Jens Wissing – das neue „Fohlen“, das fast die halbe Bundesliga jagte

Die Liste der Interessenten war groß, egal ob aus der ersten oder zweiten Bundesliga. Jens Wissing war wohl Deutschlands begehrtestes Talent, das noch unterklassig spielt. Der 22-Jährige von Regionalligist Preußen Münster hat eine beeindruckende Entwicklung genommen und wird ab Sommer für Borussia Mönchengladbach auflaufen. Goal.com konnte bereits vor vier Monaten exklusiv mit dem Linksfuß sprechen und hat dabei einiges erfahren.
Münster. Im April 2007 gab Jens Wissing sein Debüt in der ersten Mannschaft von Preußen Münster. Seitdem sind über zwei Jahre vergangen und es steht offenbar der nächste Karriereschritt bevor. In seinen knapp 50 Spielen in der Regionalliga und seinen 35 Partien in der Oberliga hat sich der Linksverteidiger beachtlich weiterentwickelt. Im Sommer 2010 läuft sein Vertrag in Münster aus und schon seit Monaten war die Liste der Interessenten erstaunlich lang. Fast an jedem Spieltag kündigen sich Scouts der Bundesligisten aus der ersten und zweiten Liga an.

Die halbe Bundesliga jagte ihn, die „Fohlen“ bekamen den Zuschlag

Beim derzeitigen Tabellenvierten hatte der gebürtige Gronauer bis zum 19. Spieltag als einziger Spieler noch keine Minute auf dem Feld verpasst. Der zweikampfstarke Abwehrspieler hat sogar schon einen Treffer erzielt und zwei Torvorlagen geleistet. Der Youngster hat sich mit seinen starken Leistungen längst für größere Aufgaben empfohlen. Nicht ohne Grund wurde die Liste seiner Interessenten schon vor Weihnachten lang und länger: Hannover 96, Borussia Dortmund, der FC Schalke 04, der VfL Bochum, Borussia Mönchengladbach, der 1. FC Nürnberg, der MSV Duisburg, Greuther Fürth und die Arminia aus Bielefeld hatten allesamt schon ihre Fühler nach dem 22-Jährigen ausgestreckt.

Mittlerweile ist seine Zukunftsentscheidung gefallen: Wissing wird seinen auslaufenden Kontrakt nicht verlängert und wird ab dem Sommer für Borussia Mönchengladbach auflaufen. Wissing hat einen Zwei-Jahresvertrag bis 2012 im Borussia-Park unterschrieben. „Er ist ein junger Spieler mit Perspektive, dem wir den Sprung in den Profifußball absolut zutrauen“, äußerte sich Gladbachs Sportdirektor Max Eberl hocherfreut nach dem Abschluss des Deals.

Zweikampfstark mit großem Ehrgeiz

In der Jugend spielte Wissing bereits beim FC Schalke 04 – von dort ging es im Sommer 2004 nach Münster. Der 1,85 Meter große Verteidiger hatte auch schon im Ausland für Schlagzeilen gesorgt, denn auch Englands Ex-Nationalcoach Steve McClaren, jetzt bei Twente Enschede auf der Trainerbank, soll sich nach ihm erkundigt haben. „Für mich geht es bei jedem Spiel nur darum, dass wir drei Punkte einfahren und dafür gebe ich immer 100 Prozent“, ließ sich Wissing von den wöchentlichen Besuchen der Scouts nicht aus der Ruhe bringen. Aus Beobachtungen ist zu hören, dass Wissing ein zweikampfstarker Spieler mit einer sehr guten Schnelligkeit sei. Der hoch talentierte 22-Jährige besticht mit seinem jungen Alter vor allem durch seinen Willen, seinen Ehrgeiz und seiner Disziplin.

Der Linksfuß sagte in einem Interview mit Goal.com über sich selbst: „Meine Stärken sehe ich schon mehr in der Defensive, insbesondere mein Zweikampfverhalten und mein Stellungsspiel. Die Schwächen liegen nach wie vor in den Aktionen nach vorne, wie das eins gegen eins, wobei ich mich da auch schon wesentlich verbessert habe.“

Erinnerungen an Christoph Metzelder

Eigenschaften und Entwicklungen, die an einen prominenten Spieler, der sich über Preußen Münster für die Bundesliga empfahl, erinnern: Christoph Metzelder, auch er spielte in der Jugend vom FC Schalke 04 und empfahl sich über Münster für einen höherklassigen Klub. Es ging in die Bundesliga zu Borussia Dortmund – später wurde er Nationalspieler und steht heute bei Real Madrid unter Vertrag. „Seine Entwicklung ist auf jeden Fall beispielhaft für viele junge Spieler, aber Christoph Metzelder war für mich jetzt nicht unbedingt ein Vorbild“, so Wissing auf die Frage, ob Metzelder mit seiner Karriereentwicklung vielleicht ein Stück weit auch ein Vorbild für ihn sei.

Führungsspieler, der Verantwortung übernimmt

Den Nachweis über seine Bundesliga-Eignung brachte der Linksverteidiger bereits in zwei DFB-Pokalspielen. 2008 und 2009 musste er sich mit Preußen Münster erst nach einem harten Kampf gegen die Bundesligisten aus Bochum und Berlin geschlagen geben. Der 22-Jährige hat eine beeindruckende Entwicklung genommen und ist bereits schon jetzt ein absoluter Leistungsträger in seiner Mannschaft. Der Linksfuß hat das Vertrauen in seine Person mit Leistung zurückgezahlt. Er selbst sieht sich bereits als „Führungsspieler“, sagte er vor knapp vier Monaten, „auch wenn ich erst 21 bin“. Wissing will „immer mehr Verantwortung“ übernehmen – vielleicht auch bald schon in der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach.

Eure Meinung: Was haltet ihr von dem Spieler und was erwartet ihr von ihm?