U19 EM 2017: TV, LIVESTREAM, Teilnehmer, Austragungsort, Stars, Deutschlands Schlüsselspieler

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Die deutschen Junioren sind raus, bei der U19-EM in Georgien steht das Halbfinale an. Goal liefert alle wichtigen Infos zu dem Nachwuchsturnier.


HINTERGRUND


2008, 2014 - nicht 2017. Deutschlands Nachwuchs wollte bei der U19-EM in Georgien (2. Juli bis 15. Juli) den dritten Titel für den DFB einfahren. Allerdings scheiterte das Team von Trainer Frank Kramer nach Niederlagen gegen die Niederlande und England sowie einem Sieg über Bulgarien bereits in der Vorrunde.

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Im Halbfinale kommt es nun zu den Partien Portugal gegen die Niederlande und England gegen Tschechien. Die beiden Sieger ermitteln schließlich im Endspiel den U19-Europameister 2017.

Goal beantwortet Euch alle wichtigen Fragen zu dem viel beachteten Nachwuchsturnier.


WANN FINDET DIE U19-EM STATT?


Die U19-EM, die von der UEFA organisiert wird, hat am 2. Juli 2017 mit dem Eröffnungsspiel in Tiflis begonnen. Das Turnier dauert knapp zwei Wochen, am 15. Juli 2017 steigt schließlich das Finale.


WO KANN ICH DIE U19-EM LIVE IM TV ODER IM STREAM SEHEN?


Alle Spiele der deutschen U19-Nationalelf sowie fast alle anderen Gruppenspiele der U19-EM werden live im TV bei Eurosport 1 und Eurosport 2 übertragen. Auch die beiden Halbfinals und das Endspiel präsentiert Eurosport unabhängig von deutscher Beteiligung live.

Zudem könnt Ihr alle Partien, die bei Eurosport 1 gezeigt werden, auch im kostenlosen LIVESTREAM auf Eurosport.de sehen.


WO FINDET DIE U19-EM STATT?


Georgien darf die U19-EM austragen. Die Spiele finden in zwei verschiedenen Stadien in der Hauptstadt Tiflis sowie in einem Stadion in der Stadt Gori in Zentralgeorgien statt.

Das Endspiel wird im Mikheil-Meshki-Stadion, der Heimstätte des georgischen Erstligisten und Traditionsklubs Lok Tiflis ausgetragen. Die Arena bietet 24.700 Zuschauern Platz.


WELCHE LÄNDER NEHMEN AN DER U19-EM TEIL?


In Gruppe A der U19-EM kämpften Tschechien, Schweden, Portugal und Gastgeber Georgien ums Weiterkommen. In Gruppe B hatte es Deutschland mit der Niederlande, England und Bulgarien zu tun.


IN WELCHEM MODUS WIRD DIE U19-EM GESPIELT?


Gruppenerster und Gruppenzweiter aus Staffel A und Staffel B ziehen ins Halbfinale ein. Dort treten sie überkreuz gegeneinander an - der Erste aus Gruppe A spielt gegen den Zweiten aus Gruppe B, der Zweite aus Gruppe A gegen den Ersten aus Gruppe B.

Die Sieger der Halbfinals bestreiten schließlich am 15. Juli 2017 in Tiflis das Finale und ermitteln den U19-Europameister. Ein Spiel um Platz 3 gibt es nicht.

GRUPPE A Spiele Tordifferenz Punkte
1. Portugal 3 +2 7
2. Tschechien 3 +2 6
3. Georgien 3 -2 3
4. Schweden 3 -2 1

Gruppe B Spiele Tordifferenz Punkte
1. England 3 +6 9
2. Niederlande 3 +2 4
3. Deutschland 3 -3 3
4. Bulgarien 3 -5 1

Halbfinale:

  • Portugal - Niederlande
  • England - Tschechien

WER WAREN DEUTSCHLANDS STARS BEI DER U19-EM?


Auf Dzenis Burnic und den etatmäßigen Kapitän Felix Passlack, die von ihrem Verein Borussia Dortmund keine Freigabe erhielten, musste U19-Nationaltrainer Frank Kramer in Georgien leider verzichten. Auch Salih Özcan vom 1. FC Köln verpasst die EM krankheitsbedingt.

Dennoch schickten die DFB-Junioren einige hochkarätige Talente ins Rennen. Goal stellt die vier Schlüsselspieler der deutschen Auswahl vor.


