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Thesen zum 20. Bundesliga-Spieltag: Dortmund hätte mal besser in Hoffenheim verloren

15:05 MEZ 24.01.22
Marco Rose Borussia Dortmund BVB
Ein trojanisches Pferd für den BVB, Kölns leidendes Spiel und die TSG in der Champions League? Die Thesen zum 20. Spieltag.

Borussia Dortmunds Sieg in Hoffenheim könnte sich auf Dauer noch als trojanisches Pferd erweisen. Warum Kölns Spiel so langsam leidet, der VfB vor den beiden entscheidenden Wochen der Saison steht und Hoffenheim in die Champions League kommt? Die Thesen zum 20. Spieltag klären auf.

Eine BVB-Niederlage wäre auf Sicht besser gewesen

Borussia Dortmund hat jetzt die ersten drei schwierigen Spiele der Rückrunde gegen direkte Konkurrenten im Kampf um die vorderen Plätze gewonnen, in der Liga ist die Mannschaft immer noch voll auf Kurs. Aber hinter den nackten Ergebnissen liegt auch noch eine andere Wahrheit: Mit dieser Inkonstanz und den teilweise krassen Leistungsschwankungen wird die Borussia auf Dauer nicht mehr die zweitbeste deutsche Mannschaft hinter den Bayern bleiben können - geschweige denn so etwas wie ein "echtes" Titelrennen heraufbeschwören.

Schon vor dem Spiel in Hoffenheim hörte sich Hans-Joachim Watzkes Erklärung für das Pokal-Aus unter der Woche so an, als könne oder wolle der Geschäftsführer die Probleme der Mannschaft nicht anerkennen. Und wie zum Beweis lieferte das Team dann im Kraichgau ein entsprechend bezeichnendes Spiel ab. Mit zwei eigenen Torschüssen kam Dortmund zu drei Treffern und gegen einen in allen Belangen deutlich überlegenen Gegner irgendwie zum 3:2-Sieg. Schon in Frankfurt ging das noch irgendwie gut mit den drei Punkten, nun auch in Hoffenheim. Ein Sieg ist ein Sieg.

Aber für die Entwicklung der Mannschaft und die Hoffnung, dass die Ergebnisse nicht den Blick auf die Probleme vernebeln, wäre eine Niederlage im Kraichgau wohl fast besser gewesen für den BVB. Der Vorsprung auf Rang fünf wäre immer noch komfortabel genug, aber womöglich hätte eine Niederlage eine reinigende Wirkung gehabt - und einen besseren Einfluss auf die kommenden Wochen. Sonst droht die Gefahr, sich (weiter) selbst zu belügen.

TSG Hoffenheim erreicht die Königsklasse

Bei Dortmunds Gegner war der Jammer nach der Partie verständlicherweise groß. Mal wieder legte die TSG eine blitzsaubere Leistung hin, hatte den BVB wie schon in Phasen im Hinspiel im Sack - und stand am Ende doch wieder mit demselben Ergebnis und leeren Händen da. Aber konträr zu den Dortmundern ist die Entwicklung in Hoffenheim ein Grund zu großer Hoffnung.

Sebastian Hoeneß hat nach einer schwierigen letzten Saison nicht nur die Kurve bekommen, sondern ist mit seiner Mannschaft ganz klar auf Kurs Champions League - und dürfte die nach den Eindrücken der letzten Wochen und Monate auch erreichen. Hoffenheim profitiert dabei von einer mittlerweile eingespielten Mannschaft mit klaren und doch sehr flexiblen Abläufen in allen Spielphasen und natürlich einem Kader, den sich in Corona-Zeiten nur wenige andere Klubs im wahrsten Sinne des Wortes leisten können.

Hoeneß kann immer wieder frisches Personal nachschieben, von der Bank kommt in Hoffenheim genug Druck, die Leistungsdichte im Kader ist enorm hoch. Auch wenn die Ergebnisse zuletzt nicht immer mit den gezeigten Leistungen übereinstimmten: Hoffenheims Weg ist der richtige. Und dürfte am Ende der Saison für einen Platz in der Königsklasse reichen.

Einer der besten deutschen Innenverteidiger spielt bei Union

In Berlin reifen auch die Träume von der Königsklasse, das gespielte Understatement der Verantwortlichen darf man eigentlich seit Wochen nur noch als Folklore einordnen. Der 1. FC Union ist klar auf Kurs Europa, der Garant für die überragende Entwicklung ist Trainer Urs Fischer. Der hat es tatsächlich geschafft, die bis dato schon größte Stärke der Mannschaft noch einmal zu verbessern.

Es bleibt unheimlich schwer, gegen Union zum Torerfolg zu kommen. Die Berliner haben die drittwenigsten Gegentore der Liga kassiert und spulen auch ohne ihren vermeintlich besten Innenverteidiger Marvin Friedrich ihr Pensum stoisch ab. Mittendrin hält mit Robin Knoche ein Spieler den Laden zusammen, der so stellvertretend für Unions Strategie steht wie wenige andere.

