Von der Randfigur zu Neymars Nebenmann: PSG-Sensation Giovani Lo Celso

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Der Argentinier erzielte gegen Lille seinen ersten Liga-Treffer für PSG. Es war der Höhepunkt eines bemerkenswerten Aufstiegs in letzter Zeit.

Als Giovani Lo Celso knapp vor der Lille-Abwehr an den Ball kam, schien für die Defensive eigentlich keine Gefahr zu drohen. Er hatte die Kugel von Lassana Diarra bekommen und sich in Richtung des gegnerischen Tores gedreht. Doch dort warteten jetzt noch zahlreiche Abwehrspieler auf ihn, sodass es nicht danach aussah, als ob aus der Situation etwas Gefährliches entstehen könnte.

Aber Lo Celso ließ sich etwas Besonderes einfallen: Er überwand Keeper Mike Maignan einfach mit einem Traum-Heber, der unhaltbar ins Netz fiel. Der Torhüter der Gastgeber stand fünf Meter vor seinem Kasten - und das reichte dem Argentinier, um seinen perfekt platzierten Schuss im Tor unterzubringen.

Es war ein ganz besonderer erster Treffer im Trikot von Paris Saint-Germain für Lo Celso.

"Wir haben zwei tolle Tore erzielt, aber ich denke, dass seines schöner war", gab Neymar nach dem Spiel zu. Er selbst hatte Minuten zuvor einen Freistoß ebenfalls auf herausragende Art und Weise versenkt.

Giovanni Lo Celso Valentin Rongier Nantes PSG Ligue 1 14012018

Lo Celsos Tor sprach Bände über das Selbstvertrauen, das beim 21-Jährigen in den vergangenen Wochen enorm gewachsen ist.

"Ich habe an mich geglaubt", sagte er Canal+ nach dem Spiel. "Ich hatte die Chance, zu Ney zu passen, aber ich habe mich entschlossen, zu schießen. Glücklicherweise ist der Ball reingegangen", ergänzte er.

Sein Aufstieg im Parc des Princes in den vergangenen Monaten ist bemerkenswert. Vor einem Jahr holte ihn PSG für rund zehn Millionen Euro von Rosario Central. In seinem ersten halben Jahr in Frankreich kam er nur auf 82 Einsatzminuten in der Ligue 1 - und das führte natürlich zu Fragen, ob er sich in Paris überhaupt durchsetzen könne.

Während ein Goncalo Guedes auf Leihbasis nach Valencia ging, um Platz für Kylian Mbappe und Neymar zu schaffen, behielt der Verein Lo Celso und ist inzwischen für seine Hartnäckigkeit belohnt worden.

Lo Celso arbeitet sich nach oben

Die Verletzung von Thiago Motta gab ihm die Möglichkeit, regelmäßiger zum Einsatz zu kommen und er nutzte diese Chance so überzeugend, dass er nun meist in der internen Hackordnung vor Javier Pastore und Julian Draxler steht, wenn es darum geht, den Platz in der Mittelfeldzentrale zu besetzen.

"Er ist das perfekte Beispiel", sagte Trainer Unai Emery im Januar. "Er hat jeden Tag geduldig im Training gearbeitet. Am Anfang war er nicht im Kader, dann hat er fünf Minuten gespielt, dann zehn."

"Er hat sich das Recht erarbeitet, mit dabei zu sein. Er hat sich den Respekt seiner Teamkollegen erarbeitet, dann den des Trainers und dann den der Fans", berichtete Emery.

"Er ist sehr konzentriert, immer mit dabei. Er spielt, um sich zu verbessern, um sich den Anforderungen der Position, die dem Team weiterhilft, zu stellen. Deshalb ist er als Aufpasser vor der Abwehr auf einem sehr guten Niveau. Wir haben mit ihm jetzt einen sehr wichtigen Spieler im Kader", so der spanische Coach.

Das Bemerkenswerte am Aufstieg Lo Celsos ist, dass er als Sechser eingesetzt wird - und das normalerweise eine Position ist, auf der eher körperlich starke Spieler zum Einsatz kommen.

Lo Celso PSG

Mit seinen nur 1,77 Meter ist er ein ganz anderer Spielertyp als Thiago Motta. Und doch harmoniert er mit Marco Verratti und Adrien Rabiot perfekt, die beide im Zentrum ein wenig aggressiver unterwegs sind als der Spieler, der eigentlich als zusätzliche Option für die Offensive verpflichtet worden war.

Lo Celso ist eine der Entdeckungen der Saison in Frankreich - und stand in den letzten sieben Ligue-1-Partien von PSG in der Startelf.

In der Champions League war er noch nicht vom Anpfiff weg mit dabei, obwohl er in der Königsklasse in nur 65 Minuten Spielzeit schon zwei Assists lieferte. Thiago Motta plagt sich allerdings immer noch mit Verletzungsproblemen herum und deshalb spricht eigentlich nichts dagegen, dass Lo Celso auch in einer Woche gegen Real Madrid von Anfang an ran darf.

Es wäre ein Startelf-Einsatz, den er sich wirklich verdient hat.

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