GÖKHAN GÜL (18, Innenverteidiger, Fortuna Düsseldorf)


ONLY GERMANY Gökhan Gül Germany U19 28032017

In Castrop-Rauxel geboren, kam der 18-jährige Innenverteidiger schon mit sieben Jahren in die Nachwuchsabteilung des VfL Bochum. Dort begann er zunächst als Stürmer, wurde aber schnell weiter nach hinten versetzt. Er agierte im defensiven Mittelfeld, seit der U15 dann bevorzugt im Abwehrzentrum.

Kurz davor hätte er Bochum beinahe verlassen müssen. "In der U13 stand es auf der Kippe, ob ich beim VfL in den nächsten Jahrgang übernommen werde", sagte Gül im Interview mit transfermarkt.de. "Ich war nicht in Bestform und auch ein bisschen pummelig. Ich habe gemerkt, dass ich mehr tun muss, um weiter zu kommen. Von da an ging es bergauf", erklärte er.

Gül legte Extraschichten mit seinem Vater ein, ging laufen, "wann immer es ging". Und die Arbeit zahlte sich aus, schon mit 15 durfte er plötzlich bei den Profis mittrainieren. Dennoch fehlte ihm Anfang des Jahres die Perspektive beim VfL. Nachdem er bereits Ende der Spielzeit 2015/16 im Zweitliga-Kader gestanden hatte, wollte er den nächsten Schritt gehen, verbuchte aber nur zwei Einsätze.

Bochum-Coach Gertjan Verbeek ließ ihn meist außen vor, trotz Personalproblemem in der Defensive. Regelmäßig kam er nur in der A-Jugend zum Einsatz - und wechselte Anfang des Jahres zu Fortuna Düsseldorf, wo ihm mindestens stete Spielpraxis in der Senioren-Regionalliga garantiert wurde.

"Gül kann dank seiner Unbekümmertheit und seiner Art ein richtig guter Spieler werden", erklärte Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel. Eigentlich war der Plan, ihn erst ab kommender Saison bei den Profis einzusetzen, aufgrund seiner imposanten Entwicklung kam Gül aber schon vergangene Spielzeit auf drei Zweitliga-Einsätze, spielte ansonsten im Regionalliga-Team.

Gül paart gute Technik und hervorragendes Auge mit extremer Bissigkeit und Kompromisslosigkeit im Zweikampf. Mit bereits 42 Junioren-Länderspielen seit der U16 ist der Deutsch-Türke einer der erfahrensten Jungs im Team, hat schon an vier Junioren-Europa- oder -Weltmeisterschaften teilgenommen, war auch im vergangenen Jahr bei der U19-Heim-EM mit von der Partie.

In Georgien wird Gül, der Sergio Ramos, Jerome Boateng, Paul Pogba und Ilkay Gündogan zu seinen Vorbildern zählt, in Kramers Elf der Chef in der Abwehr sein, in den sechs EM-Qualispielen stand er immer über die vollen 90 Minuten auf dem Platz. In Abwesenheit von Felix Passlack könnte Gül bei der EM womöglich auch die Kapitänsbinde tragen. "In der U17 habe ich diese Position bereits ausgefüllt und würde mich freuen, wenn der Trainer auch dieses Vertrauen in mich setzen würde", sagte er jüngst den Ruhrnachrichten.


DENNIS GEIGER (19, defensives Mittelfeld, TSG Hoffenheim)


ONLY GERMANY Dennis Geiger Germany U19 29062017

Der zentrale Mittelfeldspieler könnte der nächste Youngster sein, der bei der TSG Hoffenheim den Sprung aus der Jugend in die erste Mannschaft schafft. Anfang des Jahres unterschrieb der 19-Jährige seinen ersten Profivertrag bei den Kraichgauern, der bis 2019 datiert ist.

Geiger hat seine Stärken im Passspiel, steht laut U19-Nationaltrainer Kramer für "einen technisch sauberen Fußball", schlägt überdies sehr gute Standards. Bei der TSG weiß man genau darüber Bescheid, hat die Fähigkeiten des Rechtsfußes, der schon mit elf Jahren nach Hoffenheim kam, früh erkannt.

So trainiert Geiger bereits seit längerem regelmäßig bei den Profis mit, kam vergangene Saison nicht mehr bei der A-Jugend, sondern bereits vollständig in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga zum Einsatz - und bewies seine Torgefahr, traf fünfmal in 25 Einsätzen.

Dass er Tore schießen kann, hatte er auch in der U19 der TSG schon bewiesen. So gelangen Geiger in den beiden Halbfinals und dem gegen Dortmund verlorenen Finale in der Endrunde um die Deutsche A-Jugendmeisterschaft 2016 gleich drei der insgesamt acht Hoffenheimer Tore, weitere drei Buden legte er zudem auf.

