Youngster "Sahne" und Co. - EM-Touristen statt Geheimwaffen

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Für Leroy Sane, Joshua Kimmich und Julian Weigl ist mit der EM-Nominierung ein Traum ein Erfüllung gegangen. Doch in Frankreich droht ihnen der Status der EM-Touristen.

Statt Geheimwaffen vielleicht doch nur EM-Touristen: Als Leroy Sane, Julian Weigl (beide 20) und Joshua Kimmich von Bundestrainer Joachim Löw überraschend ins EM-Aufgebot berufen wurden, erfüllte sich für die Youngster ein Traum. Doch am Wochenende folgte das böse Erwachen: Denn mit nur ein paar Worten degradierte Löw die Super-Talente schon nach dem zweiten von bis zu sieben Spielen zu potenziellen EM-Touristen.

Obwohl er das Trio dafür lobte, "von den Voraussetzungen her alles mitzubringen", ließ er doch erstaunlich deutlich durchblicken, dass er die große Bühne EURO aktuell vielleicht doch als zu groß erachtet. Man spüre halt schon, "es ist die Nationalmannschaft", sagte der 56-Jährige: "Sie mussten sich an Tempo und Qualität erst gewöhnen."

"Richtigen Zeitpunkt finden"

Auf die Frage, wann er sie möglicherweise einsetze, meinte er: "Man muss den richtigen Zeitpunkt finden. Ein Spiel, wo es um so viel geht, ist eine besondere Drucksituation für die jungen Spieler." Warum er die drei Youngster überhaupt mitgenommen hat? Schließlich hätten sie auch bei Olympia spielen und dort im Team von Horst Hrubesch als Führungsspieler Erfahrung sammeln können.

Eine Chance zur Einwechslung hätte sich gegen Polen ergeben. Wann, wenn nicht in diesem Spiel, sollte er einen der Jungen bringen? Offensiv brauchte es neue Impulse - doch Tempo-Dribbler Sane blieb draußen. Im zentralen Mittelfeld schleppte sich Sami Khedira nach einem Tritt auf den Fuß durch - doch Weigl hoffte vergeblich. Benedikt Höwedes überzeugte rechts hinten wieder nur bedingt - doch der von vielen geforderte Kimmich ist weiter nur Zuschauer. Löws Begründung. Es habe "keinen Grund" gegeben, "alles über den Haufen zu schmeißen".

Kimmich mit den besten Chancen

Der Status quo kann sich schnell ändern, das haben Sane, Kimmich und Weigl in den vergangenen Tagen schon mehrfach erfahren. Doch Löws Worte machen wenig Hoffnung. Die beste Perspektive bleibt derzeit noch für Kimmich. Höwedes wackelt schon ein wenig und Löw sagte über den Münchner: "Ich hätte auf keiner Position Bedenken, ihn zu bringen." Getan hat er es noch nicht.

Im Fall von Sane spricht der Bundestrainer noch nicht einmal dessen Namen korrekt aus: Beharrlich spricht er von "Leroy Sahne" statt "Sanee". Dies scheint ins Bild zu passen, ist aber wohl kein Ausdruck von mangelnder Wertschätzung. Denn mit Leroys Vater Souleyman spielte Löw einst beim SC Freiburg. Zwischen 1985 und 1988 erzielten sie zusammen 92 Tore - Sane 56, Löw 36 - und Löws Kollege war für alle damals eben einfach nur der "Sammy Sahne".

Nun ist der Junior in Paris dabei. Und der Schalker, der wohl in dieser Woche seinen Wechsel zu Manchester City oder Bayern München für bis zu 50 Millionen Euro verkünden wird, schien mit seinen "außergewöhlichen Fähigkeiten" prädestiniert als Geheimwaffe. Löw sieht es derzeit (noch?) anders.

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