Wright, Taitague & McKennie: American Dream in königsblau

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In Schalkes U19 trumpfen drei US-Amerikaner groß auf. Doch wer sind Haji Wright, Weston McKennie und Nick Taitague? Goal stellt sie exklusiv vor.

EXKLUSIV

Den American Dream leben und sprichwörtlich vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen: Gemäß der verbreiteten Überzeugung in den Vereinigten Staaten kann jeder Mensch, unabhängig von seinem derzeitigen Wohlstand, einen höheren Lebensstandard erreichen und sich mit genug Fleiß all seine Träume erfüllen.

Oliver Ruhnert im Interview: "Knappenschmiede ist zu einer Marke geworden"

Gerade Kinder und Jugendliche träumen davon, eines Tages berühmt zu werden, beliebt zu sein und viel Geld zu verdienen. Der Großteil der sportbegeisterten Kids in den Staaten malt sich womöglich aus, einmal an der Seite von Steph Curry in der NBA oder zusammen mit Odell Beckham Jr. in der NFL zu spielen, die Superstars, die auf Postern die Wände von Millionen US-Kinderzimmern zieren.

Doch längst nicht jeder Teenager begeistert sich ausschließlich für Basketball oder Football. Auch Fußball gewinnt in den USA immer mehr an Bedeutung, was auch die Familien Wright, McKennie und Taitague feststellen mussten, denn ihre Söhne Haji, Weston und Nick haben das große Ziel, es zum Profifußballer zu schaffen – und das nicht etwa in der einheimischen MLS, sondern im fernen Gelsenkirchen. In der Knappenschmiede von Schalke 04, weit weg von NBA und NFL.

Haji Wright: Maloche statt kalifornischer Leichtigkeit

Speziell für Haji Wright, der im März 2016, als erster der drei US-Nachwuchsspieler auf Schalker unterschrieb, dürfte seine Ankunft im Ruhrgebiet einem Kulturschock geglichen haben. Denn über Strände, Sonne und Palmen, die Wright aus seiner kalifornischen Heimat kennt, kann man in Gelsenkirchen nur müde lachen. Statt kalifornischer Leichtigkeit steht im Ruhrpott vor allem die Maloche im Vordergrund.

Dass 2016 mit Wright überhaupt ein Amerikaner auf Schalke landete, war ohnehin eine "kuriose Geschichte", wie Oliver Ruhnert, Direktor der Knappenschmiede, im exklusiven Gespräch mit Goal zugab. Als er eigentlich einen anderen Spieler scouten wollte, fiel ihm der damals 17-Jährige Wright bei einem Länder-Turnier auf Gran Canaria auf. "Ich fand ihn einfach überragend", schwärmt er über den Stürmer und traf sich kurz darauf mit seinem Berater, um über einen Wechsel zu verhandeln.

"Zu einem solchen Transfer gehören etliche Gespräche, schließlich ist es für die Jungs ein großes Abenteuer. Man verlässt nicht mal eben die Niederlande, wo man problemlos hinfahren kann, sondern zieht auf einen anderen Kontinent – das ist ein riesiger Unterschied. Auch mit den Eltern haben wir uns getroffen, alles diskutiert und abgewogen, und sind schließlich zu einer gemeinsamen Entscheidung gekommen", beschreibt Ruhnert die Komplexität eines solchen Transfers.

GFX Quote Oliver Ruhnert

Spezielle Förderung für die US-Boys

Nach nun mehr als einem Jahr hat sich Wright in Gelsenkirchen eingelebt, auch dank spezieller Betreuung durch Pädagogen und gezielte Hilfe von Mitspielern aus dem Internat. "Es ist wichtig, solchen Spielern zu zeigen, dass sich jemand um sie kümmert, sodass sie nicht das Gefühl haben, im Regal nur einer von 421 Fußballern zu sein", macht Ruhnert deutlich.

Dass der flexible Angreifer, der im Sturm nahezu alle Positionen ausfüllen kann, auch sportlich zu überzeugen weiß, bewies er in der laufenden Saison eindrucksvoll. So ist er mit elf Treffern und elf Torvorlagen der Top-Scorer im Team von Norbert Elgert und damit einer der Hauptgründe für den Einzug in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.

"Haji hat gelernt, nicht nur offensiv, sondern auch defensiv zu arbeiten – das war bei ihm das Wichtigste. Es ist noch nicht alles perfekt, doch mittlerweile läuft und arbeitet er für die Mannschaft", beschreibt der Direktor der Knappenschmiede die Entwicklung seines Schützlings. Das musste im Halbfinal-Hinspiel auch der FC Bayern feststellen, als Wright überragend aufspielte, einen sehenswerten Treffer erzielte und selbst FCB-Präsident Uli Hoeneß in höchsten Tönen vom US-Amerikaner schwärmte.

Weston McKennie: Prototyp eines Führungsspielers

Doch nicht nur Wright hält die Fahne für die gute amerikanische Jugendarbeit auf Schalke hoch. Mit Weston McKennie hat der Verein es einem weiteren US-Neuzugang zu verdanken, dass Königsblau überhaupt im Halbfinale steht und um die Meisterschaft kämpfen darf. Denn nicht etwa Torjäger Wright sorgte am letzten Spieltag beim Wuppertaler SV für den wichtigen Ausgleichstreffer, sondern Defensivmann McKennie.