Auch Rückschläge hatte Geiger in seiner jungen Karriere indes bereits zu verkraften. In seinem ersten A-Jugendjahr legte ihn eine Schambeinentzündung lange flach, er verpasste unter anderem auch die U17-WM in Chile. "Nach der Verletzung habe ich mich allerdings gut zurückgekämpft", sagt Geiger, dessen Traum es ist, "irgendwann einmal in der Bundesliga für Hoffenheim zu spielen".

In der U19-Nationalelf ist Geiger unter Kramer gesetzt. In den drei entscheidenden Quali-Spielen gegen Zypern, Serbien und die Slowakei stand er jeweils in der Startelf, übernimmt auf der Doppelsechs neben Herthas Sidney Friede den Part des Organisators.


AYMEN BARKOK (19, rechter Flügel, Eintracht Frankfurt)


ONLY GERMANY Aymen Barkok Germany U19 25032017

"Wenn er den Ball hat, bewegt sich bei ihm sofort etwas. Er ist einer, auf den wir zählen, wenn es darum geht, Torgefahr zu kreieren", sagt Kramer über den 19-jährigen Offensivspieler. Technisch stark, kreativ im Dribbling, gute Geschwindigkeit - Barkoks Anlagen sind überragend.

So überragend, dass er, der letztes Jahr sein Fachabitur machte, ein eigentlich geplantes Maschinenbaustudium nach seiner Beförderung zu den Profis erst einmal auf Eis gelegt hat. "Die Zeit dafür habe ich nicht", sagte er vor einigen Monaten der Frankfurter Rundschau.

Ohne davor überhaupt einmal bei der ersten Mannschaft mittrainiert zu haben, warf Niko Kovac Barkok vergangenes Jahr in einem Testspiel der Frankfurter Eintracht ins kalte Wasser. Wenig später, im November, feierte er gegen Werder Bremen sein Pflichtspieldebüt - und erzielte gleich den 2:1-Siegtreffer in der 90. Minute. "Ein hammergeiles Gefühl", sagte der Shootingstar anschließend euphorisiert. Mit dem schwächeren linken Fuß netzte er ein, den Frankfurts Nachwuchschef Armin Kraaz einen "Straßenkicker, der drauflos dribbelt", nennt.

Auf einem Gummiplatz in Frankfurt-Nordweststadt kickte er als Kind und Jugendlicher, lernte den feinen Umgang mit der Kugel. "Ich war immer dort, nach der Schule, samstags, sonntags, vor dem Spiel manchmal sogar noch. Da waren meistens viele Ältere dabei, manche waren bis zu fünf Jahre älter", erzählt er.

18 Bundesligaspiele hat er 2016/17 für die Eintracht, die den Deutsch-Marokkaner 2013 von Kickers Offenbach in die eigene U17 holte, insgesamt absolviert, steuerte dabei noch einen weiteren Treffer bei. Er könnte einer der Stars der EM in Georgien werden, kann "immer wieder ein überraschendes Moment einbringen", wie Kramer betont.

Dabei ist Barkok, dessen großes Idol Zinedine Zidane ist, vergleichsweise eher Spätzünder. In den Nachwuchsteams waren oft andere besser, standen andere im Spotlight. Auch Verletzungspech warf ihn zurück, "wir mussten ihn lange aufpäppeln", sagt Alexander Schur, früher sein U19-Coach in Frankfurt. So hat er erst sechs Junioren-Länderspiele absolviert, drei davon bei der Eliterunde Ende März.

Bei jenen drei Einsätzen überzeugte Barkok, den Kramer im 4-2-3-1 auf dem rechten Flügel einsetzt, vollends. Assist gegen Zypern, Tor gegen Serbien, auch im abschließenden Spiel gegen die Slowakei stark. Der Frankfurter nimmt sicherlich eine Schlüsselrolle ein, muss sich aber in punkto Stabilität noch steigern. "Natürlich ist er noch nicht konstant in seinen Leistungen. Als 19-Jähriger unterliegt er ganz natürlichen Schwankungen", weiß Kramer.


ETIENNE AMENYIDO (19, Stürmer, Borussia Dortmund)


ONLY GERMANY Etienne Amenyido Germany U19 25032017

Der bewegliche Mittelstürmer ist noch ohne Pflichtspieleinsatz im Seniorenbereich, kam beim BVB bisher lediglich in den Nachwuchsteams zum Einsatz. Möglicherweise wäre Amenyido heute schon weiter, hätte er nicht so häufig mit Verletzungen zu kämpfen gehabt.

"Ich bin froh, dass ich endlich mal eine verletzungsfreie Saison spielen kann", sagte Amenyido vor einigen Wochen zu Goal - und Dortmunds Nachwuchskoordinator Lars Ricken ergänzte: "Wir haben immer sein Potenzial gesehen und darauf geachtet, dass er jetzt nicht alle Spiele machen muss."

