Tiki-Taka 2.0: "Das unaufhaltsame Spanien ist zurück"

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Nach der bisher besten Leistung aller Teilnehmer beim Sieg gegen die Türkei ist Titelverteidiger Spanien der große EM-Favorit. Die Ballzauberer sind sogar gefährlich vor dem Tor.

Das Grillfest mit Kindern und Ehefrauen sollte die spanischen Nationalspieler eigentlich auf andere Gedanken bringen. Doch auch beim gemütlichen "Asado" im Mannschaftsquartier auf der Ferieninsel Ile de Re war der Fußball allgegenwärtig - die Lobeshymnen aus ganz Europa sind auch schwer zu ignorieren. "Das große und unaufhaltsame Spanien ist wieder da", schrieb die Zeitung Marca nach dem 3:0 (2:0) im zweiten EM-Gruppenspiel gegen die Türkei und schwärmte vom "Tiki-Taka 2.0".

Sinnbildich dafür stand dieser eine fast perfekte Angriff. Neun von elf Spielern um Taktgeber Andrés Iniesta passten sich 48 Sekunden lang traumhaft sicher den Ball zu, 21 Mal kommen verzweifelte Türken zu spät. Der krönende Schlussakkord dieser Tiki-Taka-Vorführung war die letzte Ballberührung durch Alvaro Morata zum 3:0 (48.).

"Die Weltmeisterschaft ist beerdigt"

Ja, das Tor hätte wegen einer Abseitsstellung des Vorbereiters Jordi Alba nicht zählen dürfen, und dennoch war sich nicht nur ganz Spanien sicher: In diesem magischen Augenblick hat Europa den kommenden Champion gesehen. "So spielen die Meister! Ole, Ole, Ole!", jubelte Marca: "Spanien zu sehen, ist wie ein Besuch beim Cirque du Soleil mit den Kindern und Großeltern." Auch das Sportblatt AS legte nach der bis dahin besten Turnierleistung aller EM-Teilnehmer jede Zurückhaltung ab: "Die Weltmeisterschaft ist beerdigt - das große und unaufhaltsame Spanien ist wieder da."

Das WM-Debakel vor zwei Jahren mit dem peinlichen Vorrundenaus als Titelverteidiger scheinen die Spanier überwunden zu haben. Auch Andres Iniesta. Der 32-Jährige, der als Auslaufmodell galt, als Symbol für den Niedergang einer Goldenen Generation, ist bislang der Spieler des Turniers. Auch gegen die Türkei war der 1,71 m kleine Barca-Profi der große Maestro. "Iniestas 9. Sinfonie", schrieb Marca und nahm das Spiel in die neun besten Auftritte des Mittelfeldspielers bei großen Turnieren auf.

"Mal sehen, ob wir ins Finale kommen"

Das Achtelfinale hat Spanien bereits locker erreicht, im Duell mit Kroatien am Dienstag (21.00 Uhr im LIVE-TICKER) in Bordeaux reicht dem Europameister von 2008 und 2012 ein Unentschieden zum Gruppensieg. Der herausragende Auftritt gegen die Türkei brachte selbst den sonst so zurückhaltenden Trainer Vicente del Bosque dazu, bereits vom Endspiel zu sprechen. "Es war perfekt, aber wir haben noch nichts gewonnen. Mal sehen, ob wir bis ins Finale kommen", sagte der 65-Jährige.

Ein Grund für den gestiegenen Optimismus ist die neue Effektivität, nachdem gegen Tschechien noch reihenweise beste Chancen vergeben wurden. Die Torschützen Nolito (37.) und Morata (34. und 48.) erstickten die Stürmerdebatte im Keim. Und die Abwehr steht sowieso wie ein Bollwerk: Seit sieben EM-Spielen hat Spanien kein Gegentor kassiert - Rekord!

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