Stimmen zur Deutschland-Niederlage gegen Mexiko: "Wie gegen Saudi-Arabien, nur gegen besseren Gegner"

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Joachim Löw schlägt nach der Pleite des DFB-Teams gegen Mexiko ebenso kritische Töne an wie seine Spieler. Die Stimmen.

Die  deutsche Nationalmannschaft  hat am Sonntag im ersten Spiel bei der Weltmeisterschaft in Russland mit 0:1 gegen Mexiko verloren. Bundestrainer Joachim Löw äußerte sich nach der Partie ebenso kritisch wie Innenverteidiger Mats Hummels sowie Mittelfeldstratege Toni Kroos.

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Die Stimmen zum Spiel Deutschland - Mexiko:

Joachim Löw (Bundestrainer/ ZDF) :  

Zunächst mal sind wir enttäuscht. Es ist eine ungewohnte Situation, dass wir das erste Spiel verloren haben. Der Begebenheit müssen wir uns stellen. In der ersten Halbzeit waren wir heute nicht gut, in der zweiten hat man gesehen, dass wir nach vorne spielen wollten. Wir müssen im nächsten Spiel eine Reaktion zeigen und gewinnen. Wir müssen uns an unsere Stärken erinnern.

... über die fehlenden Lösungen: Die Mexikaner standen in der zweiten Halbzeit natürlich auch tief, zudem haben sie schnell gekontert. Unsere Kombinationssicherheit und der Mut, in die Tiefe zu spielen, hat gefehlt: Wir haben den Ball zu häufig zurückgespielt.

... über die fehlende Absicherung: Wir waren halbherzig im Spiel nach vorne. Wir haben um den Sechzehner herum die Bälle verloren. In unserem Spiel müssen wir es schaffen, zum Abschluss zu kommen, dann haben wir auch weniger Probleme.

... auf die Frage, ob die richtige Einstellung gefehlt habe: Das glaube ich nicht, wir haben die letzten Tage gespürt, dass die Einstellung zu 100 Prozent da ist. Viel mehr haben wir unsere Kombination nicht mit dem gewünschten Risiko und der gewünschten Entschlossenheit ausgespielt.

Oliver Bierhoff (Manager Deutschland):

Wir haben zu wenig gemacht. Wir haben versucht, es in der zweiten Halbzeit zu drehen, aber wir waren nicht zwingend. Es ist ärgerlich und für ein WM-Auftaktspiel war das zu wenig. Wir wissen, wie schwer es die Weltmeister haben, das haben wir jetzt zu spüren bekommen. Wir sind beim nächsten Spiel gefragt. Es kann der schwierigere Weg sein, den müssen wir jetzt gehen. Mein erster Gedanke ist jetzt bei Schweden. Wir müssen mit voller Konzentration arbeiten, den Fokus setzen, gut arbeiten und die Dinge ansprechen, damit wir Schweden dominieren können.

Toni Kroos (Deutschland):  

Wir haben in der ersten Halbzeit keine Lösungen gegen deren Spiel gefunden. Sie haben clever zugestellt und da Platz gelassen, wo sie es sich leisten konnten. In der zweiten Halbzeit waren wir besser, Mexiko wurde müde, die Räume größer. Aber wir haben kein Tor gemacht, dabei waren genügend Chancen für mindestens einen Treffer da. Wir sind jetzt unter Druck, keine Frage. Wir müssen möglichst sechs Punkte holen aus den letzten beiden Spielen.

Mats Hummels (Deutschland):

Es ist ziemlich einfach: Wir haben wie gegen Saudi-Arabien gespielt, nur eben gegen einen besseren Gegner. Wir haben die Dinge eigentlich angesprochen, Dinge wie einfache Ballverluste und fehlende Absicherung. Leider haben wir es überhaupt nicht umgesetzt, deshalb sah die erste Halbzeit so aus, wie sie aussah. Mexiko hat verdient gewonnen. Wir haben es ihnen viel zu einfach gemacht, obwohl wir vorher genau wussten, wie wir nicht spielen durften.

... über die fehlende Absicherung: Das spreche ich intern oft an, es fruchtet aber anscheinend noch nicht so ganz. Unsere Absicherung klappt noch nicht, Jerome und ich sind oft alleine hinten.

... auf die Frage, ob die Niederlage ein Weckruf zum richtigen Zeitpunkt gewesen sei:  Nein, dafür war es zu spät, das Spiel gegen Saudi-Arabien hätte der Weckruf sein sollen. Wenn wir jetzt noch mal verlieren, war es das mit der WM.

