Sven Ulreich vom FC Bayern: "Einen Film könnte man besser nicht schreiben"

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Sven Ulreich krönt seine jüngsten Leistungen im Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart. Mit einem gehaltenen Elfmeter rettet er dem FC Bayern den Sieg.

HINTERGRUND

Am Ende musste sich einer ganz besonders bei Sven Ulreich bedanken. Es lief die vierte Minute der Nachspielzeit, James Rodriguez hatte die hundertprozentige Chance zur Entscheidung gerade vergeben, da bekam der VfB Stuttgart auf der anderen Seite per Videobeweis einen Elfmeter zugesprochen. Chadrac Akolo stand am Punkt, er guckte nervös nach links und rechts und scheiterte schließlich an Ulreich. Der Torhüter des FC Bayern  musste erst zum Retter mutieren, um den 1:0-Sieg im Bundesliga -Spiel bei den Schwaben zu sichern.

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Für den in der jüngeren Vergangenheit ziemlich minimalistisch auftretenden Rekordmeister war es der dritte 1:0-Erfolg in Serie. In Frankfurt und gegen Köln hatte noch Tom Starke zwischen den Pfosten gestanden, in Stuttgart kehrte nun der zuletzt von Adduktorenproblemen geplagte Ulreich ins Tor zurück. Und an seiner alten Wirkungsstätte bestätigte er die starken Leistungen, die er in dieser Saison unter Jupp Heynckes als Vertreter von Manuel Neuer gezeigt hat.

Vielleicht, hatte Heynckes vor der Partie gescherzt, müsse er vorher mal mit Starke sprechen und schauen, ob der Routinier Ulreichs Rückkehr überhaupt genehmigt. Starke sei schließlich Alterspräsident in der Mannschaft. Doch der Alterspräsident war einverstanden, und sein Einverständnis sollte sich auszahlen. Ulreich parierte nicht nur den Strafstoß in der vierten Minute der Nachspielzeit, er rettete auch nach sieben Minuten mit einem tollen Reflex gegen Akolo.

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Die Bayern hatten sich zuvor lange schwer getan im Neckarstadion, sie leisteten sich zu häufig unnötige Ballverluste und kleinere bis größere Unsauberkeiten. Auf der anderen Seite stand aber auch eine gut gestaffelte Stuttgarter Mannschaft, die extrem diszipliniert agierte, die mutig gegen den Ball verteidigte und Bayern sukzessive entnervte. "Stuttgart hat unangenehm gespielt, fast auf dem ganzen Platz Mann gegen Mann. Wir haben gut dagegengehalten, sind aber spielerisch nicht so zum Zug gekommen", sagte Thomas Müller. 

"Das Spiel hatte alle Zutaten"

Zu Chancen kamen seine Münchner trotzdem, Robert Lewandowski (1./21.), Corentin Tolisso (36.), Kingsley Coman (59.) und Jerome Boateng (66.) scheiterten aber allesamt knapp. Erst der eingewechselte Müller selbst erlöste die Bayern mit seinem späten Treffer (79.). 

In der Schlussphase ging es dann nochmal munter hin und her. Takuma Asano (88.) und Holger Badstuber (89.) hatten nach Eckbällen gute Chancen, Lewandowski und vor allem James (90.+2) hätten auf der anderen Seite treffen müssen. "Wir laufen mehrfach alleine auf den Torwart zu und machen das Tor nicht. Wir müssen das Spiel da entscheiden", monierte Boateng und forderte: "Wir müssen wieder kaltschnäuziger werden."

"Das Spiel", befand indes Heynckes, "hatte alle Zutaten. Es war hochinteressant, intensiv und dramatisch. Beide Mannschaften haben klasse gespielt." Der 72-Jährige wusste allerdings auch ganz genau, bei wem er sich letztlich zu bedanken hatte. "Sven", sagte der Coach, "ist für uns Gold wert."

"Beim Elfmeter hatte ich ein gutes Gefühl"

Der Protagonist selbst resümierte am Ende: "Einen Film könnte man besser nicht schreiben. Beim Elfmeter hatte ich ein gutes Gefühl. Ich bin froh, dass ich der Mannschaft so helfen konnte und dass wir heute mit 1:0 nach Hause fahren."

Die Bayern, so viel ist vor dem Sonntagsspiel von RB Leipzig gegen Hertha BSC sicher, gehen mit mindestens zehn Zählern Vorsprung in die Winterpause. Zum Ende der Hinrunde spielen sie zwar nicht ihren schönsten und auch nicht ihren besten Fußball, sie sind aber maximal effektiv. "Es ist nicht so, dass wir die Gegner an die Wand spielen. Aber wir haben vielleicht die Qualität und die Cleverness, um Ergebnisse zu holen, auch wenn es mal nicht so gut läuft", sagte Müller und hätte das "vielleicht" auch streichen können.

Zum Jahresabschluss treffen die unter Heynckes in 14 von 15 Pflichtspielen siegreichen Münchner am kommenden Mittwoch im Achtelfinale des DFB-Pokals noch auf Borussia Dortmund. Bis dahin, meinte Heynckes, müssten seine Schützlinge bestmöglich regenerieren und die Köpfe frei bekommen. Der BVB, unter Coach Peter Stöger mit zwei Siegen aus zwei Spielen, könnte eine Nachlässigkeit wie die von James Rodriguez schließlich bestrafen, und hat das in der vergangenen Saison bereits getan. "Das wird ein Pokalfight, mit dem neuen Trainer ist das ein neues Dortmund und nicht mehr der BVB aus den letzten Wochen", warnte Boateng.

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