Als zweiter US-Junioren-Nationalspieler wechselte McKennie im August aus Texas ins Ruhrgebiet. "Bei Weston habe wir einen Tipp bekommen, sodass einer unserer Scouts extra ins die USA geflogen ist, um sich ein Turnier anzuschauen. Er war begeistert und hat uns dringend dazu geraten, ihn zu verpflichten", erklärt Ruhnert das Zustandekommen des Transfers.

Anders als Wright hatte McKennie deutlich weniger Probleme, was die Integration betrifft, auch weil er bei seiner Ankunft in Gelsenkirchen bereits fließend deutsch sprechen konnte. Denn als Sohn eines in Deutschland stationierten US-Soldaten verbrachte er große Teile seiner Kindheit in der Nähe von Kaiserslautern – zur Freude des Knappenschmieden-Bosses: "Dass er bereits Deutsch konnte, ist natürlich sehr positiv."

Egal, ob im zentralen Mittelfeld oder aushilfsweise auch in der Innenverteidigung: Der 18-jährige Allrounder wurde bei S04 auf Anhieb zum Führungsspieler. Dieses Vertrauen äußerte sich auch dadurch, dass Elgert ihn gleich in seinem vierten Einsatz für die U19 erstmals als Kapitän aufs Feld schickte. "Ich bin mir sicher, dass er auf Schalke noch nicht am Ende ist", schwärmt Ruhnert von seiner Entwicklung: "Er ist für mich ein klarer Sechser oder Achter. Das sind die Positionen, wo er auch im Profibereich landen wird. Er kann Bälle erobern, aber auch kreativ sein. Darüber hinaus ist er dank seines überragenden Kopfballspiels sehr torgefährlich."

Nick Taitague, "ein Typ wie Christian Pulisic"

Dass mit McKennie und Wright zwei hochtalentierte US-Teenager auf Schalke unterwegs sind, spricht sich auch knapp 7000 Kilometer weiter, in den USA herum: "Es ist zwar ein sehr großes Land, doch was den Fußball betrifft, sind sie vergleichsweise klein", erklärt Ruhnert und spricht davon, dass Schalke dort "eine Marke" geworden ist: "Die Jungs berichten positiv, schwärmen von unserem Verein und der Ausbildung in Deutschland. Auch die Berater sind zufrieden – da hat man natürlich schon einen Fuß in der Tür."

Kein Wunder also, dass regelmäßig Berater in der Knappenschmiede anklopfen und ihre Schützlinge auf Schalke unterbringen wollen. So wurde im Februar 2017 mit Nick Taitague der dritte US-Boy nach Gelsenkirchen vermittelt, nachdem er in einem Probetraining brillierte und anschließend auch in Testspielern und beim Ruhr-Cup zu überzeugen wusste. "Es kann eine hochinteressante Geschichte werden", setzt Ruhnert große Hoffnungen in den 18-Jährigen.

Anders als McKennie und Wright hat der quirlige Offensivmann allerdings noch keinen Stammplatz im Elgert-System. So muss er als junger U19-Jahrgang häufig mit der Joker-Rolle vorlieb nehmen. "Was seine Spielweise angeht, ist er ein Typ wie Christian Pulisic. Obwohl er schon einige gute Aktionen hatte, fehlt ihm bislang allerdings noch die Durchschlagskraft im Abschluss", beschreibt Ruhnert, ist aber dennoch mit seiner bisherigen Entwicklung zufrieden: "Was die Position betrifft, sehe ich ihn auf der Acht, der Zehn oder auf dem Flügel, da er sehr trickreich und wendig ist. Er ist ständig unterwegs und sucht die Tiefe."

Auf dem Sprung in die Bundesliga

Wie schon in der vergangenen Woche werden die drei US-Exporte auch am Dienstag wieder im Fokus stehen, wenn die Schalker U19 im Halbfinal-Rückspiel auf den FC Bayern trifft. Drehen sie wieder derart auf wie schon beim 3:1-Sieg im Hinspiel, hat die Mannschaft von Norbert Elgert beste Chancen aufs Endspiel.

Während sich Taitague anschließend noch ein weiteres Jahr in der U19 entwickeln darf, rücken Wright und McKennie zu den Senioren auf. Jeweils mit Profiverträgen ausgestattet, dürfen sie sich berechtige Hoffnungen machen, schon in der nächsten Saison im Bundesliga-Kader zu stehen. "Sowohl Weston als auch Haji werden ihren Weg machen - wie und wo, wird man sehen. Doch ich bin sicher, dass sie im Profifußball noch einiges erleben werden", äußert sich der Knappenschmieden-Direktor optimistisch – denn wie heißt es auch im American Dream? Mit genug Fleiß kann man sich all seine Träume erfüllen. Bei Wright und Co. ist dieser Traum klar definiert: Bundesliga. 

Folge Schalke-Reporter Robin Haack auf  

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