

Der Sternenhimmel über Rom

Die Sommernacht von Rom sollte er fortan nicht so schnell vergessen und den Sternenhimmel über der italienischen Hauptstadt bekam er in den folgenden drei Jahren noch öfters zu sehen. Im Sommer 1990 wurde „Air“ Riedle nicht nur Weltmeister, sondern entschied sich auch zu einem Wechsel nach Italien. Für die damalige Rekordablösesumme von knapp 13 Millionen DM zog es Riedle zu Lazio Rom. Noch nie wurde für einen deutschen Spieler so viel Geld bezahlt. 1992 erreichte er mit Lazio Rom Platz fünf in der Liga – es war die beste Platzierung seit 1978.

„Zum damaligen Zeitpunkt war es die absolut richtige Entscheidung. Es war für mich nochmals ein großer Schritt nach vorne. Ich hatte in Rom eine super Zeit. Ich hatte zwar ein paar Angebote aus Italien vorliegen, aber das von Lazio war einfach das Beste“, sagt Riedle knapp 20 Jahre später in einem Interview mit Goal.com.

MORGEN FRÜH AUF GOAL.COM: DAS EXKLUSIVE INTERVIEW MIT KARL-HEINZ RIEDLE. AUßERDEM: TEIL ZWEI SEINER KARRIERE!