In Wolfsburg war Knoche nicht mehr gut genug, andere Bundesligisten zögerten - Union aber griff zu. So wie bei vielen anderen Spielern dieser Art oder Akteuren aus der zweiten Liga, die die Berliner sofort gewinnbringend in die Spur bringen. Knoche war mal im Dunstkreis der Nationalmannschaft anzusiedeln, fiel dann aber ab.

Nun in Berlin zeigt er in einer auf seine Vorzüge abgestimmten Spielidee alles, was einen überdurchschnittlichen Innenverteidiger ausmacht. Knoches spezielle Rolle mit seinem Rausrücken ins Mittelfeld, den vordeckenden Momenten passt perfekt ins Berliner Spiel. Im direkten Duell ist er eine Bank, im Strafraum bei klärenden Aktionen in der Luft und am Boden schwer zu überwinden. Und deshalb hat Union einen der aktuell besten Innenverteidiger des Landes in seiner Abwehr stehen.

Kölns Spiel fordert seinen Tribut

Bei den Sprints liegt der 1. FC Köln als Mannschaft im vorderen Drittel der Liga, bei der Laufstrecke auch, die intensiven Läufe weisen den FC als Dritten aus und bei den Flanken hat Steffen Baumgarts Mannschaft nun die 300er-Marke geknackt. Und keine andere Mannschaft der Liga gesteht dem Gegner weniger Pässe zu, ehe das eigene Pressing anläuft, als die Kölner.

Der Passes-per-defensive-action-Wert (PPDA) liegt laut understat.com bei etwas unter sieben Pässen pro Spiel, was das aggressive Kölner Angriffspressing in einer Kennzahl gut zusammenfasst. Der Bundesliga-Durchschnitt in dieser Kategorie jedenfalls liegt bei etwa elf Pässen. In Bochum und auch im Pokalspiel gegen den HSV unter der Woche konnte man aber auch ganz gut sehen, dass der enorme Aufwand der Kölner in jedem Spiel so langsam seinen Tribut einfordert.

Köln wirkte nicht mehr so spritzig in den Beinen und so klar im Kopf und das wirkt sich auf das sehr physische Spiel der Mannschaft doppelt negativ aus. Und es wird jetzt spannend zu beobachten sein, wie Baumgart mit den Erkenntnissen der letzten Wochen in Zukunft umgehen wird: Bleibt er grundsätzlich bei den vorhandenen Stilmitteln oder versucht er, auch ein wenig mehr Variabilität einzubauen?

Denn so stark Köln bisher auch punktete und für einen Fast-Absteiger der letzten Saison aktuell im gesicherten Mittelfeld liegt: Das Spiel der Mannschaft ist in gewisser Weise eindimensional. Bisher fiel das kaum ins Gewicht, weil die Kölner das, was sie taten, auch sehr gut taten. Und das reicht dann in der Bundesliga auch. Für die Weiterentwicklung der Mannschaft wird es auf Dauer aber wohl nicht reichen.

Stuttgart steht vor den wichtigsten Wochen der Saison

Das Spiel in Freiburg war in jeglicher Hinsicht ernüchternd für den VfB Stuttgart. Nicht das Ergebnis oder die leidige Debatte um den zurückgenommenen Strafstoß sollte die Verantwortlichen verärgern - sondern die Chancenlosigkeit ihrer Mannschaft.

Stuttgart wirkte gegen ein auch nicht berauschendes Freiburg hilflos wie nie in dieser Saison und noch schlimmer: verabschiedete sich komplett von dem Fußball, der die Mannschaft in der letzten Saison durch die Liga getragen hatte. Der VfB eröffnete gefühlt jeden zweiten Angriff mit einem langen Ball, der in der Regel dann sofort wieder weg war. Vom Spiel in die Halbräume, wo sich Mitspieler zeigen und aufdrehen, war rein gar nichts zu sehen.

Dynamik entwickelte die Mannschaft aus dem eigenen kontrollierten Ballbesitz kein einziges Mal, die durchaus vorhandenen Umschaltmöglichkeiten nach einem schlampigen Freiburger Aufbau wurden fahrlässig und noch schlampiger hergeschenkt. Stuttgart spielte in Freiburg wie ein Absteiger und enttäuschte neben seinen spielerischen Defiziten auch in läuferischer Hinsicht komplett.

Deshalb dürften die kommenden Tage auch von größter Bedeutung werden für den Klub. Der VfB bezieht für sechs Tage ein Trainingslager in Marbella, hat danach auch noch ein spielfreies Wochenende Zeit, sich neu zu justieren. Das ist auch dringend notwendig: Während der VfB seit fünf Spielen kein Tor mehr erzielt und nur einen Punkt geholt hat, punktet die Konkurrenz im Keller Spieltag für Spieltag munter weiter.