Man ist in Dortmund äußerst zufrieden damit, wie sich der endlich über einen längeren Zeitraum gesunde Amenyido entwickelt hat. Zwölf Tore hat er in der abgelaufenen A-Jugend-Bundesligasaison für die U19 des BVB erzielt, hatte entscheidenden Anteil am Meistertitel der Schwarz-Gelben.

Amenyido besticht mit seiner Schnelligkeit, kann Bälle gut festmachen, ist eher ein mitspielender Stürmer denn einer, der nur im Strafraum lauert. "Etienne arbeitet sehr viel für das Team und ist dabei immer gefährlich. Er hat eine gewisse Dynamik und schont sich im Spiel nicht. Er reißt Räume auf, geht sehr gut in die Tiefe, ist robust in Zweikämpfen und reibt sich auf", lobte U19-Nationaltrainer Kramer gegenüber Goal.

Ricken kündigte indes an, dass man Amenyido ab kommender Saison auch bei der ersten Mannschaft des BVB testen wolle, ihm im Regionalligateam Spielpraxis garantieren werde. "Er hat absolut das Zeug für eine Profikarriere", betont Ricken.

2011, mit 13, kam Amenyido zu Dortmund, war in den Jugendnationalteams wegen seiner vielen Verletzungen aber lange außen vor. Erst vergangenen November trug er erstmals das Trikot mit dem Adler auf der Brust, ist seither jedoch als Neuner gesetzt in der U19. Vier Tore erzielte er in den drei entscheidenden EM-Qualispielen Ende März, traf gegen Zypern und die Slowakei jeweils doppelt. Und soll nun auch in Georgien für die deutschen Tore sorgen.


WER SIND DIE STARS DER ANDEREN TEAMS BEI DER U19-EM?


Die Niederlande zählt im Vorfeld trotz des Fehlens von Ajax-Shootingstar Justin Kluivert sicher zu den Favoriten, hat Oranje doch einige junge Kicker mit Star-Potenzial im Kader. An deren Spitze steht Ferdi Kadioglu, 17-jähriger offensiver Mittelfeldspieler mit atemberaubender Technik. Er hat vergangene Saison bereits 27 Spiele für NEC Nijmegen in der Eredivisie absolviert, dabei vier mitunter sehenswerte Tore erzielt.

Auch auf Kadioglus Nijmegen-Teamkollegen Jay-Roy Grot (Mittelstürmer) gilt es ein Auge zu werfen, ebenso wie auf Flügelspieler Javairo Dilrosun von Manchester City und Joel Piroe, klassischer Neuner von der PSV Eindhoven.

Bei England sticht der 17-jährige Ryan Sessegnon vom FC Fulham heraus. Der Linksverteidiger wird bereits mit etlichen Topklubs in Verbindung gebracht, hat letzte Saison 25 Spiele (fünf Tore) in der zweiten englischen Liga absolviert.

Weitere Youngsters, die sich bei der U19-EM in den Fokus spielen könnten: Tschechiens Angreifer Daniel Turyna von Sparta Prag sowie die Portugiesen Rui Pedro (Stürmer, FC Porto), Joao Felipe (offensives Mittelfeld, Benfica) und Diogo Dalot (Rechtsverteidiger, Porto).


WER SIND DIE BISHERIGEN SIEGER DER U19-EM?


Seit 2002 wird das Turnier offiziell als U19-EM ausgetragen, zuvor lief der Wettbewerb unter dem Namen U18-EM. Häufigster Gewinner seit 2002 ist Spanien mit sieben Titeln, dahinter folgen Frankreich (drei Titel) und Deutschland (zwei Titel).

U19-EM Sieger Finalgegner Spieler des Turniers
2002 Spanien Deutschland Fernando Torres
2003 Italien Portugal Alberto Aquilani
2004 Spanien Türkei Juanfran
2005 Frankreich England Abdoulaye Balde
2006 Spanien Schottland Alberto Bueno
2007 Spanien Griechenland Sotirios Ninis
2008 Deutschland Italien Lars und Sven Bender
2009 Ukraine England Kyrylo Petrov
2010 Frankreich Spanien Gael Kakuta
2011 Spanien Tschechien Alex Fernandez
2012 Spanien Griechenland Gerard Deulofeu
2013 Serbien Frankreich Aleksandar Mitrovic
2014 Deutschland Portugal Davie Selke
2015 Spanien Russland Marco Asensio
2016 Frankreich Italien Jean-Kevin Augustin

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