thumbnail Hallo,

Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im BORUSSIA-PARK, was geht ab? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Möglicherweise habe ich ein intellektuelles Problem, aber ich muss zugeben, dass ich die Vorgehensweise des von mir durchaus geschätzten Lucien Favre nicht begriffen habe. Borussia Mönchengladbach steht ohne Frage rein tabellarisch gesehen hervorragend da. Vielmehr noch: Die Fohlenelf liegt vor dem letzten Saisonviertel genau im Plan und hat sich mit Platz sieben eine Ausgangsposition gesichert, die viele Anhänger zum Träumen veranlasst, andere gar euphorisiert. Aber wie haben wir uns diese Ausgangslage überhaupt erschaffen? Genau das will mir nicht in den Kopf.

Der Kader passt nicht zum System

Grundsätzlich ist es doch so: Der von mir namentlich nicht mehr genannten weggebrochenen Achse folgten Neuzugänge, die der Borussia schwindelerregende Transferausgaben abverlangten. Favre wurde nach einer spitzen Saison medial in den Himmel gehoben, die Borussenfans lagen ihm zu Füßen und wehrten sich ob des möglichen Ausbleibens seiner Vertragsverlängerung verzweifelt gegen aufkommende Verlustängste. Aber alles wurde gut. Favre goutierte das hinzugewonnene Personal anscheinend und blieb der Borussia bis heute treu. Doch nun sind 26. Spieltage ins Land gezogen und die Integration der Neuzugänge, die Umstellung auf ein neues System oder kurzum: Die Entwicklung einer Spielphilosophie, die der Beschaffenheit des Kaders in der aktuellen Saison genüge trägt, ist für mich nicht erkennbar.

Da hilft mir auch nicht, dass die Mannschaft angeblich so gescheit ist und sogar während eines Spiels vom 4-4-2 auf ein 4-1-4-1-System umstellen kann. Die Änderung ist minimal, der Erfolg blieb aus.

Borussia beim Training: Welches System erklärt Lucien Favre?

Kommunikationsprobleme?

Ich schätze die ruhige und akribische Art von Max Eberl. Er verdient sich seit seiner Inthronisierung als Sportdirektor das ein oder andere Fleißkärtchen und zeigt gerade bei Transferverhandlungen ein geschicktes Händchen. Mit diesem Wissen setze ich voraus, dass auch die interne Kommunikation zwischen unserem Manager und Trainer Favre stimmt, der sich ja wiederum vor allem deshalb für die Fortsetzung seiner Arbeit im BORUSSIA-PARK entschieden hat, weil er mit der Transferpolitik zufrieden und eng in diesen Prozess eingebunden war. Anders lässt sich für mich die Ausdehnung seines Arbeitspapiers jedenfalls nicht erklären.

Stillstand

Doch was hat sich seit Saisonbeginn getan? Außer einer deutlichen Verbesserung bei eigenen Standards, die auf kontinuierliches Training derselben zurückzuführen ist, lässt sich kaum eine signifikante Änderung der Taktik feststellen. Das Spiel ist langsamer geworden, die Ballbesitzquote hat abgenommen, Abspielfehler häufen sich und vom überfallartigen Umschaltspiel aus der Vorsaison ist nichts mehr zu sehen. Die Leichtigkeit ist gewichen, stattdessen murkst man sich zum Sieg, was am sturen Beibehalten des alten Systems liegt. Dabei scheint mir Favres Handeln nicht planvoll zu sein. Rupp, Ring, Cigerci, Xhaka – alle Spieler wurden raus und wieder rein rotiert, bekleideten zudem unterschiedlichste Positionen. Und das kann es ja wohl nicht sein.

Freiburgs Max Kruse: Gladbachs neuer Hoffnungsträger?

Kann Borussias Coach nur ein System? Mit der sich anbahnenden Verpflichtung des Freiburger Shootingstars Max Kruse scheint dieser Beweis nun vollbracht.  Nachdem Patrick Herrmann trotz seiner jüngst erfolgten Nationalelfnominierung nicht die Klasse von Reus zu besitzen scheint und Amin Younes erst spät in der Saison eine Chance erhielt, heißt es nun: der Nächste bitte! Deshalb bleibt uns allen nur die Hoffnung, dass der Kruse-Deal klappt, dieser sich schnell integriert und den nötigen Pfeffer in die Offensivaktionen der Fohlenelf bringt. Für den weiteren Verlauf dieser Spielzeit wäre es wünschenswert, wenn man sich irgendwie Richtung internationale Plätze wurschtelt, vielleicht auch, weil dem einen oder anderen Kontrahenten auf der Zielgeraden die Puste ausgeht.

Hoffen auf Kruse und den zweiten Sieg in Folge

Versteht mich nicht falsch, das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau, aber wenn man bedenkt, was das Gros dieser Mannschaft im Vorjahr zu leisten vermochte, dann bleibt aktuell eben die ein oder andere Frage offen. Und genau deshalb freue ich mich auf Max Kruse und jammere in der nächsten Saison gerne auf noch höherem Niveau. Der SC Freiburg tut mir leid und Trainer Christian Streich spricht zu Recht davon, dass seine Spieler von den Beratern wie auf dem Viehmarkt angeboten werden. Aber wenn die Verhandlungen von Max Eberl im Vorfeld der Partie im Breisgau dazu geführt haben sollten, dass es beim Gegner hier und da an Konzentration fehlen wird und die Borussia zum ersten Mal in dieser Saison zwei Siege hintereinander einfahren kann, dann hätte ich nichts dagegen. Da bin ich Egoist.

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

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