Jerome Boateng (Deutschland)

… über die zahlreichen Konter von Mexiko: Wir haben es drei Tage lang besprochen. Mehr können wir nicht machen. Wenn wir es dann nicht aufs Spielfeld bringen, ist es einfach schade. Heute war knallhart: Du kannst nicht in der ersten Halbzeit in fünf Konter laufen.

… über die Abstimmung in der Defensive: Wenn Einer nach vorn geht, muss der Andere hinten bleiben, sodass man eine Absicherung hat. Genau das haben wir heute leider vermissen lassen. Jetzt ist WM und wir haben es immer noch nicht kapiert.

… über die Kommunikation auf dem Platz: Wir müssen auch viel mehr reden auf dem Platz: Wir hatten vier oder fünf Ballverluste, wo ein Gegenspieler von hinten kommt und keiner sagt was.

… über die Lehren aus dem Spiel: Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, dass wir die richtigen Schlüsse ziehen. Wir müssen als Team besser spielen, aggressiver und mit engeren Linien. Mit einem solchen Auftritt kann man kein WM-Spiel gewinnen.

Thomas Müller (Deutschland):

Wir müssen jetzt beide Spiele gewinnen und stehen extrem unter Druck. Und wenn wir das positiv gestalten wollen, dann brauchen wir Charakter.

... auf die Frage, ob die Mannschaft an der Einstellung arbeiten muss:   Die Einstellung müssen wir nicht ändern. Es liegt ja nicht daran, dass wir nicht wollen, sondern daran, dass wir manchmal die falschen Dinge zur falschen Zeit machen. Die Gegner verlassen sich aufs Konterspiel, deshalb hat es die Mannschaft, die das Spiel machen muss, schwerer. Aber wir können mit unserer Qualität natürlich auch nicht den Ball ins gegnerische Seitenaus schießen und uns dann mit allen Spielern an den eigenen Sechzehner zurückziehen. Wir werden immer eine Mannschaft sein, die höchstwahrscheinlich mehr den Ball hat als der Gegner. Vielleicht würden wir uns leichter tun, wenn es umgekehrt wäre, aber den Gefallen tut uns der Gegner nicht.

... auf die Frage, wie man die vielen Lücken in der Abwehr schließen kann: Klar kann man da absichern. Das sind die Ballverluste in den falschen Momenten, die uns dann wehtun. Wir werden mit dem Trainerteam weiterhin die Situation analysieren und dann versuchen, das abzustellen. Wir müssen in den nächsten Spielen zeigen, was wir können.

Jerome Boateng (Deutschland):

Wir wussten von Anfang an, dass jede Mannschaft Vollgas gibt und das haben wir heute nicht angenommen.

... auf die Frage, warum die Mannschaft das Zentrum nicht geschlossen bekommt: Da gibt es mehrere Gründe, wir haben darüber auch schon gesprochen. Da geht es nicht darum, wer Schuld hat. Wir müssen das jetzt analysieren und als Mannschaft antworten.

... auf die Frage, ob es an der fehlenden Einstellung liegt:  Ich glaube nicht, dass jemand nicht wollte, aber das sah in der ersten Halbzeit schon sehr behäbig aus.

... über die Tatsache, dass mit einer Niederlage gegen Schweden alles vorbei sein könnte:  Ich habe keine Sorge, ich denke positiv. Das mache ich immer. Sowas kommt vor. Jetzt kann man sehen, wer Charakter hat und welchen Charakter die Mannschaft hat.

Manuel Neuer (Deutschland):

Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir spielen können und wie wir gespielt haben. Wir haben nicht das gezeigt, was wir können, das müssen wir verbessern.

... über die Drucksituation, die durch die Niederlage entstanden ist: Wir glauben trotzdem an uns. Wir haben auch schon gegen Serbien verloren 2010 und haben dann gegen Ghana ein Finale gehabt. Da können wir uns nur selber helfen.

... zur Abwehrschwäche : Wir müssen stabiler sein. Gerade bei den Turnieren kommt es darauf an, dass man eine gute Defensive hat.

Juan Carlos Osorio (Nationaltrainer Mexiko):

Wir hatten einen Spielplan, den haben wir bereits vor sechs Monaten aufgestellt, schnell über Außen zu kommen. Hirving Lozano ist ein unglaublicher Stürmer, auch Miguel Layun. Wir haben uns sehr gut im Angriffsdrittel bewegt, haben sehr schnell umgeschaltet. Bei allem Respekt, aber wir waren sehr überlegen in der ersten Halbzeit.

Hirving Lozano (Torschütze Mexiko):

Ich bin sehr glücklich. Wir haben alles gegeben. Das ist das Resultat von harter Arbeit. Ich weiß nicht, ob es der größte Sieg Mexikos in der Geschichte ist, aber es sicher einer der größten.

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