Zinedine Zidane bei Real Madrid: Eine Entscheidung für das perfekte Denkmal

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Nach seinem dritten CL-Triumph in Folge gab Zinedine Zidane nun seinen Rücktritt bekannt. Er wird lange unerreicht bleiben, womöglich für immer.


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Es kam aus heiterem Himmel. Am Donnerstagmittag berief Real Madrid um 11.50 Uhr kurzerhand für 13 Uhr eine Pressekonferenz ein. Dort sollten sich dann die schlimmsten Befürchtungen der Fans bestätigen: Trainer Zinedine Zidane tritt trotz Vertrages bis 2020 von seinem Amt zurück.

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Der Franzose erklärte: "Ich habe die Entscheidung getroffen, nicht mehr als Trainer von Real Madrid weiterzumachen. Es ist ein schwieriger Moment, aber die Mannschaft braucht einen Wechsel, um weiter siegreich zu bleiben. Das Team benötigt eine neue Ansprache, eine andere methodische Arbeit. Deshalb habe ich die Entscheidung so getroffen." Für ihn sei es schlicht an der Zeit gewesen, einen Wechsel zu vollziehen, so Zidane weiter. 

"Er braucht eine Pause und die hat er sich auch verdient", meinte indes Präsident Florentino Perez. Zidanes Entscheidung, zurückzutreten, war auch eine für ein gänzlich unbeflecktes Denkmal.

Zinedine Zidane stand bei Real Madrid auch in der Kritik

Als Spieler fiel Zidane nicht selten durch sein hitziges Gemüt auf, im WM-Finale 2006 gipfelte seine Unbeherrschtheit in seinem Kopfstoß gegen Marco Materazzi. Abseits des Platzes dagegen traf Zidane seine Entscheidungen stets mit Intelligenz und Weitsicht. Als Aktiver wechselte er zum richtigen Zeitpunkt zum richtigen Verein, als Coach behielt er auch in turbulenten Zeiten den Durchblick. Und nun hat er erkannt, dass der Zeitpunkt gekommen ist, um sich zu verabschieden.

Zidane hat seinen Status als Klublegende endgültig zementiert. Er hat als Trainer nahtlos an seine Weltklasse-Karriere als Spieler angeknöpft. Ihm gelang das, was zuvor keinem anderen gelungen war. Er verteidigte den Titel in der Champions League, mehr noch, in zweieinhalb Jahren holte er den sagenumwobenen Henkelpott dreimal. Was hätte da noch kommen sollen?

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Ein erneuter CL-Gewinn wäre ein Ziel gewesen, die Meisterschaft oder der Pokal, das Triple ein anderes, noch ambitionierteres. Nur wird Zidane genau wissen, dass Zyklen des Erfolgs im Fußball endlich sind. 

Man darf auch nicht vergessen: Zidane stand teilweise in der Kritik, weil seine Erfolge auf nationaler Ebene überschaubar waren und genau genommen ziemlich weit hinter den Ansprüchen der Madrilenen zurückblieben. Noch im Januar dieses Jahres war nach der 1:2-Pleite im Pokal gegen Leganes berichtet worden, Zidane stünde vor dem Aus.

Zinedine Zidane: Fünf Champions-League-Titel mit Real Madrid 

Der Franzose gewann als Cheftrainer nicht einmal den Pokal und bloß eine Meisterschaft, es waren einzig seine historischen Erfolge in der Königsklasse, die eine Zuspitzung der mehrfach in der Luft liegenden Krise verhinderten. Genau diese Erfolge werden Zidane allerdings für immer unvergessen und vermutlich für eine lange Zeit unerreicht machen.

Die Champions League ist der Maßstab in Madrid. Der Wettbewerb schwebt über allem, er ist omnipräsent in den gigantischen Räumlichkeiten des Klubs. Die Königlichen definieren sich über die Königsklasse. Und Zidane ist Mr. Champions League. Als Spieler (2002), Co-Trainer (2014) und Chefcoach (2016, 2017, 2018) gewann Zidane mit Real fünfmal jenen Titel, der jahrelang als nicht zu verteidigen galt. Er ist nach Bob Paisley überhaupt erst der zweite Trainer, der dreimal mit demselben Klub den CL-Titel holte.

Der 45-Jährige hat mit Real all seine acht Endspiele gewonnen, er hat sich als Experte für K.o.-Spiele entpuppt und dabei schwierige, teilweise unpopuläre Entscheidungen getroffen. Er hat dem immensen Druck Stand gehalten. Im härtesten und schwierigsten Klubwettbewerb der Welt hat er Geschichte geschrieben - womöglich für die Ewigkeit.

Zidane hätte weitermachen, er hätte weitere Titeln jagen können. Und selbst im Falle des Misserfolgs hätten seine Erfolge weiterhin Bestand gehabt. Sein Denkmal jedoch hätte dann kleine Kratzer bekommen. Nun bleibt es gänzlich unbefleckt. 

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